DEHOGA Hessen: Der digitale Meldeschein und weitere Standpunkte – im Gespräch mit Julius Wagner

DEHOGA Hessen: Der digitale Meldeschein und weitere Standpunkte – im Gespräch mit Julius Wagner

Alles begann mit meiner Bemerkung auf Twitter am 15. September 2019 und der Antwort des DEHOGA Hessen:


Im weiteren Verlauf der Diskussion und Nachrichten auf Twitter entstand die Idee im Podcast darüber zu sprechen und unter uns: Ich hätte nie gedacht, daß das klappt. Hat es aber und das Ergebnis kannst du jetzt anhören!

Im Podcast spricht Julius über die Online Petition „Es ist fünf nach zwölf! Rettet unsere Gasthäuser! Für mehr Porzellan statt Plastik!“ Mach bei der Petition mit! Unterstützte den DEHOGA Bayern e.V. der zur Petition aufgerufen hat und alle Restaurants dabei, eine gerechte Besteuerung auf Speisen und Getränke zu erwirken.

Es ist auch ein historisches Ereignis: Der längste Podcast in der Geschichte von Hotel-O-Motion on Air! Eine Stunde und zwanzig Minuten habe ich mich mit Julius Wagner, Hauptgeschäftsführer des DEHOGA Hessen, über den digitalen Meldeschein, Standpunkte als PDF (CDU lässt grüßen) und weitere Meilensteine in der Verbandsarbeit unterhalten.

Ich weiß der Podcast ist lang, aber ich freu mich, wenn du dir dennoch die Zeit nimmst. Du wirst es nicht bereuen!

Shownotes

02:52 So kam es zum Podcast: Tweet über den digitalen Meldeschein
04:30 Was macht der Deutsche Hotel und Gaststättenverband – Die Daseinsberechtigung
05:59 Lobbyarbeit für die Hotellerie und Gastronomie… Keine Geschäfte im Hinterzimmer!
09:21 Der digitale Meldeschein, der DEHOGA und die IHA – am 01.01.2020 geht’s los?
13:43 Datenvorratsspeicherung und die digitale ID…
20:08 Die Standpunkte der DEHOGA, das Rezo-Video und die PDF der CDU…
20:47 Digitales Community Management des DEHOGA
25:55 Die Verbandsarbeit des DEHOGA sichtbar (und hörbar) machen!
27:11 Unsere Themen: Digitale Angebote, Sharing Economy, Fachkräftesicherung, Arbeitszeitgesetz, Bettensteuer, Mehrwertsteuer
30:44 Die Ratenparität
32:59 Gesunder Menschenverstand und die Online Travel Agencies
35:02 bookdirect.com – kleinere Betriebe setzen auf Portale
38:01 Die Sharing Economy – Airbnb & Co.
41:26 Der Airbnb-Test – keine Konkurrenz für Hotels
45:22 Die Fachkräftesicherung
48:06 Fachkräftemangel gibt es nicht
52:45 Das Arbeitszeitgesetz
01:00 Das Hochzeitsfest
01:05 Die Bettensteuer
01:08 …beim Bundesverfassungsgericht und der Stand der Dinge
01:10 Die Mehrwertsteuer
01:15 Die Online-Petition vom DEHOGA Bayern für den Bundestag
01:17 Warum ist der DEHOGA so selten auf Social Media aktiv?!
01:20 Folge dem DEHOGA Hessen auf Social Media

Teil 1 der Transkription – Viel Vergnügen beim Lesen!

So kam es zum Podcast: Tweet über den digitalen Meldeschein

Valerie: Wir haben uns über Twitter kennengelernt. Da hab ich über den digitalen Meldeschein getwittert und daraus entstand eine Diskussion. Denn mir fehlte einfach die transparente Kommunikation vom DEHOGA und der IHA vorab. Ich hatte schon zur Bekanntgabe einen Podcast mit Ingo Busch zum digitalen Meldeschein veröffentlicht.

Ich freue mich auf jeden Fall, dass du da bist und wir über den DEHOGA und seine Mitwirkung am digitalen Meldeschein sprechen können.

Julius Wagner: Ja, super! Da waren wir beide happy, dass wir relativ normal und aufgeschlossen miteinander reden konnte. Also an dieser Stelle nochmal ganz vielen Dank für die Gelegenheit auch darüber heute mit dir zu sprechen.

Valerie: Der digitale Meldeschein kommt und der DEHOGA und die IHA haben dazu beigetragen. Und jetzt soll das ganze am 01.01.2020 starten oder schon umgesetzt sein. Wir kommen gleich zum Meldeschein. Aber jetzt möchte ich erst mal hören, was macht der DEHOGA grundsätzlich? Natürlich weiß man das, es ist der Deutsche Hotel-und Gaststättenverband, aber was ist die grundsätzliche „Daseinsberechtigung“ des Verbands?

Julius: Ich könnte jetzt ganz, ganz weit ausholen und weit in die 1870er Jahre zurückgehen. Das wäre etwas langweilig. Geändert hat sich seit Gründung des DEHOGA überhaupt nichts an dem Auftrag den wir für die Branche haben. Wir machen in erster Linie Interessensvertretung. Ich nutze mal ein Wort, das im Deutschen nicht so beliebt ist, das im politischen System nicht so beliebt ist, wir machen Lobbyarbeit für die Hotellerie und Gastronomie. Das ist nicht so beliebt, weil wir das oft verbinden mit Rüstung und Pharma. Lobby klingt immer nach schwarzen Koffern, Geld und Schmierereien. Das will ich in anderen Branchen gar nicht beurteilen, ich glaube da ist an vielen Stellen was Wahres dran, warum das Wort hier nicht gut gelitten ist.

Ich glaube für die Demokratie, in der es entscheidend darauf ankommt, Interessenausgleiche zu schaffen, jedem oder sagen wir mal jeder Gruppe, die ihm angemessene Stimme zu geben, Mehrheitsentscheidungen zu fällen, ist ganz wesentlich, das Gruppierungen in Verbänden, in Zusammenschlüssen streiten und dann ihre Meinung, ihre Auffassung kundtun. Diese Auffassungen müssen der Politik erklärt werden. Das ist die Aufgabe des DEHOGA.

Deswegen ist es auch so wichtig, dass der DEHOGA stark ist und wir sind ein Verband in der Rechtsform eines Vereins. Das heißt wir sind Mitglieder-getragen. Hoteliers und Gastronomen werden im Idealfall bei uns Mitglied und unterstützen politische Lobbyarbeit, Interessensvertretung im klassischen Sinne oder beeinflussen sie im noch besseren Fall, in dem sie sich selbst engagieren und einbringen. Wir haben in Hessen zum Beispiel allein 400 Ehrenamtsträger, das sind gemessen an unseren Mitgliedern etwa ein Anteil von 10 Prozent. In Baden-Württemberg mit knapp, ich glaube 13’000-14’000 Mitgliedern, sind das noch viele, viele hundert mehr. Der DEHOGA besteht eben aus diesen Unternehmerinnen und Unternehmern, Hoteliers, Gastronomen, Bar-Betreiber, Diskotheken, Club-Besitzer, die die Vorstände bilden und der Branche Stimme und Gesicht verleihen.

Du sprichst jetzt mit einem, der für die operative Unterstützung dieser Ehrenamtsträger da ist. Das nennt man das Hauptamt. Das heißt, wir arbeiten für den Verband, werden dafür bezahlt und machen nichts anderes. Aber die Galionsfiguren, das Gesicht, das sind die Hoteliers und Gastronomen.

Neben dieser bedeutenden und ich glaube auch wichtigsten Aufgabe der politischen Lobbyarbeit der Interessensvertretung machen wir ganz, ganz viel. Das gilt für Städte, Gemeinden für Landesebene, für ich hier zuständig bin, für die Bundesebene aber auch für die europäische Ebene. Daneben sind wir Dienstleister für unsere Mitgliedsbetriebe. Das ist in letzten Jahrzehnten massiv gewachsen. Wir machen auch gemäß unserer Satzung, echte Rechtsberatung für die Mitgliedsunternehmen. In arbeitsrechtlichen Sachen, wir sind Arbeitgeberverband, gehen wir auch für die Hoteliers und Gastronomen zuweilen vor die Arbeitsgerichte. Da sind wir echter Anwalt der Branche, für die Betriebe im Einzelnen. Das sind wir aber auch großen.

Wenn Politik gravierende Fehlentscheidungen trifft, das leider viel zu oft vorkommt, zulasten unserer Betriebe, sind wir derjenige der zu weilen bis vor das Bundesverfassungsgericht maschiert. Das ist zum Beispiel im Falle der Rauchverbote erfolgreich geschehen, es wird – darüber sprechen wir noch – derzeit auch und es wird nicht mehr lange dauern und auch im Falle der Bettensteuer geschehen. Wir sind bunt aufgestellt und für alles, alles ansprechbar, wo es um Probleme und Themen, aber auch neue Aktivitäten in der Hotellerie und Gastronomie in Deutschland geht.

Valerie: Der letzte Erfolg, der auch in der Fachpresse publiziert wurde, ist der digitale Meldeschein. Wie hat das angefangen, wann hat es angefangen, von welcher Zeitspanne sprechen wir da? Denn in unserer Diskussion auf Twitter hast du auch gesagt, dass es ganz so einfach war, wie es jetzt in der Pressemitteilungen dargestellt wurde, war es nicht. Da steckt schon ein bisschen mehr dahinter. Was war denn dieses „mehr“ dahinter?

Julius: Ja. Ein buntes Konzert der föderalen Stimmen in der Bundesrepublik und entsprechend auch ein erfolgreiches Ineinandergreifen, der Arbeit der Verbände. Das war ja der Punkt der uns zusammenbrachte. Richtigerweise ist es so, dass der Hotelverband Deutschland (IHA) mit dem DEHOGA Bundesverband in Berlin zusammengearbeitet hat und auf den letzten Metern den absoluten Löwenanteil an der Kernarbeit bei der Überzeugung, insbesondere des deutschen Bundesinnenministeriums geleistet und das es dazu kam, dass jetzt endlich eingesehen wurde, dass man hier durchaus mal was ändern kann Richtung Digitalisierung. Dem voraus und ich will nicht so weit zurückgehen – das ist schon seit vielen Jahren eine der Forderung des Verbandes auch der Landesverbände, an ihre jeweiligen Innenminister herangetragen im Bereich des Melderechtes, dass wir endlich zu digitalen Möglichkeiten und zu Anpassungen an die Wirklichkeit von Gästen in der Hotellerie kommen.

Der erste Stein des Anstoßes, der wirklich für uns augenfällig war, das gilt für die Hessen, die Berliner, die Schleswig-Holsteiner, die Bayern, war das Mecklenburg-Vorpommern am 21. Mai 2019 im Alleingang die Landesregierung den digitalen Meldeschein quasi zugelassen hat. Vielmehr die digitale Unterschrift. Das war im Mai und im Juni wurde das umgesetzt. Das führte dazu, in vielen DEHOGA-Landesverbänden, so auch bei uns, kuckt euch mal an, was in Mecklenburg-Vorpommern, einem ausgewiesenen Tourismusland geschieht. Das haben wir genau in diesem Wortlaut an den hessischen Innenminister, als auch dem Wirtschaftsminister geschrieben. Das muss doch hierzulande auch möglich sein. Auf Landesebene war das sehr behäbig. Wir haben die föderale Struktur und klar das Meldegesetz als großes solches ist eine Bundesaufgabe, aber die Umsetzung liegt bei den Ländern. Wir haben hier, von Button to Top versucht zu agieren. Dieses Top wurde dann in der Tat durch den Hotelverband eingetütet.

Was mich ein bisschen in der öffentlichen Darstellung gestört hat, dass wir als DEHOGA überhaupt nicht aufgetaucht sind. Das liegt nicht am Hotelverband, sondern das liegt am DEHOGA. Ich glaube hier an einer vielleicht etwas zurückhaltenden Werbung dafür. Das wir hier seit ganz langer Zeit schon und auch in dem Bewusstsein dicke Bretter zu bohren aktiv gewesen sind.

Ja, klappern gehört zum Handwerk. So ein Verband muss sagen, was er an Erfolgen erreicht hat. Auch und das ist keine Schande, ganz im Gegenteil, wenn man das mit Partnern geschafft hat. Wenn man sich zusammengeschlossen hat und erfolgreich mit Einheit ein solches Ergebnis mit zu verantworten hat.

Valerie: Ich hab es vorhin schon kurz angesprochen. Ingo Busch, mit dem ich regelmässig über Datenschutz spreche, hat da eine andere Meinung dazu. Zum einen sagt er, das das Meldegesetz an sich schon eine sehr große Datenvorratsspeicherung darstellt. Das sagte auch der Bundesdatenschützer Ulrich Kelber in einem Interview. Dann kommt es zu einer großen Datenspeicherung und was die Fachpresse geschrieben hat, und weswegen ich ja auch so ein bisschen kritisch hinterfragt habe, war ja nur der Referentenentwurf.

Darin stand der 01.01. Da steht keine Jahreszahl dabei. Jetzt hoffen alle, dass es der 01.01.2020. wird. Der muss natürlich noch einige Instanzen und ich zitiere hier Ingo frei ‚es ist der feuchte Traum von Horst Seehofer, diese Daten zu sammeln und auch innen- oder sicherheitspolititisch zu nutzen.

Datenvorratsspeicherung und die digitale ID

Valerie: Als ich vor zwei Jahren geheiratet habe, wurde mir auch die elektronische ID angeboten. Die hab ich auch zuhause, müsste da noch die PIN freirubbeln und mich irgendwo anmelden.
Das ist ja schon mal das erste was der Gast braucht um den digitalen Meldeschein zu nutzen. Oder eine Verbindung zu einer Kreditkarte zum Beispiel.

Die Problematik die Ingo sieht, ist das bei Geschäftsreisen, bei denen eine Kostenübernahme hinterlegt wird oder eine Firmenkreditkarte, ist die Identifikation zwischen diesem Mensch der eincheckt und der Karte die hinterlegt ist, nicht möglich. Und der nächste Punkt es soll nicht verpflichtend sein.

Wie genau soll das am Ende ablaufen und ist der Referentenentwurf das was durchgewunken wird? Und: Schaffen die das bis zum 01.01.?

Julius: Klar, das sind alles Fragen, im Ergebnis, das müssen die im deutschen Bundestag zuständigen oder insbesondere die im Kabinett oder auch das Bundesinnenministerium – das müssen wir die fragen.

Nichtsdestotrotz, das war eine ganz wichtige Angelegenheit, sowohl für Hotelverband, als auch für den DEHOGA, dass es weiterhin möglich ist, das ein Check-In im Hotel klassisch Hotelmeldepflicht mit Papier erfüllt werden kann. Das ist auch bei der ganzen Diskussion um das Voranschreiten der Digitalisierung im Schweinsgalopp untergegangen.

Diese Möglichkeit muss es unbedingt geben, denn wir müssen davon ausgehen, dass eine Vielzahl gerade von kleinteiligen Betrieben nicht so schnell vollständig auf die digitale Infrastruktur umstellen können. Weil wir auch beim Thema Breitbandausbau gerade in ländlichen Regionen in die Röhre kucken. Das ist noch nicht mal eine Frage der finanziellen Kraft der Betriebe, sondern der technischen Voraussetzungen.

Ob das zum 01.01.2020 in Kraft tritt können wir nicht sagen mit Sicherheit. Es ist so, das war zuletzt in der AHGZ zu lesen, das das Bundesinnenministerium in Aussicht gestellt hat, das dies gelingen möge. Und hat in diesem Zusammenhang darauf hingewiesen, das bspw. die digitale Krankmeldung nicht gelingen wird. Hier wird ein inkrafttreten erst 2021 möglich sein. Das deutete aber darauf hin, dass sie sich ernsthaft damit auseinandersetzen, das sie das schaffen.

Die wichtigen und grundlegenden Bedenken der Datenschützer, die darf man sicherlich nicht einfach so vom Tisch wischen. Allen Beteiligten ist aber von Anfang an klar gewesen, dass wir durch die Digitalisierung der Möglichkeiten, du hast es vorher richtigerweise Vorratsdatenspeicherung genannt, also die Hotelmeldeschein aufbewahrt, das das natürlich den Datenfluss beschleunigt, vereinfacht, transparenter und beherrschbarer macht, das muss man sehen. Und die DSGVO-Konformität und alles was mit dem Bundesdatenschutzgesetz noch tiefer zusammenhängt, das muss beachtet werden. Da haben wir guten Glauben daran, dass das nicht zuletzt den gehobenen Zeigenfinger der Datenschützer geschieht.

Ich wundere mich, aber das ist eher eine persönliche Tendenz dazu, dass die Menschen so leichtfertig mit ihren Daten im World Wide Web gegenüber großen Companies umgehen, wo sie Waren und Dienstleistungen kaufen. Da ist das alles gar kein Problem. Und wir haben beim Thema Hotelmeldeschein auch in erster Linie, eine Dienstleistung im Vordergrund stehen. Sobald der Staat mit Sicherheitsaspekten und Grundlagen dazu kommt, werden wir zurückhaltender. Auch beim Personalausweis. Das was du bei deiner Eheschließung hattest, hatte ich beim Auslauf meines Personausweises. Und die Frage, wo man denkt ja das könnte vieles vereinfachen, mache ich das? Das ist sicherlich ein Phänomen hierzulande, da ticken die Chinesen ganz anders.

Ich finde das auch gut und wichtig. Ich glaube dennoch, es wird Lösungen dafür geben und es wird ganz bestimmt für das Thema der Geschäftskunden geben. Selbstverständlich, das wird alles lösbar. Wir haben ja gerade bei Kreditkartenzahlungen die PSD2-Richtlinie zu beachten. Es wird komplexer und komplizierter. Insofern ist auch nicht immer, alles was digital umgesetzt einfacher.

Es wäre weitaus zu früh, den Referentenentwurf zu zerreden, wir sind sehr, sehr froh, dass wir diesen Weg haben, der ist zukunftsweisend, erst Recht aus Sicht der Gäste und es wird darauf ankommen, dass wir das vernünftig für die Hotellerie zu lösen. Hier sind wir sowohl als DEHOGA als auch IHA in diesen Wochen dabei einen runden Tisch der Dienstleister, der Anbieter im digitalen Bereich zu bilden und sich schlau zu machen, was gut und vernünftig umsetzbar ist.

Digitales Community Management des DEHOGA oder die CDU’sche Antwort per PDF

Valerie: Gut. Dann lass ich dich vom Haken und nehme den digitalen Meldeschein so an…

Julius: Da wird noch viel zu sagen und viel zu hören sein.

Valerie: Sehr gut. Wir wollen uns nicht nur über den digitalen Meldeschein unterhalten, denn es gibt auf der Webseite des DEHOGA ein paar Standpunkte, die man sich ankucken kann. Da ist mir – da muss ich mal eine spitze Bemerkung fallen lassen… Das sind alles PDF-Dateien. Da kam ich mir ein bisschen so vor, wie Rezo und das elfseitige PDF-Dokument von der CDU.

Warum macht ihr dazu keinen dynamischen Blog dazu? Vielleicht noch mit der Möglichkeit zum kommentieren darunter? Da könnte man noch die Community, also die Hoteliers abholen.

Julius: Das ist durchaus eine noch sehr sichtbare Schwäche, des DEHOGA, seiner Untergliederung… Da gehören auch wir dazu, auf Landesebene. Ja. Ich weiß nicht immer ob der Blog die richtige Art ist; klar du könntest es der DEHOGA-Seite machen. Aber ich glaube, wir müssen viel stärker in den sozialen Netzwerken kommunizieren und unterwegs sein. Dort auch – und das haben wir beide erlebt, in einem smoothen, moderaten Miteinandern – das kennst du, wie alle anderen auch, ganz anders. Du hast vollkommen recht, da müssen wir in der adäquaten Art und Weise, ich sage es etwas sperrig, präsent sein. Da ist natürlich das PDF nicht so das State of the Art.

Valerie: Das wäre ja auch für die Auffindbarkeit des DEHOGA im Netz viel attraktiver.

Julius: Auf jeden Fall.

Valerie: Es muss ja kein Blog sein, es reicht, das auf der Unterseite der Webseite zu präsentieren.

Julius: Das Thema Meldeschein ist auch tatsächlich ein besonders, auch mich persönlich etwas Ärgerndes. Bei den anderen Standpunkten, die ich sag mal „etabliert“ sind, findest du die Unterseiten und das ist glaube ich auch Suchmaschinenoptimiert, zumindest meine ich, das das geschieht. Gerade beim Meldeschein ist das nicht. Das hat mich auch sehr geärgert, wir sind da nicht schnell genug. Gerade in der Kurzlebigkeit der Themen, erst Recht für Gastronomen und Hoteliers, wir geben ja alle unseren klassischen Newsletter raus. Uns geht das nicht anders, wir werden zugebombt. Jeder hat so seinen eigenen Online-Channel. Ob das jetzt Twitter ist, das ja durchaus sehr politisch, ob das für eine Mehrheit unserer Mitglieder Facebook ist, für die jüngeren Instagram. Da müssen wir schneller, mundgerechter, attraktiver sein.

Die Online-Kommunikatin, die digitale Präsenz eines Verbandes auch mit politischen Themen, das muss man lernen hier. Das müssen wir zweimal rückwärts eigentlich schon gelernt haben. Die muss in Kauf nehmen, dass sie nicht die Komplexität der Themen transportieren kann. Ich glaube auch, aber das ist eine schmerzliche Erfahrung für den Verband, der unglaublich viel Herzblut und Arbeit, Termine, Zeit und Co. in die Themen steckt und versucht das an die Mitglieder zu transportieren, davon müssen wir uns längst verabschiedet haben. Das haben wir auch ingesamt getan. Die richtige Art und Weise der Kommunikation, wo wir uns anpassen müssen, an den digitalen Markt draußen, das hast du gerade selber mit mehreren Nadelstichen deutlich beschrieben. Die Erkenntnis dazu besteht durchaus. Ich glaube wir versuchen in den Ländern, was Baden-Württemberg, als wirklich progressives Beispiel, auch DEHOGA Bayern, da kucken wir – das ist der föderale Wettbewerb – sehr genau hin. Da tauschen wir uns aus, es gibt eine Arbeitsgruppe – alles furchtbar langweilig von außen, aber ja da muss Druck aufgebaut werden.
Dieser Druck muss von Hoteliers und Gastronomen kommen. Ich weiß das sehr zu schätzen. Diesen Druck braucht der Verband, um schneller zu agieren. Wir vergeben sonst unglaublich viel und das wäre verdammt schade, wenn ein Hotelier im Land nicht weiß, dass es einen Verband gibt, der unheimlich viel in seine Richtung tut.

Valerie: Genau, genau. Da gibt es ja die ganzen runden Tische und Arbeitsgruppen und darüber kann auch schon berichten. Und wenn das nur am Anfang ein Foto ist für Instagram oder eine Story oder drei, vier Tweets. Eine PDF teile ich nicht auf Social Media, aber eine Seite die mich interessiert. Die teile ich auch, weil es dann auch einfach ist.

Die Verbandsarbeit des DEHOGA sichtbar (und hörbar) machen!

Julius: Absolut ganz genau. Das erleben wir gerade in Sachen Petition in Sachen Mehrwertsteuer.

Valerie: Okay, also die Standpunkte als PDF. Wir haben uns sechs Standpunkte herausgesucht, die wir mal besprechen wollen.

  • digitale Angebote, Chancen und Risiken
  • Sharing Economy
  • Fachkräftesicherung
  • Arbeitszeitgesetz
  • Bettensteuer
  • Mehrwertsteuer

Da sind Themen, die topaktuell sind und mit denen ihr euch als Verband gerade intensiv beschäftigt.

Im Podcast spricht Julius Wagner von der Petition:

„Es ist fünf nach zwölf! Rettet unsere Gasthäuser! Für mehr Porzellan statt Plastik!“

„Wir erwarten, dass unser Essen steuerlich einheitlich mit dem reduzierten Mehrwertsteuersatz belegt wird, unabhängig von der Art der Zubereitung sowie wo und wie wir es essen. Es ist eine Frage unserer Gesundheit, des Umweltschutzes, der Steuergerechtigkeit, der Wertschätzung und der Zukunftssicherung unserer Restaurants und Gasthäuser.“

Mach jetzt mit und unterschreibe die Online-Petition!

Und jetzt zu dir: Welche Meinung hast du zum digitalen Meldeschein? Wie stehst du zur Digitalisierung, Sharing Economy, Fachkräftesicherung, Arbeitszeitgesetz, Bettensteuer und Mehrwertsteuer? Hinterlass mir einen Kommentar unter diesem Beitrag und lass uns drüber reden! Ich freue mich drauf! Viele Dank.

Über den Gesprächspartner Julius Wagner, Hauptgeschäftsführer DEHOGA Hessen

Julius Wagner ist seit 2009 Hauptgeschäftsführer des Hotel- und Gastronomieverbandes DEHOGA Hessen mit rund 4000 Mitgliedern aus Hessens Hotellerie und Gastronomie. Julius ist verheiratet und lebt und arbeitet in Wiesbaden. Er verfügt über 10 Jahre Berufserfahrung in der Hotellerie in unterschiedlichen Bereichen, ist gelernter Jurist und Rechtsanwalt und gestaltet die Verbandsarbeit in den Gremien des DEHOGA auf Bundesebene aktiv mit.

  • Mitglied des Vorstands, Hessischer Tourismusverband (HTV) e.V., Marburg
  • Mitglied für die Arbeitgebervertretung, Vertreterversammlung der Deutschen Rentenversicherung Hessen, Frankfurt am Main
  • Stellv. Vorsitzender, Marketingbeirat der HA Hessen Agentur GmbH, Wiesbaden
  • Mitglied im Tourismusausschuss, Industrie- und Handelskammer Wiesbaden
  • Mitglied im Bürgschaftsausschuss, Bürgschaftsbank Hessen (BBH), Wiesbaden
  • Mitglied, Hessischer Fachausschuss für Kurorte, Erholungsorte und Heilbrunnen, Kassel

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6 Kommentare

  1. @Julius Wagner:

    ich wäre davon ausgegangen, dass spätestens mit der jetzt erfolgten Zustimmung des Bundesrates die DEHOGA eine Handreichung veröffentlicht. „Vor Weihnachten“ dürfte für die Software-Hersteller, vor allem die kleineren, mit denen Sie womöglich gar nicht sprechen, weil diese Ihnen unbekannt sein mögen, zu spät sein.

    Schon jetzt ist eine Vorlaufzeit von nur noch knapp 6 Wochen bis zum Inkrafttreten des Gesetzes eine extrem kurze Zeitspanne zur Implementierung eines digitalen Meldescheins. Von daher befürchte ich, dass die Implementierungen zum Teil „mit der heißen Nadel gestrickt“ sein könnten. Zu dieser Einschätzung komme ich aufgrund meiner langjährigen Erfahrung als Software-Entwickler und Leiter der Software-Entwicklung bei einem Lösungsanbieter von MIS-Software.

    Mir ist durchaus bewusst, dass kein Hotellier am 1.1. einen digitalen Meldeschein zwingend benötigt, aber es dürfte Einige geben, die genau das von ihrem Software-Lieferanten erwartet. Umso mehr, da es nicht gerade unüblich ist, dass Branchen-Software zum Jahreswechsel ein größeres Update erhält.

    Vielleicht helfen meine Gedanken zum Thema Ihnen und Ihren Mitstreitern im DEHOGA dabei, die Veröffentlichung von Handreichungen zum digitalen Meldeschein zusätzlich zu beschleunigen 😉

  2. Zuerst einmal: Danke für die Erwähnung!

    Zum digitalen Meldeschein: Der Bundesrat hat in der Sitzung vorgestern dem „Bürokratieentlastungsgesetz“ zugestimmt und damit den Weg für den digitalen Meldeschein freigemacht ( https://www.bundesrat.de/DE/plenum/bundesrat-kompakt/19/982/17.html#top-17 ). Das Gesetz soll zum 1.1.2020 in Kraft treten. Der verabschiedete Gesetzesentwurf ist hier zu finden: https://www.bundesrat.de/drs.html?id=538-19%28neu%29

    • Hallo Ingo,

      ist doch klar dass ich dich und unseren Podcast erwähne! 🙂
      Vielen Dank für die ergänzenden Links und Infos zum digitalen Meldeschein.

      Im geänderten Text ist mir gleich §29 Abs. a) 1. aufgefallen: „einen kartengebundenen Zahlungsvorgang mit einer starken Kundenauthentifizierung im Sinne des § 1 Absatz 24 des Zahlungsdiensteaufsichtsgesetzes auslöst, bei dem die zweckgebundene Zuordnungsnummer des eingesetzten Zahlungsmittels erhoben wird[…]“

      Damit ist die Umsetzung doch auch schon geregelt bzw. „erleichtert“. Mit PSD2 (Zahlungsdiensterichtlinie 2) – die ALLE betreffen, nicht nur Hotels – kann der digitale Meldeschein umgesetzt werden. Da wurde ja mal richtig mitgedacht 😉

      Grüße
      Valerie

        • Da Hotels mit der Umsetzung der DSGVO eh hinterherhinken, vermute ich mal, dass sich darüber noch keiner Gedanken gemacht hat… Und die Software-Anbieter kommen größtenteils mit den Anforderungen nicht hinterher bzw. gehen nicht proaktiv darauf zu. Insofern bin ich auch sehr auf die Entwicklungen gespannt. 🙂

          • Nochmal auch ein großes Dankeschön von mir, liebe Valerie! …IHA und DEHOGA sind bereits in Gesprächen zu den verschiedenen Lösungsmöglichkeiten seitens der Anbieter von Hotel Software. Wir werden ganz sicher noch vor Weihnachten dazu Empfehlungen und ein entsprechendes Merkblatt mit juristischen Hinweisen an die Hotellerie herausgeben. Mit einem Gruß, Julius

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