Wie wertvoll ist Content?

Wie wertvoll ist Content?

Diese Frage stelle ich mir immer wieder. Wie wertvoll ist (mein oder dein) Inhalt? Bietet er den weltberühmten und von Marketing- und Kommunikations-Gurus viel erwähnten, absolut notwendigen Mehrwert? Ist es relevant was ich ins Netz schreibe? Würden Leser:innen für meinen Inhalt bezahlen? (Ich hab es getestet)

Auf meinem Blog findest du 225 veröffentlichte Beiträge. Blogartikel und Podcast-Folgen. 225 Versuche Wissen an dich, liebe:r Gastgeber:in, weiterzugeben. Impulse und Ideen, Meinung und Unterhaltung – zum Lesen und Hören. Nach vier Jahren und 9 Monaten bloggen und podcasten, sage ich: Content ist unbezahlbar.

Arbeitszeit vs. Reichweite – Professionelles schreiben vs. influencen

Ich werde regelmäßig gefragt, ob ich über ein Produkt, zum Beispiel eine Software für Hotels, einen Artikel texten könnte. Die Anfragen reichen von „Liebe Valerie/Liebe Frau Wagner…“ bis hin zu „Sehr geehrte Damen und Herren…“. Letzteres zeigt, dass sich der Mensch, der mich anschreibt, nicht mit mir und meiner Website beschäftigt hat. Sonst wüsste er, dass ich Einzelunternehmerin bin und Blog und Podcast als One-Woman-Show betreibe. Diese Anfragen landen sofort im Papierkorb. Solche, die zeigen, dass sich jemand mit meinen Inhalten befasst hat, beantworte ich mit einer Auflistung möglicher Leistungen und dazugehörigen Preisen. Oftmals ist danach Ruhe. Besonders pfiffige Marketingmitarbeiter:innen antworten floskelhaft, sie würden „das mal mit ins Team nehmen“ und melden sich dann nicht mehr.

Ach, kuck an, da hatte jemand gehofft, ich würde das kostenlos machen. Ganz charmante Kontakte fragen gerne nach Follower- und Leserzahl oder der Downloads meiner Podcasts. Sehr schön finde ich auch „… dafür haben wir kein Budget, aber wir können uns ja gegenseitig über Social Media pushen… Davon würdest du ja auch profitieren und deine Reichweite steigern…“. Ein letztes Mal antworte ich geduldig, dass ich keine Influencerin bin, sondern meine Arbeitszeit in Rechnung stelle. Ein Blogartikel schreibt sich nicht von allein, ein Podcast produziert sich nicht selbst. Das kostet mich Zeit und Geld. Mache ich das für andere, wird es eingepreist. So einfach und doch so schwer.

Bezahlst du für Inhalte?

Die kurze Antwort: Nein.

Du hast ein Problem. Wo suchst du nach der Lösung? Meistens doch über den Suchschlitz irgendeiner Suchmaschine. Über 80 Prozent meines Website-Traffics kommt von Google & Co.. Auf meinem Blog finden Suchende die Antworten auf ihre Fragen. Daraus ergeben sich Kontaktanfragen, ich erweitere mein Netzwerk und werde als Expertin wahrgenommen. Ich betreibe Content Marketing bzw. Blog Marketing.

Vor einiger Zeit habe ich mal über „Warum ich mein Wissen kostenlos ins Netz stelle“ geschrieben. In Kürze:

„Mein Ziel: Ein Blog über Digitalisierung, Revenue Management, E-Commerce und Social Media in der Hotellerie. Ich schreibe FÜR Hoteliers, weil ich diese Branche liebe. Ich stelle mein Wissen kostenfrei ins Netz, weil es sowieso schon da ist. Es steht auf anderen Blogs, auf Newsseiten oder in Social Media Beiträgen.“

Davon profitierst vor allem du. Du findest, was du suchst, und es ist kostenfrei. Ein Win-Win-Situation? Nicht immer. Denn gerade weil ich kostenlos Inhalte ins Netz stelle, entsteht der Eindruck, dass ich unbezahlt arbeite. Äh, nein.

Anfang 2020 kam ich auf die Idee einen Paypal-Donate-Button unter meine Artikel zu setzen. Darüber konnten Leser:innen einen Geldbetrag spenden. Innerhalb von knapp 365 Tagen haben fünf Menschen gespendet. Meine Leser:innen bezahlen nicht für Inhalte. Warum auch? Schließlich biete ich Artikel und Podcastfolgen kostenfrei an. Dennoch hat es etwas mit Wertschätzung zu tun. Alternativ könntest du einen Artikel, der dir gefällt einfach über Facebook, Twitter & Co. teilen (und mich oder den/die Autor:in markieren). Die größte Wertschätzung für mich: Kommentare unter Blogartikeln! Eine andere Meinung oder Feedback zum eben Gelesenen und Gehörten, der Start einer Diskussion – das gefällt mir am besten. Dann entsteht Austausch, Kommunikation, ein Gespräch.

Mittlerweile habe ich den Spenden-Button unter den Artikeln entfernt. Wer meine Beiträge lesen möchte, liest es, wer nicht, lässt es. Doch die Erwartung, dass ich mein Wissen auch kostenfrei per Telefon oder Videokonferenzen weitergebe, kann ich nicht nachvollziehen und empfinde ich als bodenlose Frechheit!

Glanzleistung Content-Klau!

Diese dreiste Erwartung wird getoppt vom Content-Klau. Die falsche Annahme „an kostenlosen Inhalte im Internet kann ich mich einfach bedienen“ hat sich im Laufe der Zeit entwickelt. Es gibt massig Content im Netz, das Wissen ist überall. Viele bloggen, podcasten und bespaßen Leser und Hörer. Das lässt Hemmungen fallen. Schnell eine Textpassage kopieren und ins eigene Dokument einfügen, schon ist man einen Schritt weiter. Neulich erlebt: Meinen Artikel kopieren und in einem bezahlten (!) Workshop verwenden. Wie unverschämt kann man eigentlich sein?! Nicht nur meine Texte, sondern auch Grafiken wurden geklaut und verwendet.

Wenn du jetzt denkst, ach komm, ist ja nicht so schlimm. Das zeigt doch nur, wie gut deine Texte sind, dem empfehle ich einen Blick ins Urheberrecht. Ungefragt meine Inhalte zu verwenden, ist unverschämt und by the way rechtswidrig!

Spricht man den Dieb darauf an – und das habe ich getan – wird wild zurückgerudert. Man könnte sich ja gegenseitig „befruchten“, gemeinsam in Projekten arbeiten. Bla bla blubb. Im Klartext: Valerie, du machst die Arbeit, ich ernte die Lorbeeren. So wie vorher schon, nur dann halt offiziell und quasi mit deinem Einverständnis.

„Was bringt mir das?“

Hin und wieder rufe ich Leser:innen zum Mitmachen auf. Über Instagram hab ich gefragt, welches Thema als Nächstes in meinem Podcast erscheinen soll. Eine Antwort war: „Ungewöhnliche Gäste“. Dazu schrieb ich einen Newsletter:

„Nimm ganz einfach ein Sprachmemo mit deinem Smartphone auf und sende es mir per E-Mail. Erzähle in 1-2 Minuten eine kuriose Begegnung mit einem Gast, eigenartige Wünsche oder Erlebnisse die du mit Gästen gemacht hast. Vielleicht hattest du schon Gäste mit Promifaktor? Erzähl davon! Natürlich anonym und gerne mit einem Augenzwinkern.“

Es gab ein paar Rückmeldungen und Aufnahmen. Leider zu wenig und daher ist dieses Projekt gestorben.

Es kam auch eine E-Mail: „Was bringt das dem Hotelier?“.

Ähm, ich verstehe die Frage nicht.

Content ist unbezahlbar!

Warum würde er sonst geklaut werden?

Mit diesem Artikel zeige ich eine Kehrseite auf. Auch wenn viele Kreative kostenlos Inhalte ins Netz stellen, bedeutet das nicht, dass du dich einfach daran bedienen kannst. Das gilt für Texte, Grafiken, Bilder, Videos, Podcasts usw. Das gilt für alles, was ein anderer erschaffen, geschrieben, eingesprochen oder fotografiert hat. Es geht mir hier nicht ums Urheberrecht, das verschafft den Urhebern „nur“ die Rechtsgrundlage dagegen vorzugehen. Es geht um Wertschätzung.

Ich will ins Bewusstsein rufen, das jeder Veröffentlichung ein Schaffensprozess vorangeht. Eine Recherche, Zeit, Geld, Schweiß und Tränen. Doch zu allererst eine Idee. Dabei stehen immer die Empfänger – die Zielgruppe – im Mittelpunkt. Jemand hat darüber nachgedacht, was seine Leser:innen brauchen, sie interessiert und sie (im besten Fall) weiterbringt.

Doch auch innerhalb der Blogosphäre wird der Ton rauer und die gegenseitige Unterstützung sinkt. Darüber hat Henning Uhle einen Artikel geschrieben, den sich jede:r Blogger:in mal zu Gemüte führen sollte: „Blogger-Support: Ist es denn so schwer?“.

Durch diese Erfahrungen in den letzten Jahren, wie mit meinem Content umgegangen wird, hatte ich mich in eine längere Sommerpause zurückgezogen. Die Lust am Schreiben ist mir vergangen. Ich habe überlegt, wie es weitergeht. So kann es nicht weitergehen.

Jetzt bin auf deine Meinung gespannt! Schreib mir gern ins Kommentarfeld unter diesem Text. Wie hältst du es mit dem Content von anderen?

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