Warum ich mein Wissen kostenlos ins Netz stelle

Warum ich mein Wissen kostenlos ins Netz stelle

„Schon krass, dass du so viel Wissen kostenfrei ins Netz stellst, Valerie! Warum machst du das? Ich hab jetzt nach 20 Jahren ein Spiegel-Online-Abo abgeschlossen. Für Inhalte sollte man bezahlen.“ Mit dieser Aussage ließ mich mein Gegenüber auf einer Veranstaltung, die ich 2019 besucht habe, etwas ratlos zurück. Und meine Schlagfertigkeit auch.

Bis heute denke ich über diese Aussage nach und nach langem Überlegen, hab ich beschlossen eine Antwort zu schreiben:

Weil ich es kann!

Ich habe das Wissen, die technischen Mittel und die Fähigkeit beides anzuwenden. Das ist die verkürzte und einfache Antwort. Eine Antwort, die ich mir in der damaligen Situation gewünscht hätte.

Jeder kann heutzutage alles ins Netz schreiben. Social Media und WordPress sei Dank ist dieses Privileg nicht mehr nur Autoren, Journalisten, Nachrichtensprechern, Sternchen oder Personen des öffentlichen Lebens vorenthalten. Jeder kann seine Meinung und sein Wissen veröffentlichen, ob als Blogbeitrag oder als Facebook-Post. Warum das nicht schon längst – die alt-ehrwürdigen – etablierten Hotelberater tun, ist mir ein Rätsel. Aber ich habe eine Vermutung…

Komm damit klar: Das Herrschaftswissens ist ausgestorben!

„Wissen ist Macht. Nichts wissen, macht nichts.“ – unbekannt.

Der erste Teil dieses Zitats, dessen Urheber unbekannt bzw. anonym ist, ist laut Wikipedia ein geflügeltes Wort und geht auf den englischen Philosophen Francis Bacon (1561-1626) zurück. Seit 1970 wird das Zitat in dieser Form oder leicht abgewandelt verwendet: damals als Parole der Sponti-Bewegung.

Während meiner Studien (ja, es waren mehrere) hab ich im Netz immer nach Informationen gesucht. Das Ende vom Lied ist: Ich hab jetzt eine ganze Wand voll mit Regalen in denen sämtliche Wälzer über Betriebswirtschaft, Marketing, Hotelmanagement, E-Commerce und Revenue Management stehen. Gäbe es bei Amazon Gold-Status, ich hätte Platinum… Damit kenne ich jetzt die Basics, hab mir die Grundlagen angeeignet und sie erfolgreich umgesetzt. Allerdings gab es kaum Informationen über digitales Hotelmanagement – so wie ich es nenne. Die Fachpresse veröffentlicht brav Pressemitteilungen der Software-Anbieter und Hotel-Dienstleister. Das war’s.

Zudem kursie(t)ren im Netz so viele Halbwahrheiten über die Hotellerie und über die Digitalisierung in der Branche, doch diese Informationen kratzen lediglich an der Oberfläche. Es war also kaum möglich an Informationen zu kommen, die mich weiterbrachten. Auf der anderen Seite gibt es unzählige Reiseblogger, die über ihre Aufenthalte und Erlebnisse in Hotels berichten. Doch keinen Einzigen der für Hoteliers schreibt.

Die Digitalisierung in der Hotellerie war gerade auf dem Weg zum alles bestimmenden Thema der Branche zu werden, als ich am 01.01.2017 – vor 3 (!) Jahren 🙂 – online ging. Also genau zur richtigen Zeit. 😉

Mein Ziel: Ein Blog über Digitalisierung, Revenue Management, E-Commerce und Social Media in der Hotellerie. Ich schreibe FÜR Hoteliers, weil ich diese Branche liebe. Ich stelle mein Wissen kostenfrei ins Netz, weil es sowieso schon da ist. Es steht auf anderen Blogs, auf Newsseiten oder in Social Media Beiträgen. Doch eben nicht in der Sprache, die Hoteliers verstehen und auch nicht mit den Anwendungsbeispielen, die Hoteliers weiterbringen.

Ich sammle diese Beiträge, reichere sie an, erkläre Sachverhalte anhand meiner langjährigen Erfahrung und teile meine Ideen mit meinen Lesern und Hörern. Gleichzeitig zeigt das meine Expertise. Dass mein Blog und Podcast sinnvoll sind und weiterhelfen, zeigen steigende Leser- und Hörerzahlen und der Anstieg meiner Newsletter-Abonnenten um monatlich rund 25 Prozent.

Disruption kann ich! 🙂

Die Aussage meines Gegenübers hat mir gezeigt, dass ich sehr wohl auf dem Radar der etablierten Hotelberater und Branchenriesen erscheine. Das ist gut so. Scheinbar bekommen es ein paar auch mit der Angst zu tun. Das zeigen mir die Reaktionen und Gespräche auf Veranstaltungen. Auch das ist gut so. 😉

Ich bin der Meinung die klassische Hotelberatung ist ausgestorben. Genauso wie das Herrschaftswissen, welches sie meinen für sich reserviert zu haben. Hoteliers sind Unternehmer und sollten, unabhängig von Beratern, Herr im eigenen Haus sein. Dafür müssen sie sich informieren und das tun sie gerne bei mir über meine Blogartikel und Podcasts. Dass mein Konzept erfolgreich ist, zeigen die Anfragen von Hoteliers, die mich um Unterstützung bitten.

Selbstverständlich würde ich mir wünschen, dass wir FÜR die Hotelbranche mehr zusammenstehen. Doch es liegt wohl in der menschlichen Natur (der Hotelberater), die Rangordnung zu verteidigen. Damit kann ich leben.

Das Internet: kostenloser Informationsaustausch und Vernetzung

Manchmal hab ich das Gefühl, ich wohne im Netz. Ich bin da wirklich viel unterwegs und surfe so rum. Klar, das Smartphone unterstützt das Ganze noch und der Netzwerkeffekt schlägt auch bei mir kräftig zu. Doch das Netz ist ein guter Ort und deshalb teile ich dort meine Inhalte auch so gerne. Ich vernetze mich mit Gleichgesinnten, lerne wahnsinnig viele interessante Leute kennen und treffe mich mit ihnen. Digital aber auch analog.

Wie es dazu kommen konnte, hab ich hier mal zusammengefasst. Im folgenden Text gibt es viele weiterführende Links, falls du dich da mehr einlesen willst.

Sir Timothy Berners-Lee beantragte 1989 das Projekt „World Wide Web“ beim CERN (Europäischen Zentrum für Teilchenphysik) in Genf. 1990 waren der erste Webserver und der erste Webbrowser fertig. Er erfand die Seitenbeschreibungssprache HTML, worauf das Internet basiert. Die erste Website ist immer noch online. Tim Berners-Lee machte das Internet für alle zugänglich und startete offiziell am 03. April 1993. Mit dem Internet wollte er ein System zum besseren Informationsaustausch entwickeln. Ich würde sagen, das ist ihm gelungen!

Das World Wide Web ist das was wir daraus machen

Zum 30. Geburtstag des Internets meldete sich Tim Berners-Lee mit einem offenen Brief zu Wort.

„“Angesichts der Artikel über den Missbrauch des Webs ist es verständlich, dass viele Leute sich sorgen und unsicher sind, ob das Web wirklich einen positiven Einfluss hat“, heißt es nun im Brief von Berners-Lee. „Aber es wäre defätistisch und einfallslos anzunehmen, dass das Web in seiner heutigen Form in den nächsten 30 Jahren nicht zum Besseren verändert werden kann.““ Spiegel Online.

Darauf sollten wir alle hinarbeiten. Polemik, Hass und Hetze sollten weder im echten Leben noch im digitalen vorkommen. Und es ist naiv zu glauben – oder immer noch zu glauben – dass sich analog und digital trennen lässt. Es ist nicht „entweder oder“, es ist „sowohl als auch“.

Das Cluetrain Manifest

Das Cluetrain Manifest ist eine Sammlung von 95 Thesen von den US-Amerikanern Rick Levine, Christopher Locke, Doc Searls und David Weinberger und wurden 1999 veröffentlicht.

Die ersten fünf von 95 Thesen zeigen schon sehr gut, wie visionär diese Thesen schon damals waren. Und wenn du drüber nachdenkst, machen wir ganz schön viel falsch…

  1. Märkte sind Gespräche.
  2. Die Märkte bestehen aus Menschen, nicht aus demographischen Segmenten.
  3. Gespräche zwischen Menschen klingen menschlich. Sie werden in einer menschlichen Stimme geführt.
  4. Ob es darum geht, Informationen oder Meinungen auszutauschen, Standpunkte zu vertreten, zu argumentieren oder Anekdoten zu verbreiten – die menschliche Stimme ist offen, natürlich und unprätentiös.
  5. Menschen erkennen sich am Klang dieser Stimme.

Die anderen 90 Thesen kannst du hier nachlesen.

Das Cluetrain Manifest, 1999

Update des Cluetrain Manifests

Am 08. Januar 2015 haben die Autoren David Weinberger und Doc Searls das Cluetrain Manifest um 121 Thesen ergänzt. Die kannst du hier nachlesen: New Clues. Es beginnt mit „Hört, oh Internet…“ und ruft uns alle auf, genau hinzusehen und aufzupassen, was wir aus dem Internet machen.

Und auch hier die ersten fünf Thesen von 121. Dieses Mal sind die Thesen unter einem Oberbegriff zusammengefasst.

  • a) Das Internet sind wir, verbunden.
    1. Das Internet besteht nicht aus Kupferdraht, Glasfaser, Radiowellen oder gar Röhren.
  • b) Das Internet ist nichts und hat keinen Zweck.
    8. Das Internet ist genauso wenig ein Ding wie die Schwerkraft ein Ding ist. Beides zieht uns zusammen.
  • c) Das Netz ist nicht Inhalt.
    16. Es gibt großartige Inhalte im Internet. Aber heilige Mutter des Käses, das Internet ist nicht aus Inhalten gemacht.
  • d) Das Netz ist kein Medium.
    19. Das Netz ist ebenso wenig ein Medium wie ein Gespräch ein Medium ist.
  • e) Das Web ist eine weite Welt.
    25. Im Jahr 1991 nutzte Tim Berners-Lee das Netz, um ein Geschenk zu schaffen, das er uns allen kostenlos zur Verfügung stellte: das World Wide Web. Ich danke Ihnen.
Cluetrain Manifest – New Clues, 2015

2020 wird magisch!

Rund um den Jahreswechsel herum gibt es viele Jahresrückblicke und Aussichten auf das was kommen mag. Ich lerne aus der Vergangenheit und blicke zuversichtlich ins neue Jahr. Selbstverständlich hab ich auch ein paar Dinge, die ich ändern will. Voraussichtlich werde ich nicht mehr jeden Sonntag veröffentlichen, die Schlagzahl war im letzten Jahr doch sehr hoch. Ich möchte dir hochwertige Artikel bieten und das kann ich nur nach dem Motto „Klasse statt Masse“.

Hinsichtlich Veranstaltungen werde ich vermehrt branchenfremde Events besuchen und den Blick über den Tellerrand werfen. Da wir dieses Jahr unsere Wohnung umbauen, kann ich voraussichtlich auch nicht auf allen Hochzeiten tanzen. Aber: vielleicht schaffe ich es dieses Jahr auf die ITB. 🎉 Einige interessante Veranstaltungen findest du in meiner Eventliste 2020. Das Motto für dieses Jahr lautet: Erweitere dein Netzwerk!

Ganz oben auf der Agenda steht mein Onlinekurs. Davon spreche ich schon so lange und es ist bisher mein größter „Fail“, dass der immer noch nicht auf der Straße ist. Asche auf mein Haupt… Wenn du mehr darüber wissen willst, findest du hier weitere Infos.

Ein Kommentar zum Bloggeburtstag?

Übrigens: Seit 01.01.2020 ist mein Blog 3 Jahre online! Elf Monate später ging mein Podcast live. Hier findest du alle Blogbeiträge und hier alle Podcast-Folgen.

Um nochmal auf das Thema kostenfreie Inhalte zurückzukommen: Du kannst mich gerne bezahlen. Unter jedem Beitrag hast du die Möglichkeit einen Kommentar zu hinterlassen. Ich freue mich sehr über Kommentare, weil dann ein Gespräch entstehen kann. Selbst wenn du nicht meiner Meinung bist, kannst du das schreiben. Lob und Tadel, Kritik und Anregungen nehme ich sehr gerne entgegen.

Wenn du keine Zeit und Lust zu kommentieren hast, dann hast du seit neustem auch die Möglichkeit über Paypal zu spenden. Damit unterstützt du mich, meinen Blog und Podcast zu unterhalten.

Danke!

Vielen Dank, dass du regelmässig, unregelmässig oder hin und wieder bei mir liest. Ich freue mich dass dich meine Inhalte interessieren. Danke das du da bist!
Hast du besondere Themenwünsche? Dann schreib sie mir einfach. Du kannst einfach über das Formular Kontakt zu mir aufnehmen oder eine E-Mail schreiben.

Digitales Hotelmanagement mit Valerie Wagner

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8 Kommentare

  1. Danke für diesen wunderbaren Beitrag. Digitalisierung ist nicht für die „Großen“ dieser Welt allein. Jede/r und jedes Unternehmen, dazu gehören selbstverständlich auch Hotels kann Digitalisierung für sich und seine Kunden nutzen. Man(ager) muss sich nur trauen und auch kleinere Experimente zulassen.

    PS.: Wie so oft war es eine Antwort auf einen Twitter-Thread und ein Like, das mich hierherführte – eben open und digitale Kommunikation ohne Grenzen.

  2. Liebe Valerie,

    ein sehr gelungener Beitrag!
    Und ja, ich stimme Dir zu 100% zu, Hotelberater, die glauben, die Weisheit für sich gepachtet zu haben, werden aussterben. Vielleicht sollte man den Begriff „Hotelberater“ in „Hotelbegleiter/-Unterstützer“ umformulieren? Ich sehe mich als einen Menschen (Die Betonung liegt auf „Mensch“!), der den/die Hotelier/-e zunächst mal in all dem bestärkt, was er macht. Überall, in jedem Unternehmen gibt es Schwachstellen, aber was zählt, sind die vielen positiven Punkte anzuerkennen und wertzuschätzen.
    Mein Job sollte es sein, Arbeit abzunehmen, Arbeitsabläufe verbessern, digitale grandiose Möglichkeiten im richtigen Maß und passend zum Hotel einsetzen etc.. Schlussendlich geht es doch darum, dazu beizutragen endlich wieder mehr Zeit und Freiraum für seine Gäste zu schaffen! Das ist zumindest für mich bei einer Beratung/Unterstützung sehr wichtig!
    Herzlichen Glückwunsch, liebe Valerie, zu 3 Jahren online! Ich profitiere sehr von Deinen Artikeln. Also bitte weiter so!
    Liebe Grüße,
    Uli Trejo-Ketterer

    • Hallo Uli,

      der „Hotelbegleiter“ sollte sich auf jeden Fall einbürgern. Das ist eine super Idee! Vor allem weil man gemeinsam mehr erreichen kann, als alleine. Wie im Artikel beschrieben, habe ich da leider eine andere Erfahrung gemacht.

      Ob es immer sinnvoll ist, Hoteliers ausschließlich zu bestärken in dem was sie tun, davon würde ich abraten. Ich habe schon einige kritische Artikel geschrieben, z.B. zum Thema Fachkräftemangel, die der Branche den Spiegel vorhalten. Aus Fehlern lernen und Kritik zulassen, dass müssen (nicht nur) Hoteliers lernen. Auch das kann man wertschätzend kommunizieren. Gleichzeitig bin ich deiner Meinung: Stärken stärken und Schwächen schwächen. 🙂

      Schön, dass dir meine Artikel weiterhelfen. Du kannst sie gerne teilen, dass auch andere etwas davon haben. Auf den meisten sozialen Netzwerken kannst du mich mit meinem Namen oder @hotelomotion markieren.

      Vielen Dank für deinen Kommentar.

      Grüße
      Valerie

    • Hey Sandra,

      genau so sehe ich das auch. Es wundert mich immer wieder, warum das noch nicht überall angekommen ist. Wissen kann man sich in sämtlicher Form aneignen und eben auch auf meinem Blog. Das musste einfach raus 🙂. Danke an dich für’s teilen und für deinen Kommentar.

      Liebe Grüße
      Valerie

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