Ein Blog über feministische Perspektiven, Podcasting-Kultur und Literaturkritik
– wo sich Stimmen, Geschichten und Ideen begegnen.

Meine Podcast-Routine für jede Folge. (Foto: Valerie Wagner)

Meine 10-Schritte-Podcast-Routine für jede Episode

Mit der Zeit habe ich eine feste Routine für Podcasts und Blogartikel entwickelt. Die Tools, die ich nutze, habe ich im Artikel „19 Tools, die mich beim Podcasten unterstützen“ beschrieben. Hier möchte ich meine Vorgehensweise für Podcasts genauer erklären. Die Planung und Organisation läuft für jede Folge ähnlich ab – egal ob für den „Die Büchersammlerin“ oder „Die Podcast-Reportage“.

Die Artikel erschien erstmals am 3. März 2024. Ich habe ihn vollständig überarbeitet und aktualisiert.

1. Von der Idee zur Folge

Am Anfang steht immer eine Idee. Meine neue Sendung „Die Büchersammlerin“ entstand aus meinem Wunsch weiterhin einen Bücher-Podcast zu betreiben. Im Oktober 2024 beendete ich das Projekt „Die Bücherstaplerinnen“, das ich drei Jahre mit Antje Tomfohrde gecohostet habe. Ich wollte dennoch weiter über Bücher sprechen. In „Die Büchersammlerin“ bespreche ich ein Buch das ich gelesen habe und führe danach ein Gespräch zur Entstehung des Buchs mit der Autorin oder dem Autor. Zugegeben im Moment habe ich mehr Autorinnen als Autoren zu Gast. Das kann sich in 2026 noch ändern. Also die Idee für die Folgen im Bücherpodcast ergeben sich aus meinen gelesenen Büchern und können nur entstehen, wenn die Autor:innen bereit sind in meinen Podcast zu kommen. Das ist ein kleines Risiko das ich für die Sendung eingehen muss.

In meinem Interviewpodcast „Die Podcast-Reportage“ führe ich Interviews. Diese ergeben sich aus Dingen die ich gelesen, gehört oder gesehen habe. Zuletzt war Cheyenne Mackay zu Gast mit der ich über die beeindruckende Studie bzw. das Handbuch „Designing Podcasts“ sprechen konnte. 

Falls du Inspiration suchst, wie du auf Ideen kommst, lies meinen Blogartikel „Innovationsmethoden, um eine richtig gute Idee für dein Podcast-Thema zu finden“.

2. Meine Redaktionsplanung mit Excel

Im der Ursprungsversion dieses Textes stand hier als Überschrift „Redaktionsplanung mit Asana“. Das nutze ich nicht mehr. Selbst für die Co-Host-Sendungen hat sich ein einfaches Excelsheet bewährt. Mit den Tools Asana, Trello usw. war ich immer öfter damit beschäftigt über die richtigen Tags, Daten, Aufgabenbeschreibungen oder sonst was nachzudenken, als über das Thema der Folge oder die nächsten wichtigen Schritte zur Vorbereitung. Excel reicht für mich vollkommen, vor allem als One-Woman-Show oder in Zweier-Host-Teams. Selbstverständlich kannst du das handhaben wie du willst. Wichtig ist dass Themenideen oder konkrete Folgen irgendwo stehen, damit ich sie nicht vergesse.

3. Das Konzept für die Episode schreiben – oder auch nicht

Ich habe hier schon viel ausprobiert, bin aber zwischenzeitlich pro Konzept. Jede Podcastfolge soll einen Mehrwert für alle Beteiligten bieten. Vor allem für die Hörer:innen aber auch für den Gast oder die Gästin und am Ende auch für mich als Host. Ich schreibe in Word ein Konzept pro Folge.

Für „Die Büchersammlerin“ besteht das Konzept pro Folge aus:

  • einer Beschreibung des Mehrwerts für den Gast, die Gästin
  • die Hörer:innen,
  • einem Technikteil, den hatte ich bisher etwas unterschätzt und gebe meinen Gästen konkrete Hilfestellungen, denn beim Podcasten kommts auf den guten Ton an
  • Hilfeseiten für iOS und Windows betreffend Technik, Einstellungen Mikrofon und Lautsprecher-Ausgabe
  • Hinweis zum Mikrofon (bitte niemals Bluetooth!), Internetverbindung und dem optimalen Raum
  • Ablauf der Aufnahme und erste Fragen zur Vorbereitung für den Gast/die Gästin
  • Und ich formuliere die Bitte, die Folge nach Erscheinen zu teilen, damit das Gespräch die größtmögliche Aufmerksamkeit bekommt. So stellen wir gemeinsam sicher, dass das Buch und die Themen und auch der Podcast möglichst viele Menschen erreicht.

Für meine Gäste verfasse ich zusätzlich eine kurze Zusammenfassung per Mail.

4. So recherchiere ich für meine Podcastfolge

Für meine Sendung „Die Podcast-Reportage“  beginnt meine Recherche oft bei Google, gefolgt von Bing. Ich prüfe, welche Geschichten es bereits gibt, wie sie aufgebaut sind und was ich anders machen kann. Gibt es passende Gäste? Zunächst folge ich ihnen auf den Kanälen und mache mir ein Bild, ob sie in meine Sendung passen und es auch menschlich passen könnte. Wenn ja, kontaktiere ich sie über Social Media oder per Mail. Mein Netzwerk hilft mir oft, neue Kontakte zu knüpfen. Patrick Torma hat in meinem Adventskalender aus 2022 einige Tipps für die Gewinnung von Podcast-Gästen gegeben.

5. Wie ich meine Podcastfolgen strukturiere

In der ersten Version dieses Textes habe ich für die Struktur Mind Node als Tool der Wahl angegeben. Damit arbeite ich nicht mehr. Ich nutze ein Word-Dokument in das ich einen zweispaltige Tabelle einfüge. Für „Die Büchersammlerin“ bin ich dazu übergegangen ein Skript zu schreiben. In meiner Radiojournalismus-Ausbildung habe ich gelernt, wie man fürs Hören schreibt.

In die linke Spalte schreibe ich das Skript für die Buchrezension. In die rechte Spalte schreibe ich Regieanweisungen für den Schnitt. Zum Beispiel welches Musikjingle ich einfügen muss, welche Einsprecher ich noch aufnehmen muss und das Outro, das fast für jede Folge gleich ist, das ich aber mittlerweile jedes Mal neu einspreche.

6. Die Aufnahme mit Ultraschall.fm und Studio Link

Für die Aufnahme vereinbare ich einen Termin mit meinem Gast und sende ihm einen Link zu Studio Link. In Ultraschall.fm erstelle ich Tonspuren und setze während der Aufnahme Kapitel- und Editmarken. Ich schneide wenig, reduziere nur lange Denkpausen und störende Geräusche. Wichtig ist mir eine gute Tonqualität, weshab der Technikcheck oben unter Punkt 3 sehr wichtig ist.

Ich empfehle auf die Aufnahme mit Videokonferenztools wie Zoom oder Teams zu verzichten, da sie vor allem weibliche Stimmen schlecht dastehen lassen. Das wurde 2021 auch wissenschaftlich belegt.

„Grundsätzlich schränken digitale Meetings, wie sie aktuell für viele zum Berufsalltag gehören, die Reichweite und den Reichtum der nonverbalen Kommunikationssignale stark ein, sowohl bei Männern als auch bei Frauen“, erläutert Juniorprofessor Ingo Siegert. „Grund dafür ist die starke Kompression der zu übertragenden Sprachsignale, um einen zuverlässigen Service mit stabilen Videokonferenzverbindungen zu bieten.“ […] Das Fazit: Den Frauenstimmen fehlten im Vergleich zu ihren männlichen Kollegen wesentliche emotionale Komponenten, jene Eigenschaften der Stimme, die für den charismatischen Ausdruck relevant sind.“

Quelle: Pressemeldung idw

Studiolink Startseite: Name eingeben, Soundcheck durchführen und aufnehmen. (Screenshot: Valerie Wagner)
Studiolink Startseite: Name eingeben, Soundcheck durchführen und aufnehmen. (Screenshot: Valerie Wagner)
Der Studiolink Soundcheck. Und das Tool kannst du auch als Standalone nutzen. (Screenshot: Valerie Wagner)
Der Studiolink Soundcheck. Und das Tool kannst du auch als Standalone nutzen. (Screenshot: Valerie Wagner)
Aufnahme und Postproduktion sind mit Ultraschall ein Kinderspiel. Podcastproduktion von Aufnahme bis Veröffentlichung. (Bild: Valerie Wagner)
Aufnahme und Postproduktion sind mit Ultraschall ein Kinderspiel. (Bild: Valerie Wagner)

7. Post-Produktion mit Ultraschall.fm

Nach der Aufnahme bearbeite ich die Tonspuren direkt in Ultraschall. fm. Früher musste ich Dateien umständlich zwischen Tools hin- und herladen, doch mit Ultraschall ist alles in einem Programm möglich. Tutorials von Ralf Stockmann haben mir geholfen, das Tool zu meistern. Das Team hinter Ultraschall hat mit dem letzten Update auch noch mal eine Schippe draufgelegt und ein super Handbuch erstellt. Und auch im Sendegate findet man immer Rat aus der Community.

8. Transkription mit KI Tools

Dank KI-Tools wie Whisper Transcription oder  Aiko ist die Transkription heute viel einfacher. Früher (hier sprechen wir von einer Zeitspanne von neun Jahren) habe ich Stunden damit verbracht YouTube-Transkripte zu überarbeiten. Jetzt wähle ich, ob ich eine Folge transkribiere, je nachdem, ob ich sie weiterverwerten möchte.

9. Textüberarbeitung mit der Wolf-Schneider-KI oder Duden Mentor

Für die Nachbearbeitung meiner Texte nutze ich die Wolf-Schneider-KI oder den Duden Mentor.

Wolf Schneider war Journalist und Sprachkritiker und brache viele Bücher über die deutsche Sprache heraus. Von 1979 bis 1995 war er Leiter der Henri-Nannen-Schule, eine Hamburger Journalistenschule. Wolf Schneider starb im Alter von 97 Jahren am 11. November 2022 in Starnberg. Mit dem Aufkommen der Large Language Modells (LLM), also KI-Systeme die riesige Textmengen analysieren können und menschenähnliche Texte verstehen können, begann die Reporterfarbrik 2023 mit der Programmierung der sogenannten „Wolf Schneider KI“.

Die Reporterfabrik ist eine webbasierte Journalistenschule, die von CORRECTIV (Medienunternehmen in Essen) betrieben wird und online in digitalem Journalismus ausbildet. Sie bietet Kurse, Tutorials, Podcasts und Materialien an, um das Handwerk der Recherche, des Erzählens und Publizierens in modernen Medien zu vermitteln und die Medienkompetenz zu fördern.

Die Wolf-Schneider-KI schlägt Verbesserung für den Text vor, die ich umsetzen kann oder auch nicht. Es folgt dabei den Kernprinzipien von Wolf Schneider, wie beispielsweise: Kurze Sätze, Hauptsatz vor Nebensatz, aktive Verben, auf Passiv verzichten, weglassen belebt, also „Kill your Darlings“.

Duden Mentor folgt den Prinzipien des Dudens. Auch hier ist mittlerweile KI im Spiel, das kann ich wahlweise aktivieren oder auf die klassische Korrektur von Rechtschreibung, Grammatik und Stil zurückgreifen.

10. Wie ich meine Podcastfolge veröffentliche und für die Suchmaschine optimiere

Ich denke SEO frühzeitig mit und überlege mir, wie ich die Suchmaschine in meinen Produktionsprozess integrieren kann. Das bedeutet, ich suche schon vor Veröffentlichung nach möglichen Keywords für das Thema der Folge. Wichtig ist dabei vor allem aus der Perspektive der Zielgruppe zu denken und für sie die Folgen zu produzieren. Welche Bedürfnisse haben sie? Was wollen sie wissen – immer mit Blick auf das übergeordnete Thema deiner Sendung, doch heruntergebrochen auf diese eine Folge. All das versuche ich bei der Titelwahl und dem Beschreibungstext sowie den Shownotes zu berücksichtigen.

Wichtig ist es außerdem großzügig beim Teilen und Verlinken zu sein – und die Menschen teilen deine Inhalte auch, im besten Fall. Sogenannte Backlinks und Erwähnungen von anderen Websites können die Sichtbarkeit und das Ranking beeinflussen. Für jede meiner Sendungen habe ich eine Seite auf meiner Website und die Folge veröffentliche ich auch als Beitrag auf meiner Website. Auch technisches SEO, also die Verwendung von Meta-Tags, optimierten Bildern und einer schnellen Ladezeit ist wichtig. Auch Regelmässigkeit, also Kontinuität und Verlässlichkeit fördern die Sichtbarkeit und Reichweite bei Suchmaschinen, aber vor allem bei Hörer:innen, denn die haben eine Hörerroutine.

Abschließend suche ich ein Titelbild und plane den Beitrag in WordPress ein. Bei den Bildern greife ich mittlerweile auf eigene, das heißt selbstgemachte Bilder zurück. Beim Bücherpodcast ist es das Buch, beim Interviewpodcast das Thema oder die interviewte Person. Für das Podcastfolgencover nutze ich meistens ein Bild vom Gast. Die Folge lade ich in WordPress hoch, da ich selbst hoste, geht das über meine Website und wird dann über ein Plugin zu Spotify, Apple Podcast usw. verteilt.

Für „Die Büchersammerlin“ habe einen extra Instragram-Kanal eröffnet. Dort teile ich Audiogramme, also sich bewegende Tonspuren als Reel, um auf die Folge aufmerksam zu machen. Und hin und wieder halte ich für ein kurzes Reel mein Gesicht in die Kamera.

Weiterführende Links

Gut geplant ist halb gewonnen – auch beim Podcasten – audiobeitraege.de

Mein Podcast-Workflow – So entsteht Schritt für Schritt eine neue Episode – Mikrofon- und Podcast Tipps


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