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Im Interview mit Annette Ebmeier von den Orphée Hotels in Regensburg

Stimmen für die Hotellerie: Interview mit Annette Ebmeier, Hotelmanagerin Orphée Hotels

Da ist sie!

Die allererste Episode für meine Reihe „Stimmen für die Hotellerie“! Ich bin stolz wie Oskar 😉 dir in meiner ersten ein Interview mit Annette Ebmeier zu präsentieren. Du erinnerst dich vielleicht an 2013, als einige Hotels in Regensburg, 36 um genau zu sein, die OTAs boykottierten. Annette war dabei und berichtet uns von dieser spannenden Zeit und was seitdem passiert ist.

Stimmen für die Hotellerie habe ich ins Leben gerufen, weil ich finde, dass immer die gleichen Personen über immer die gleichen Dinge mit immer dem gleichen Blickwinkel sprechen. Doch die Hotellerie ist bunt und Meinungen sind vielfältig. In diesem Format möchte ich allen Hoteliers die Möglichkeit geben eine Stimme für die Hotellerie zu sein.

Willst du auch dabei sein? Dann melde dich hier an!

Mit gesparten Provisionen 15’000 Euro spenden

VW: Liebe Annette, schön dass du da bist. Wer bist du und was machst du?

AE: Mein Name ist Annette Ebmeier und ich bin Hotelmanagerin in Regensburg und leite seit vielen Jahren drei kleine Hotels, die wunderbaren Orphée Hotels.
Wir haben insgesamt 58 Zimmer und sind über die Altstadt verteilt.

VW: Die Regensburger Hoteliers sind 2013 in die Schlagzeilen „geraten“. Die Mittelbayerische schrieb am 6. Dezember 2013 in einer Ausgabe „Hotel Rebellen spenden gesparte Provisionen“. Das waren 15’000 €. Wie kam es zu dieser Aktion?

Stimmen für die Hotellerie: Im Interview mit Annette Ebmeier von den Orphée Hotels in Regensburg

Minute 01:57

AE: Wir habe nicht nur einen OTA boykottiert, sondern alle. Wir haben komplett alle Kanäle zugemacht und nur noch direkt verkauft.

Es kam dazu, weil wir damals im Gespräch mit HRS waren und die damaligen AGBs geändert wurden. Wir wollten die Aufmerksamkeit darauf lenken, was Hotels so an Provisionen zahlen. Das ist dem zahlenden Gast oft gar nicht bewusst bzw. damals war es nicht klar. Das hat sich zum Glück inzwischen geändert.

Wir sind damals ziemlich stark durch die Presse gegangen deutschlandweit, auch in der Fachpresse und waren danach auf verschiedene Hotelkongressen eingeladen um darüber zu sprechen. Im Jahr darauf war ich in Wiesbaden und sollte davon erzählen.

Für 10 Tage habe wir alle Kanäle und nur noch direkt verkauft. Die gesparte Provision haben wir dann an eine Stiftung in Regensburg gespendet.

VW: Und jetzt betreibt ihr selbst zwei Portale. Eins für Hotelzimmer und eins für Tagungen. Wer betreut diese Portale, wie kam es dazu und wie erfolgreich sind die?

AE: Richtig. Wir haben zwei Portale: hotels-in-regensburg.com und tagen-in-regensburg.com.

Darüber wird alles mögliche abgewickelt. Über Tagen-in-Regensburg.com werden die Kongresse in Regensburg verwaltet und darüber können dann auch die Zimmer gebucht werden. Betreut wird das Ganze von einer Mitarbeiterin die wir über den Hotel-Verein angestellt haben und einer Werbeagentur. Finanziert werden die Portale über unsere Mitgliedsbeiträge. Letztes Jahr haben wir damit 11’000 room nights (Übernachtungen) generiert.

Hotels-in-Regensburg.com ist auch für die Individualgäste. Natürlich ist das keine Konkurrenz für die OTAs, aber es läuft wirklich sehr gut. Wir nutzen die Portale auch für uns selbst. Wenn zum Beispiel an einem ausgebucht Adventssamstag ein Walk-In kommt, dann können wir über das Portal schauen, wo noch etwas frei ist und dem Gast das Hotel empfehlen.

Tagen-in-Regensburg.com ist große Klasse, weil wir darüber die Kongresse komplett selbst abwickeln können. Das macht zwar auch unsere örtliche Tourismus GmbH, wie in jeder Stadt, aber eben nicht umsonst. Die wollen auch Provisionen und das nicht zu knapp. Und auch dagegen haben wir uns gewehrt.

Wie haben die Online Travel Agencies reagiert?

VW: Das klingt wirklich beeindruckend und sollte in jedem Fall Schule machen.
Wie war der Ablauf während ihr die OTAs boykottiert habt? Welche Reaktionen kamen von HRS & Co.? Oder haben die das hingenommen?

AE: Das wurde nicht einfach hingenommen, sondern die waren natürlich recht in Aufruhr. Wir sind auch immer mal wieder, mehr mit Booking als mit HRS, im Gespräch. Die sind einfach viel mächtiger geworden. Und Booking bietet ja auch auf einzelne Hotels bei Google.

Die OTAs sind auf uns zugekommen und wollten verhandeln. Das ist schon lange her und seitdem hat sich auch viel verändert.

Die Reaktionen der Gäste waren sehr positiv, auch weil sie begriffen haben, dass es geschickter ist direkt zu buchen. Das hat viel Awareness geschaffen und das war das was wir wollten. Wir wollten Aufmerksamkeit erregen und das ist uns gut gelungen.

Und mir passiert es auch heute noch, dass ich angesprochen werde, wenn ich sage dass ich aus Regensburg bin.

Best Practice: Mit gutem Beispiel voran!

Wir wollen Best-Practice-Beispiel sein und das funktioniert. Erst kürzlich hatten wir einen Gast bei uns in der Vereinssitzung. Er wollte sich das alles mal ansehen, weil er das in seiner Stadt auch etwas ähnliches machen will.

VW: Wie sind die Seiten aufgebaut? Sicherlich habt ihr eine Buchungsmaschine, also einen Softwareanbieter, der unterstützt. Wie läuft das genau?

AE: Ja, richtig. Die Seiten haben wir selber gemacht, aber natürlich brauchen wir einen Softwareanbieter im Hintergrund.

VW: Welche Tipps kannst du anderen Hoteliers andere Städten geben, damit so ein Projekt gelingt und sich deutschlandweit durchsetzt? Was sind deine Tipps und Erfahrungen, um damit Erfolg zu haben?

AE: Also mein Tipp ist in erster Linie, dass sich Hoteliers wirklich zusammentun sollten. Das hat auch bei uns gut funktioniert, indem wir einen Verein gegründet haben. Wir waren vorher eine reine Interessengemeinschaft, haben uns getroffen und ausgetauscht. Eine Vereinsgründung ist wirklich eine sehr gute Sache.

Es ist realisierbar eine Internetseite zu machen mit der du ein eigenes Portal umsetzen kann.

Hoteliers sollten sich mehr zusammentun und sich weniger als Konkurrenz sehen. Gemeinsam ist man einfach besser und hat auch ein Schwarmwissen.

Ich frage durchaus, wenn ich eine neue Buchungsmaschine möchte, wie so die Erfahrungen der Kollegen sind. Und dadurch dass wir uns regelmässig treffen findet bei uns auch darüber ein reger Austausch statt.

Stark sein durch eine Gemeinschaft mit Schwarmwissen

VW: Da bin ich ganz deiner Meinung. Hoteliers müssen lernen sich als Mitbewerber zu sehen und nicht als Konkurrenten. Ich denke da ist noch viel Umdenken notwendig. Gerade in heutiger Zeit sollten sich Hoteliers zusammenschliessen und gemeinsam stark sein. Dialog und Austausch sind sehr wichtig.

In „Stimmen für die Hotellerie“ geht es auch darum die Buzzwords zu beleuchten und dazu Feedback zu bekommen. Ich gebe einen Begriff vor und du gibst deine Meinung in 1-2 Sätzen. Damit das ganze Fahrt aufnimmt, ist es auf 2 Minuten begrenzt.

Buzzwording! Minute 09:27

VW: Ich starte den Buzzer!

Fachkräftemangel

Haben wir in meinem Hotel bisher nicht. Wir finden noch genügend Fachkräfte und Auszubildende und bieten seit ein paar Jahren auch ein duales Studium an. Die Absolventen haben wir bisher auch übernommen. Wir haben das Glück in einer attraktiven Stadt zu wohnen und ich glaube, wir behandeln unsere Mitarbeiter ganz gut. Ich weiß viele andere haben Schwierigkeiten. Hier ist ein Umdenken nötig, denke ich.

VW: Also du denkst, es gibt Fachkräftemangel?

AE: Ja.

Digitalisierung

Die Digitalisierung ist längst da und wir werden uns anpassen müssen. Ich sehe jetzt zwar keine Roboter in unserer Branche, aber bestimmte Dinge wie mobiles Zahlen usw. da werden wir nicht drumherum kommen. Wir müssen uns anpassen und mit der Zeit gehen.

Neue Tagungsformate

Auch hier gilt es, am Ball zu bleiben und mit der Zeit gehen. Dazu ist es notwendig sich immer wieder zu informieren, was es neues gibt. Oder auch von den eigenen Tagungsgästen Feedback einholen.

Zukunft des Vertriebs

Ich hoffe, dass die Hotels immer mehr versuchen direkt zu verkaufen und daran arbeiten sich zu verbessern. Ansonsten ist ein Mix nötig aus Direktvertrieb, OTA und Metasearchern.

Stimmen für die Hotellerie: Im Interview mit Annette Ebmeier von den Orphée Hotels in Regensburg

Revenue Management

Revenue Management wird auch immer wichtiger. Das richtige Hotelangebot zur richtigen Zeit, zum richtigen Preis und über den richtigen Vertriebskanal zu verkaufen. Das ist nicht nur für große Hotels, sondern auch immer mehr für kleine Hotels wichtig. Dafür brauchen wir gut geschulte Mitarbeiter.

Influencer Marketing

Etwas, was es vor ein paar Jahren noch gar nicht gab. Auch das wird immer wichtiger. Wenn ein Influencer kommt der genügend Reichweite hat ist das eine gute Möglichkeit das Hotel zu bewerben.

VW: Vielen Dank Annette für deine Zeit und deine deine Einschätzungen.
Und auch über den Bericht, was ihr da in Regensburg auf die Beine gestellt habt.

AE: Danke dir, es hat Spaß gemacht.

Fazit

Fachkräftemangel exisiert, nach Meinung von Annette Ebmeier. Sie selbst hat keine Schwierigkeiten. Also können wir nicht alle Hotels über einen Kamm scheren. Hinzu kommt, das Hoteliers offen sein sollten für neue Marketing-Instrumente, wie Influencer-Marketing und am Puls der Zeit bleiben müssen für Digitalisierung, neue Tagungsformate und Revenue Management.

Willst du auch dabei sein, bei „Stimmen für die Hotellerie“? Dann melde dich bei mir! Hier findest du weitere Informationen zu dieser Podcast-Reihe. 

Über die Interviewpartnerin: Annette Ebmeier, Hotelmanagerin Orphée Hotels


Ursprünglich habe ich Englisch-Geographie auf Lehramt studiert und nebenbei in der Hotellerie-Gastronomie gearbeitet. Das hat mir letztlich so viel Spaß gemacht, dass ich umgesattelt habe und Hotelfach gelernt habe. Später habe ich den Hotelmeister absolviert und angefangen Hotelbetriebswirtschaft zu studieren.
Seit vielen Jahren leite ich nun die wunderbaren Orphée-Hotels in der UNESCO-Welterbestadt Regensburg. Neben meinem Beruf bin ich Kommunikationstrainerin und Bloggerin.

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