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Stimmen für die Hotellerie_ Planung ist das A & O – Das Hotelkompetenzzentrum

Stimmen für die Hotellerie: Interview mit Christian Peter vom Hotelkompetenzzentrum

In meiner Podcast Reihe „Stimmen für die Hotellerie“ spreche ich mit Menschen aus der Branche über die Branche. Wenn du auch Teil der Reihe werden willst und etwas zu sagen hast, dann schau dir an um was geht und melde dich gerne bei mir. Weitere Infos und meinen Kontaktdaten findest du hier.

In meiner 32. Podcast Episode spreche ich mit Christian Peter vom Hotelkompetenzzentrum über die Hotellerie. Welche Herausforderungen sieht er in der Branche und welche Lösungsvorschläge hält er für sinnvoll.

Viel Spaß beim Hören! Und wenn du lieber liest, kommt hier der Artikel für dich.

Willst du auch dabei sein bei meiner Podcast-Reihe „Stimmen für die Hotellerie“? Dann melde dich hier an. Ich freu mich auf dich!

Das Hotelkompetenzzentrum: Ein Hotel zum Anschauen und Anfassen – ohne Gäste

VW: Hallo Christian, schön dass du da bist. Stell dich doch kurz vor: Wer bist du und was machst du?

CP: Ich bin Geschäftsführer vom Hotelkompetenzzentrum Oberschleißheim. Wir sind eine komplett neutrale Informationsplattform, wenn es um den ganzheitlichen Hotelbetrieb geht. Wir haben aktuell 200 Industriepartner, die sich bei uns präsentieren.

Das geht von Matratzen bis Teppichboden, von Betten bis Seifenspendern zu Stühle und Großküchen. Also alles was für die Hotellerie wichtig und notwendig ist.

Wir sind komplett neutral. Das heißt, bei uns wird nichts verkauft und wir erhalten auch keine Provision.

Wir geben lediglich die Informationen der Hersteller weiter und sind insofern der verlängerte Arm vom Hersteller, wenn es um neutrale Informationen geht.

Das Hotelkompetenzzentrum verfügt über 3500 m² mit Hoteletage und Ausstellungfläche. Wir begrüßen im Jahr zwischen 3500 bis 3800 Fachbesucher. Davon sind ungefähr 80 % aus der DACH-Region, also Deutschland, Österreich, Schweiz und die restlichen 20 % aus dem europäischen Ausland.

Wir begrüßen täglich interessierte Gäste, die umbauen oder renovieren und unterschiedlichen Projekten. Das können Projektentwickler sein, Architekten oder Investoren. Für alle die mit Hotelbau zu tun haben, sind wir die erste Adresse.

VW: Wie ist das Hotelkompetenzzentrum entstanden?

CP: Das ist vor ungefähr 7 Jahren entstanden aus der Technik heraus. In meinem Augen gibt es in der Hotellerie viel zu viele Beteiligte. Viel zu viele Gewerke die entschieden werden müssen.

Da gibt es den technischen Bereich, die Hotelsoftware, die Schließanlage, Telefonanlage, PayTV, Kassen, Schankanlagen – also alles was die Technik betrifft. Hinter jeder dieser Gewerke stehen 3 – 5 – teilweise sogar mehr – Hersteller. Und grundsätzlich ist ja jeder Hersteller Marktführer und hat das beste Produkt. Und jeder hat den besten Preis. Für den Hotelier zählt aber die Gesamtlösung.

Damals haben wir angefangen die 3 – 4 Gewerke zu bemustern, das heißt zu bemustern. Aber nicht aufgeteilt, sondern zusammen. Das heißt der Hotelier konnte so eine Art Customer Journey durchführen. Wir haben das Buchungsverhalten simuliert, der Gast konnte live eingecheckt werden, den Gast im System anlegen, es konnte Umsatz in der Minibar gebucht werden usw.

So war zum ersten Mal der Sprung von einzelnen Produkten weg zur Entscheidung durch Lösungsfindung. Und das haben wir damals in Oberschleißheim auf anfangs 400 m² realisiert.

Dann kamen auch schon die ersten Architekten und haben gefragt, warum ich mich nur auf die Technik fokussiere? Für mich war das logisch, da ich aus der Technik komme. Und die fragten, warum ich zum Beispiel nicht auch den Baubereich nehme. Wenn man sich das Hotelbad anschaut: Da hat man den Kosmetikspiegel, den Haatrockner, Waschbecken, Waschtisch, also ganz viele unterschiedliche Produkte. Und auch da wird pro Produkt entschieden. Es gibt Hersteller für Haartrockner, für Fließen, für Amaturen usw. Da ist es wichtig für die Entscheidung Lösungen aufzuzeigen. Also welche Amatur passt zu welchem Waschtisch? Wie ist der Reflektionsgrad von Fließen und die Rutschfestigkeit usw.

Dafür braucht der Hotelier eine ganzheitliche Betrachtungsweise.

Wir haben das Konzept so weiterentwickelt, weil wir gesagt, es muss eigentlich ganzheitlich sein. Mittlerweile haben wir eine Hotelplattform mit 13 Musterzimmern, das heißt 13 Hotelzimmer. Du kannst dir das so vorstellen, dass wir eine Hoteletage haben mit knapp 1000 m². Bei uns ist alles in Funktion und kann genutzt und betrachtet werden. Wir zeigen Lösungen auf die sich jeder Hotelier oder Investor ansehen kann und das auch außerhalb von Messen.

VW: Du hast eben angesprochen, du kommst aus der Technik. Was hast du gemacht?

CP: Ich habe eine technisch-handwerkliche Ausbildung und hab mich vor langer Zeit mit einem Systemhaus selbstständig gemacht. Klassisch wie man es kennt, Verkauf und Vertrieb von EDV Rechenanlagen und Telefonanlagen. Auf die Technik von Telefonanlagen habe ich mich fokussiert.

Letztendlich ist der Kunde nur zufrieden oder empfiehlt das Produkt weiter, wenn die Arbeit ordentlich ausgeführt worden ist. Ordentlich ausführen geht natürlich nur, wenn man seriös plant. Gut planen geht nur, wenn man weiß, welche Herausforderungen anstehen.

An die Telefonanlage im Hotel werden unglaublich viele technische Anforderungen gestellt. Gerade die Anbindung an die Hotelsoftware ist eine Herausforderung. Ich hatte damals drei unterschiedliche Anlagen im Portfolio und gefühlt Kontakt mit sieben unterschiedlichen Hotelsoftware-Anbietern. Es war immer die Herausforderung die Systeme so zu verheiraten, dass es auf der einen Seite bedienbar ist, aber auch so zu verstehen, dass eine Entscheidung getroffen werden konnte.

Ich bin zu den Hotels damals als Techniker hingefahren und wurde dann überfallen, das geht nicht, WLAN geht auch nicht und was würden Sie für die Schließanlage empfehlen.

Da hab ich gemerkt, das da ein Bedarf dahinter steht. Und es sind einfach viele Bereiche die in Synergien entschieden werden müssen. Welche Türen mit welchen Schlössern oder welche Hotelsoftware zu welcher Telefontechnik passt.

Diese Entscheidung kann ich nur treffen, wenn ich die Produkte auch mal gesehen habe.

Herausforderungen in der Hotellerie: das Digitale & Technische, Minute 08:30

VW: Du hast eben schon ein paar Herausforderungen genannt. Zum Beispiel das Digitale und Technische. Wir haben in der Hotelbranche die Herausforderung Prozesse zu digitalisieren und zu automatisieren. Wie siehst du die Entwicklungen?

CP: Es ist sinnvoll in der Hotellerie Prozesse zu digitalisieren. Sicherlich nicht jeden! Wir haben auf der einen Seite Industriepartner die sehr gute technische Lösungen anbieten. Auf der anderen Seite haben wir Hoteliers die zu uns kommen, die davor zurück schrecken. Denen stellt sich die Frage, ob es auch bezahlbar ist und ob sie es überhaupt brauchen.

Ganz klar, der Check-In Bereich, Check-Out Bereich. Ich sehe es aber kritisch alles zu digitalisieren.

VW: Warum?

CP: Für mich muss ein Hotel immer noch eine kleine zweite Heimat sein, in dem ich mich wohlfühlen will. Wenn ich mir vorstelle, dass ich jetzt mir eine Roboter sprechen muss und keinen persönlichen Kontakt mehr habe, das ist nicht das was ich möchte.

Es gibt natürlich Hotels die Roboter einsetzen. Das hängt aber auch immer von der Zielgruppe ab. Und welche Generation hab ich im Hotel. Es ist sinnvoll Prozesse zu digitalisieren, aber nicht jeden.

Jedes Hotel muss mit immer weniger Personal auskommen und da muss der Spagat geschafft werden, wo schaffe ich es Leute zu gewinnen und wo kann Prozesse digital outsourcen.

Herausforderung Fachkräftemangel, Minute 10:00

VW: Du hast gerade den Fachkräftemangel angesprochen. Ich hab dazu eine eher unattraktive Meinung und sage, den Fachkräftemangel gibt es nicht. Personal ist das erste was in der Hotellerie eingespart wird.

CP: Wir haben im Jahr 3500 bis 3800 Besucher. Und wir merken, dass viele umdenken beim Thema Fachkräfte und auch wissen, dass es zum Teil selbst verschuldet ist. Viele Hoteliers die zu uns kommen, haben das erkannt und steuern dagegen. Es gibt viele schwarze Schafe, aber man darf nicht alle über einen Kamm scheren.

Digitalisierung ist das neue Guest Relation!

VW: Bei der Digitalisierung höre ich oft von Hoteliers oder Hotelmitarbeitern, dass dann ja der persönliche Kontakt zum Gast wegfällt. Das sehe ich anders. Ich sage „Digitalisierung ist das neue Guest Relation“ und digitale Tools verschaffen mir mehr Zeit für den Gast. Wie siehst du das?

CP: Bei Fluggesellschaften zum Beispiel kann ich alles digital selbst erledigen. Ganz ohne persönlichen Kontakt. Und ich habe die Möglichkeit das auch persönlich zu erledigen.

Das heißt, wenn heute im Hotel ein Prozess digitaliert werden soll, sollte für den Gast auch eine Wahlmöglichkeit zum analogen Prozess ermöglicht werden.

Wir haben Hotels, da entfällt die Rezeption und in der Lobby sitzt die Mitarbeiterin oder der Mitarbeiter und empfängt die Gäste mit dem Tablet.

Aber auch hier kann man nicht alle über einen Kamm scheren. Es gibt unterschiedliche Herausforderungen, unterschiedliche Hotels und unterschiedliche Betrachtungsweisen.

Wenn man den Digitalisierungsprozess so einsetzt dass es sinnvoll ist, dann funktioniert das. Nur übertreiben darf ich es nicht. Das hängt alles davon ab, welche Zielgruppe und welche Ziele habe ich?

Wie wichtig sind Einrichtung, Farben und Düfte im Hotel? Minute 17:00

VW: Und wie wichtig ist die Ausstattung oder die Akkustik?

CP: Zum Einen müssen sich die Gäste wohlfühlen, zum Anderen muss es für den Hotelier realisierbar sein.

Meistens sind das Dinge, die am Ende wieder weggestrichen werden, obwohl sie wichtig sind. Wir versuchen Hoteliers vor Baubeginn zu beraten und zu begleiten und aufzuzeigen, welche Möglichkeiten es gibt.
Es gibt relativ viel was vor Baubeginn festgelegt werden muss. Zum Beispiel brauchen Lampen Einbautöpfe, die bei der Schaltung auch schon berücksichtigt werden müssen. Da kommen ganz viele Faktoren zusammen.

Außerdem habe ich als Geschäftsreisender eine andere Wahrnehmung und Erwartungshaltung als ein Urlaubsgast. Hinzu kommt dass ich Hotel nicht schlechter wohnen will als zuhause.

Es ist auch so, dass bei diesen Entscheidungen viele mitreden. ich hab den Architekt, Innenarchitekt, Fachplaner, Heizung, Klima, Lüftung, Sanitäranlagen, Elektro, Brandschutzthemen, Akkustik, auch Schallakkustik usw. Ich hab Baubesprechungen in denen 8 Beteiligte sitzen und ihre Gewerke planen. Auf der anderen Seite der Hotelier, der nur im Kopf hat, wie das später aussehen sollte.

VW: Die Hoteliers die zu dir kommen, bauen die meistens neu oder renovieren die oder bauen um?

CP: Wir haben durchweg alle Hotels bei uns. Angefangen von kleinen Pensionen bis hin zu großen Hotelkonzernen. Viele machen ihre Besprechungen hier bei uns, denn wir haben eine gute Nähe zum Flughafen München. Bei vielen Gesprächen sind wir mit dabei, als neutraler Partner. Wir unterschreiben vorher eine Verschwiegenheitserklärung und stehen als Partner zur Verfügung.

Ich würde sagen, die Mehrheit ist noch Neubau. Wir verzeichnen aber auch einen Zuwachs an Renovierungen und Nutzungsänderungen. Es gibt viele Bestandsimmobilien und ein Bürogebäude wird zum Hotel umgebaut, zum Beispiel.

VW: Interessant ist, dass es viele Neubauten gibt, obwohl wir keinen Fachkräfte haben. 😉

CP: Ja, da wollen wir auch bisschen wachrütteln ganz klar. Bei Neubauten merken wir dass viel Engagement für die Personal-Akquise betrieben wird. Da werden alternative Recruiting-Möglichkeiten ausprobiert. Ich glaube schon dass sich durch neue Hotelbrands mehr Fachkräfte für den Beruf entscheiden.

Buzzwording

Digitalisierung:

CP: Ist wichtig, muss aber überlegt eingesetzt werden. Dort wo es sinnvoll ist, sollte es eingesetzt werden. Zum Beispiel Check-In, Check-Out.

Zukunft des Vertriebs:

CP: Er sollte ehrlich, nachhaltig und authentisch sein.

Revenue Management:

CP: Pro Hotel unterschiedlich zu betrachten.

Design & Atmosphäre in Hotels:

CP: Ungemein wichtig und ein zweites Zuhause auf Zeit. Der Gast muss sich wohlfühlen. Diese Dinge müssen vor Baubeginn entschieden werden, um dann realisiert werden zu können.

Neue Tagungsformate:

CP: Ein spannendes Thema. Keine Frontalbeschallung sondern Workshops.

VW: Vielen Dank für das Interview, Christian.

Über den Interviewpartner: Christian Peter, geschäftsführender Gesellschafter Hotelkompetenzzentrum

Christian Peter Hotelkompetenzzentrum

Christian Peter ist geschäftsführender Gesellschafter und Initiator des Hotelkompetenzzentrums. 2011 rief er das Oberschleißheimer Unternehmen ins Leben. Inzwischen gehört er zu einem der gefragtesten Experten für Hotel- und Gastronomiebau. Im Hotelkompetenzzentrum wird in einem realistischen Umfeld dargestellt, wie technische Systeme funktionieren und in Einklang mit Design und Ambiente stehen. Es finden weder Beratung noch Verkauf statt. Vielmehr werden Lösungen unserer Partner in einer neutralen Umgebung präsentiert und die Ansprechpartner vermittelt. Zudem bietet das Hotelkompetenzzentrum ein breit gefächertes Veranstaltungsprogramm zu aktuellen Themen der Branche. Hoteliers bietet das Hotelkompetenzzentrum zwölf voll ausgestattete Hotelzimmer sowie eine umfangreiche Materialbibliothek – zur Inspiration für das eigene Hotelbauprojekt.

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