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Stimmen für die Hotellerie: Im Interview mit Dirk Klein Hotel & Ferienanlage Haffhus in Ueckermünde

Stimmen für die Hotellerie: Interview mit Dirk Klein vom Haffhus Ueckermünde

In meiner bereits 4. Folge in „Stimmen für die Hotellerie“ spreche ich heute mit Dirk Klein vom Hotel Haffhus in Ueckermünde. Das Hotel ist seit einiger Zeit „off Grid“ und versorgt sich völlig unabhängig selbst mit Energie, das heißt mit Strom und Wärme.

In „Stimmen für die Hotellerie“ spreche ich mit Menschen aus der Branche über die unterschiedlichen Herausforderungen und ihre Lösungen. Wenn du auch dabei sein möchtest, dann melde dich gerne hier an. Ich freu mich auf deine Stimme für die Hotellerie!

Und jetzt wünsche ich dir viel Spaß beim Hören und wenn du lieber liest, kommt hier der Artikel für dich.

Als Quereinsteiger in die Hotellerie

VW: Hallo Dirk, schön dass du da bist. Stell dich doch kurz vor. Wer bist du und was machst du?

DK: Ich arbeite seit über 10 Jahren im Hotel Haffhus im Seebad Ueckermünde am Stetiner Haff. Ich war damals Quereinsteiger und würde mittlerweile behaupten, dass ich die Branche relativ gut kenne. Ich bin froh, dass ich quer eingestiegen bin und deshalb einige Dinge anders betrachtet habe, als man es normalerweise tut.

Stimmen für die Hotellerie Interview mit Dirk Klein vom Haffhus

Ich hab außerdem das Glück einen Arbeitgeber zu haben, mit dem ich Unternehmensziele und Entwicklungen in unserem Haus schnell voranbringen kann. Ich habe den Vorteil, anders als in den Hotelketten, dass Entscheidungen der Geschäftsleitung schnell getroffen werden und salopp gesagt am Frühstückstisch entschieden werden. Das macht einfach Spaß in so einem Hotel zu arbeiten und die eigenen Vorstellungen auch voranbringen kann.

Ich bin außerdem gut vernetzt in der Branche und zum Beispiel im Tourismusverband Mecklenburg-Vorpommern tätig. Dadurch kenne ich einige Hoteliers und sehe leider auch Häuser, die alles so machen wie vor 20 Jahren.
Dazu gehören wir zum Glück nicht.

Über das Haffhus und den Standort, Minute 03:50

VW: Das Haffhus bietet alles was ein Reisender braucht. Ihr bietet vom Hotelzimmer bis zum Apartment alles an. Was zeichnet das Haffhus denn besonders aus?

DK: Grundsätzlich muss man dazu sagen, wir gehören mit unserem Standort Seebad Ueckermünde nicht zu den typischen Hot Spots in Mecklenburg-Vorpommern. Wir sind keine Insel Usedom oder Insel Rügen. Es ist also für uns schon schwieriger Gäste in unsere Gegend zu locken.

Das ist auch der Grund warum wir ein bisschen mehr anbieten müssen als nur ein Hotelzimmer oder Apartment. Wir haben eine Bowlingbahnanlage, Fahrradverleih, Beachvolleyballplatz, einen eigenen Strand mit Bootssteg und Bootsverleih. Diese Angebote benötigen wir einfach an so einem Standort, um ganzjährig erfolgreich zu sein.

Und was uns besonders auszeichnet und in Zukunft auszeichnen wird ist unser Nachhaltigkeitskonzept.

Stimmen für die Hotellerie Interview mit Dirk Klein vom Haffhus

Nachhaltigkeit als Alleinstellungsmerkmal, Minute 05:30

DK: Wir haben vor drei, vier Jahren angefangen einen Nachhaltigkeitsplan für das Haus zu entwickeln.

Wir haben uns überlegt,

  • wo für uns die Reise hingehen soll
  • was machen die Mitbewerber
  • wo können wir uns unterscheiden
  • und wer können unsere zukünftigen Gäste sein?

Wir sind 150 bis 200 km, je nachdem von wo man von Berlin anreist, von der Metropole entfernt. Das ist unsere jetzige Zielgruppe und wird es noch mehr in Zukunft sein.

Welche Themen müssen wir also bespielen um da wirtschaftlich die Gäste zu akquirieren und ein interessantes Angebot zu haben.

Wenn man durch eine Stadt wie Berlin geht, dann weiss man, dass Mobilität mittlerweile ein Problem ist. Da gibt es kein Platz das Auto zu parken. Das heißt es gibt immer mehr Leute die sich vom privaten Auto trennen. Die Carsharing nutzen und viel mit der Bahn unterwegs sind.

Das sind die Themen bei denen wir angreifen. Wir haben eine günstige Bahnverbindung von und nach Berlin. Was können wir also machen, um diesen Urlauber, der 3 – 4 Tage ins Hotel will, zu erreichen.

Da haben wir ganz klar gesagt, wir brauchen ein Konzept, das diese Themen bespielt und mit dem wir uns klar von anderen abheben können.

E-Mobilität & Co. , Minute 07:35

VW: Und um welche Themen handelt sich da genau?

DK: Zum einen spielt dabei Mobilität eine große Rolle.

Die Frage ist: Wie erreichen uns die Gäste?

Wir haben zum Glück, wie gesagt, eine ganz gute Bahnanbindung. Dann sind die Gäste in 2 Stunden am Bahnhof in Seebad Ueckermünde. Das ist okay, aber wie sieht es gerade in unserer Gegend mit der Mobilität vor Ort aus?

Für uns ist klar, dass der ÖPNV das auch die nächsten Jahre nicht regeln kann.
Wir müssen selbst aktiv werden. Das heißt wir müssen dem Gast vor Ort die Möglichkeit geben mobil zu sein.

Es soll in die Richtung gehen, dass wir sagen, lieber Gast, nutze die Mobilität die zu dir passt, die zum Wetter passt und du brauchst zu uns nicht mit dem Auto anreisen. Wir sorgen dafür dass du deine Wunschziele erreichst. So wie du es möchtest. Das kann ein normales Fahrrad sein, ein E-Bike, ein E-Roller, ein Spaß-Segway oder demnächst ein Elektroauto, das bleibt dem Gast selbst überlassen.

Stimmen für die Hotellerie: Ein Hotelier gestaltet seine eigene Energiewende

Quelle: Haffhus, Gästeinformationssystem IQ Tablett von Betterspace

Vom Stromnetz „off grid“, Minute 08:50

VW: Du hast auch im Vorgespräch erwähnt, dass 2019 weitere Neuerungen kommen. Du hast von der Photovoltaikanlage und dem Blockheizkraftwerk mit Hackschnitzel. erzählt. Und welchen Plan habt ihr für die Umsetzung?

DK: Wir haben einen Nachhaltigkeitsplan erarbeitet der an einen Investitionsplan gebunden war. Uns war klar, dass wir an unserem Wellness-Bereich arbeiten müssen. Den konnten wir bisher noch nicht Spa nennen. Aber das ist das, was uns auch über die normale Saison hinaus Gäste sichert. und gleichzeitig der Bereich der die höchsten Energiekosten verursacht.

Die Frage war also, wie gehen wir an die Sache ran?
Welche Kosten kommen auf uns zu, wenn wir diesen Bereich erweitern und den Pool vergrößern?

Wir sind zu dem Entschluss gekommen, beides zu betrachten und mussten ein Konzept für das Energiemanagement erarbeiten. Damit können wir für die nächsten Jahre sicher sagen und planen, welche Erhöhung wir bei den Energiekosten haben werden.

Das ging recht zügig voran. Wir wussten wir wollen den Wellnessbereich erweitern mit zusätzlichen Saunen, Whirlpool und einen großen Pool mit 8 mal 18 Meter. Dazu noch ein Kinderbecken. Und was sonst noch alles dazu gehört.

Wie wussten auch, dass wir die Energie nach Möglichkeit selbst produzieren wollen. Dazu haben wir uns einen Energieberater geholt, der den IST-Zustand aufgenommen hat und uns Leute gesucht die uns voranbringen, die uns sagen, was das richtige Konzept für uns sein könnte.

Dabei haben wir festgestellt, dass es kein Problem ist, die Energie selbst zu produzieren. Beim Strom sprechen wir von 250’000 KWh im Jahr. Und die Ungerechtigkeit dabei, wir sollten für den selbstproduzierten Strom eine EEG-Umlage bezahlen. Das beläuft sich bei uns im Jahr auf 30’000 Euro für Gebühren, trotzdessen dass wir in die Anlage investieren und uns selbst versorgen.

Wir sollen also Geld bezahlen wofür wir keine Gegenleistung erhalten.

Und das EEG-Umlagegesetz sagt, dass man das nicht bezahlen muss, wenn man sich vollständig vom Stromnetz trennt.

Das haben wir auf unseren Maßnahmenplan geschrieben und auf einmal waren alle weg, die uns dazu beraten wollten. Denn vor 2-3 Jahren haben alle gesagt, das geht nicht, das kann man nicht machen.

Wir haben den Plan weiter verfolgt und jetzt sind wir seit 3 Monaten Off Grid. So nennt man das. Das heißt wir brauchen den Strom des Netzanbieters nicht mehr, sondern sind völlig autark.

Wir freuen uns, wenn Ende des Jahres der Wellness-Bereich fertig wird und wissen dass wir keine Probleme haben werden. Es fällt eher das öffentliche Netz aus, als unser eigenes. Dann begrüßen wir die Nachbarn aus der Gemeinde gerne zum Kaffee. 😉

Stimmen für die Hotellerie Interview mit Dirk Klein vom Haffhus

Minute 14:00

VW: Wow! Das heißt, ihr habt eure eigene Stromversorgung wie in einer eigenen kleinen Stadt und seid völlig unabhängig vom Netz.
Wie sind die Erfahrungen aus den ersten 3 Monaten? Habt ihr Veränderungen festgestellt?

DK: Es ist natürlich ein enormer Lernprozess. Wir haben die komplette Anlage auch so technisch aufgerüstet und alles virtualisiert. Das heißt, wir sehen an jeder Leitung in jedem Zimmer wie viel Wärme und Strom wird verbraucht. Damit das System die richtige Entscheidung treffen kann z.B. wann geht eine Wärmepumpe an, wann müssen wir den Pufferspeicher vorheizen usw. Und bei wie viel Prozent Akku unseres Batteriespeichers muss was passieren und wir wollen auch effizient damit umgehen. Es ist ein Aufwand, aber das macht Spaß.

Dadurch dass wir die Erweiterung des Spas noch nicht abgeschlossen haben, werden wir auch im kommenden Jahr weiter dazu lernen.

Das Hotelprogramm ist an das Energiemanagement angebunden, Minute 15:20

DK: Ich hab ein Beispiel in welche Richtung das bei uns geht.

Wir haben es geschafft unser Hotelprogramm an das Energiemanagement anzubinden. Wir schauen drei Tage im Voraus, wie hoch die Belegung im Haus ist und betrachten die Wettersituation.

Aus diesen Zahlen können wir vorhersagen – also im Forecast – wie viel Strom und Wärme wir vermutlich benötigen. Und das Energiemanagementsystems trifft anhand dieser Angaben die Entscheidung welche Maschinen laufen sollten. Wir haben Sonnenenergie, die muss jetzt in Wärme oder Strom umgewandelt werden, weil am Wochenende viele Gäste kommen und es ein bisschen kälter wird.

Es gibt also viele Entscheidungen die wir mit diesem Energiemanagementsystem treffen können. Dabei geht es praktisch und diese berühmte Sektorkopplung von der alle reden.

Wir haben mittlerweile auch zwei Elektroautos, die uns auch helfen den Strom zwischen zu speichern und in Mobilität umzuwandeln.
Dazu gehört auch ein Kältespeicher, der gerade installiert wird.

Was erschreckend ist, wir sind ja im ganzen Land unterwegs und auch außerhalb, durch unser Netzwerk, jedem dem wir das erzählen, klappert mit den Augen und sagt „Wusste gar nicht das sowas geht“.

Da frage ich mich, wo bleibt unsere Ingenieurskunst? Alle sagen, die Elektroautos brauchen zu viel Strom, da geht überall das Licht aus. Wenn ich mich so umsehe, hier in der Region, die Biogaswerke die überall entstehen, was machen die mit der ganzen Wärme? Ich kenne kaum eins, das die Wärme an die Haushalte weiterliefert.

Das sind Dinge die haben wir bei uns im Hotel Haffhus umgesetzt.

Wir wollen damit beispielhaft vorangehen und wollen das natürlich auch vorantreiben und damit zeigen, hey das funktioniert.

Stellt euch nicht stur, macht einfach!

Stimmen für die Hotellerie: Wie ein Hotel seine eigene Energiewende gestaltet!

Quelle: Haffhus, Gästeinformationssystem IQ Tablett von Betterspace

 

Wie wird der Strom erzeugt? Minute 18:10

VW: Was wird durch die Verbrennung der Hackschnitzel erzeugt? Der Strom oder die Wärme? Wie funktioniert das?

DK: Wir haben eine Photovoltaikanlage, da sind wir gerade in der letzten Ausbaustufe und die wird eine Gesamtkapazität von 150 kw Peak haben.

Definition:

Watt Peak (englisch peak „Spitze“) ist eine im Bereich Photovoltaik gebräuchliche, aber nicht normgerechte Bezeichnung für die elektrische Leistung (Einheit: Watt) von Solarzellen. Gebräuchlich sind auch Vielfache wie Kilowatt peak, Megawatt peak und Gigawatt peak. Als Abkürzungen werden Wp, kWp, MWp oder GWp verwendet. Die Einheit dient dazu, unterschiedliche Solarzellen und Solarmodule unter genormten Testbedingungen vergleichen zu können.

Mit Watt Peak bezeichnet man die von Solarmodulen abgegebene elektrische Leistung unter Standard-Testbedingungen (STC) mit folgenden Parametern:

Zellentemperatur = 25 °C
Bestrahlungsstärke = 1000 W/m²
Sonnenlichtspektrum gemäß AM = 1,5.

Quelle: Wikipedia

DK: Dann haben wir ein Holzhackschnitzel Blockheizkraftwerk (BHKW). Das macht mit Holzhackschnitzel Holzgas. Mit diesem Gas wird ein Motor angetrieben und der dient als Generator und erzeugt Strom. Die Abwärme des Motors wird als Wärme gewonnen. Das BHKW macht 1/3 Strom und 2/3 Wärme. Wir haben als Notstromaggregate Gas BHKWs die auch mit Biogas laufen und nur anspringen, wenn irgendwo Not sein sollte.

Das sind hauptsächlich unsere Erzeuger. Wir haben zusätzlich noch eine weitere Heizung, die mit den Holzhackschnitzel Wärme erzeugt.

Stimmen für die Hotellerie: Ein Hotelier gestaltet seine eigene Energiewende

Quelle: Hotel Haffhus, Photovoltaik

Wenn die Wärme mal nicht reicht… Minute 19:50

Wenn die Wärme mal nicht ausreichend sein sollte, dann wird praktisch mit der zusätzlichen Heizung geheizt.

Wir installieren außerdem gerade eine relativ große Wärmepumpe, die eine Leistung von fast 50 Kw hat. Die soll dafür sorgen, dass wir von Mai bis September mit Sonnenenergie auch die Wärme erzeugen können.

Jetzt schauen wir mal ob es am Ende klappt und natürlich schauen wir drauf, dass wir die Energie so effizient wie möglich produzieren.

Das Herzstück der ganzen Anlage ist der Batteriespeicher. Der hat eine Speicherkapazität von derzeit 500 Kilowattstunden, also ungefähr einem Tagesverbrauch unseres Hauses. Der Batteriespeicher stellt auch das 50 Hz Netz bereit und sorgt dafür dass überhaupt alle Geräte funktionieren.

Das interessante hierbei ist auch noch, dass wir hier nicht mit etablierten Anbietern, wie SMA, TesVolt oder Felicon, so schnell vorangekommen sind, sondern mit einem Anbieter aus Berlin. Autarsys ist ein innovatives Unternehmen und hat relativ schnell das umgesetzt was wir wollten.

Stimmen für die Hotellerie: Ein Hotelier gestaltet seine eigene Energiewende

Quelle: Hotel Haffhus, Einbau Anlage

Mit etablierten Unternehmen ist es schwierig! Minute 22:00

DK: Das fängt bei der Hotelsoftware an mit Schnittstellen und im Digitalen. Mit großen Unternehmen ist es schwierig individuelle Lösungen zu finden.

Du musst dir einen Partner suchen, der da auch Lust und Bock drauf hat und der dieselben Ziele erreichen will, wie du. Das bringt dich dann auch voran.

VW: Und das wird also digital gesteuert. Du hast vorher von dem Energiemanagementsystem gesprochen, das angebunden ist an die Hotelsoftware. Erzähl mal wie das genau geht.

DK: Genau so ist das. Wir haben alle Hotelzimmer mit digitalen Thermostaten ausgestattet. Das heißt wir können von jedem Hotelzimmer per Knopfdruck sofort die Informationen abrufen, z.B. welche Temperatur hat Zimmer 107.

Wir steuern alle Heizkreisläufe digital. Das heißt wir können Heizkreisläufe zufahren, prozentual den Durchlauf steuern usw. Diese Dinge sind automatisiert.

Ist zum Beispiel an einem bestimmten Heizkreislauf, an einem Tag wie heute, keine Zimmer belegt, dann würde die Pumpe die für diesen Heizkreislauf zuständig ist in einen Ruhemodus fahren. Dann wird nicht mehr so viel Durchlauf erzeugt und eine enorme Menge an Wärmenergie wird eingespart.

Digitalisierung in der Hotellerie: Starte mit den einfachen Dingen! Minute 24:00

VW: Du hast bisher schon von vielen digitalen Prozessen erzählt. Außerdem sind die Leistungen im Hotel Haffhus digital buchbar, wie zum Beispiel die Bowlingbahn. Was habt ihr da noch vor?

DK: Mich hat es schon immer aufgeregt, wenn man irgendwo eine Leistung bucht und dann ein Anfrageformular verwenden muss. Allein der Begriff ist schon tragisch.

Da frage ich etwas digital an und weiß nicht ob ich auf die Antwort jetzt eine Stunde warten muss oder den ganzen Tag. Dann ist das Handling dieser Anfragen auch schwierig. Welcher Mitarbeiter hat es bearbeitet, muss darüber noch eine Übergabe erfolgen usw.

Deshalb war es für mich klar, alles was es bei uns gibt, muss vakanzabhängig buchbar sein. Dabei ist es völlig egal ob das ein Fahrrad ist, die Bowlingbahn oder eine Massage.

Wir haben mit den einfachen Dingen angefangen. Das waren Plätze im Restaurant und die Bowlingbahn. Schwieriger war das schon bei den Massagen, aber auch das haben wir hinbekommen. Wir haben in unserem Haus verschiedene Masseure, die nach Ausbildungsgrad entsprechende Anwendungen anbieten. Wir haben eine 2-Wege-Schnittstelle zu jedem MasseurIn zu den jeweiligen Kalendern auf ihrem mobilen Gerät.

Wenn also eine Anfrage online reinkommt, z.B. für eine Schokoladen-Massage, dann sieht die Software nach, welcher Masseur kann das Produkt anbieten, dann schaut sie sich die Kalender an, welcher freien Termine gibt es dort und dann wird eingebucht. Der Gast erhält sofort seine Buchungsbestätigung.

Stimmen für die Hotellerie: Ein Hotelier gestaltet seine eigene Energiewende

Quelle: Hotel Haffhus

Gästeinformation auf dem Tablet in jedem Zimmer, Minute 27:00

Zudem sind alle unsere Zimmer mit Gästeinformations-Tablets ausgestattet und auch dort sind alle Leistungen online buchbar.

Mittlerweile sehen wir die bevorzugten Buchungszeiten. Das ist meist zwischen 22 Uhr und 23 Uhr. Da merkt man, die Gäste kommen vom Abendessen, kommen zur Ruhe und überlegen sich was sie am nächsten Tag machen wollen.

Das wären vermutlich alles Buchungen gewesen, die Gäste früher vor oder nach dem Frühstück an der Rezeption gebucht hätten und wie wir wissen können da lange Warteschlagen entstehen. Und am Ende verkauft man am Front Office dann gar keine Massage oder vermietet eher kein Fahrrad. Denn wie das immer so ist, kommen alle auf einmal um 09:10 Uhr.

Zudem sinkt die Fehlerquote auf null, weil keine Übergabe oder kein Rückruf mehr stattfinden muss.

Wir spüren eine deutliche Entlastung der Mitarbeiter und gleichzeitig eine Umsatzsteigerung.

Und wir nehmen jetzt auch externe Dienstleistungen auf und bieten Schifffahrten an. Da haben wir mit der Reederei eine Kooperation geschlossen.

Digitale Helfer einbinden, Minute 29:00

VW: Habt ihr das Buchungstool selbst gebaut oder bauen lassen? Oder macht das euer Hotelsoftwareanbieter?

Stimmen für die Hotellerie: Ein Hotelier gestaltet seine eigene Energiewende

Quelle: Haffhus, Energiemanagementsystem

DK: Da ist auch ein Startup mit dem wir da zusammenarbeiten. Das ist Betterspace, das aus dem Fraunhofer Institut entstanden ist und als erstes die Heizungs- und Thermostatsteuerung umgesetzt hat.

Das ist übrigens auch im Tablet integriert und der Gast kann vom Tablet aus die Thermostate im Zimmer steuern. Das ist natürlich ein Mehrwert. Die hatten am Anfang auch das Anfrageformular und ich wollte eine Onlinebuchung. Da haben wir gemeinsam geschaut, welchen Partner man dafür integrieren kann in das System von Betterspace. Mittlerweile haben sie ein eigene Entwicklung. Wir sind froh einen Partner zu haben mit dem wir unsere Vorstellungen schnell umsetzen können.

Stimmen für die Hotellerie: Ein Hotelier gestaltet seine eigene Energiewende

Quelle: Haffhus, Energiemanagementsystem

Buzzwording Minute 33:00

VW: Das hört sich super an!

Lass uns mal mit dem Buzzwording starten. Das heißt ich nenne nacheinander 5 Begriffe und du antwortest in 1 – 2 Sätzen darauf.

  • Digitalisierung
  • Revenue Management
  • Zukunft des Vertriebs
  • neue Tagungsformate
  • E-Mobilität

Los geht’s!

Digitalisierung

DK: Ist gerade in unserer Branche ein unabdingbarer Prozess. Einmal um das Mitarbeiterproblem zu entschärfen und effektiver zu arbeiten. Zum anderen können wir den Voraussetzungen die ein Gast zuhause nicht hinterherhinken. Der Gast möchte genauso seine Alexa oder Apple TV im Hotelzimmer nutzen, wie er das von zuhause gewohnt ist. Ohne Digitalisierung geht es nicht.

Revenue Management

DK: Interessante Sache, machen wir natürlich auch. Bei uns gibt es kein festes Preissystem mehr. Und ich denke ohne Revenue Management geht es nicht mehr. Alle Unternehmen die noch ihre Sommer- Winter – Vor oder Nachsaison- Preisliste haben sind einfach nicht mehr in.

Zukunft des Vertriebs

DK: Für mich ist die entscheidende Frage, wie sich die Reiseveranstalter entwickeln. Aus meiner Sicht hinken sie hinterher, was die Technologien angeht. Und brauchen wir sie in Zukunft überhaupt noch? Ich glaube da weiß keiner so richtig in welche Richtung es gehen wird. Man muss einfach alles was passiert verfolgen, vieles probieren und ich bin nicht der Meinung, dass man mit Technologie ein Haus völlig allein vermarkten kann. Wir brauchen zukünftig auch weiterhin Vertriebspartner.

Neue Tagungsformate

DK: Die Unternehmen sehen Tagungen als mehr, als nur den Mitarbeitern Wissen zu vermitteln. Wir erzielen da durchaus Erfolge, in dem wir auch Freizeitmöglichkeiten und Sportaktivitäten anbieten. Wir haben ein schönes Ambiente und ich sage, mach es anders als alle andern und dann bist du ein interessanter Tagungsanbieter.

E-Mobilität

DK: Wir sind damit seit fast 2 Jahren verflochten und wie gesagt auch selbst elektrisch unterwegs. Da muss ich ganz klar sagen, dass wir mit den Erfahrungen die wir mit dem elektrischen Fahren gemacht haben, uns auch in anderen Bereichen voran gebracht hat. In einem Elektroauto bekommt man viel eher mit, wie Energie verschwendet werden kann.

Es steht meiner Meinung nach außer Frage das sich das in die Richtung verändern wird. Das ist zukünftig der Weg für ein vernünftiges Klima und die Einhaltung der 1,5 Grad-Grenze die wir unbedingt benötigen. Ihn 2 – 5 Jahren wird niemand mehr die Frage nach E-Mobilität stellen. Da wird sich eher die Frage stellen, wie bekomm ich die E-Autos im Hotel geladen. Das haben wir zum Glück schon geklärt.

VW: Vielen Dank für das Gespräch, Dirk.

DK: Ich danke dir und wie gesagt, ich finde das Format was du da machst total super und hab mir vorher zwei, drei Episoden angehört. Ich hoffe dass es nach diesem Podcast auch viele weitere interessante Geschichten gibt. Wir werden dich weiter auf dem Radar haben.

Willst du auch dabei sein bei meiner Podcast-Reihe „Stimmen für die Hotellerie“? Dann melde dich hier an. Ich freu mich auf dich!

Über den Interviewpartner: Dirk Klein, CDO, Sales & Marketing Hotel Haffhus

Stimmen für die Hotellerie: Im Interview mit Dirk Klein vom Hotel Haffhus

Seit 2004 ist Dirk Klein in der Hotellerie & im Tourismus tätig. Nach einem Studium in Heizungs- und Klimatechnik wechselte er ins Verlagswesen und brachte hier die Umstellung vom Bleisatz über den Ganzseitenumbruch zum „Computer to Plate“ in der Druckvorstufe voran.

Im Jahr 2006 kam er zum Hotel Haffhus, das damals noch eine Anlage mit 30 Zimmern war. Durch seine Begeisterung für effektive, digitale Prozesse war das Haffhus der erste Beta Testpartner von Micros-Fidelio in Europa für 2-Way-Channelmanager-Schnittstellen. Seitdem hat er viele Prozesse umgestaltet und digitalisiert. Er ist seit 2008 Vorstandsmitglied im Tourismusverein Stettiner Haff e.V. mit hohem Engagement für die Branche.

„Die Begeisterung für digitale Prozesse und eine nachhaltige Lebenseinstellung machen dann natürlich vor der eigenen Haustür nicht halt. Ich beschäftige mich auch privat gern mit Hausautomation und dem resourcenschonenden Umgang mit Energie. Das stieß am Anfang im Haushalt nicht auf Begeisterung. Heute ist das anders.“

Stimmen für die Hotellerie_ Interview mit Dirk Klein vom Hotel Haffhus Ueckermünde - Energiewende im Hotel

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