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Video-Podcast Muss ich wirklich auf YouTube (Bild: canva.com)

Video-Podcast: Muss ich wirklich auf YouTube?

Eine kritische Einordnung

Seit YouTube in den USA die meistgenutzte Podcast-Plattform ist und in Deutschland auf Platz zwei liegt, drängt sich in der deutschsprachigen Szene eine Frage immer stärker auf: Muss ich jetzt auch Video machen? Die kurze Antwort lautet: Nein. Jedenfalls nicht, wenn du unabhängige Audio-Podcasts machst.

Dieser Beitrag vertritt eine klare These: Video-Podcasts sind überflüssig. Podcasts sind Audio. Damit das nicht bloß meine Meinung bleibt, stütze ich diese Position mit Studien und Zahlen. Die Quellen zu den Zahlen, Daten und Fakten setze ich ans Ende des Textes. Die Beweiskette ist einfach: Wie werden Podcasts genutzt? Wie werden Videos genutzt? Und was folgt daraus für YouTube?

Dieser Beitrag wurde erstmals im Februar 2025 veröffentlicht. Ich habe ihn vollständig überarbeitet und aktualisiert.

Was ist überhaupt ein Podcast?

Ein Podcast ist im Kern eine Technologie: Sie macht Audiodateien, seltener auch Videodateien, über einen RSS-Feed abonnierbar. Genau diese Abonnierbarkeit über einen offenen, plattformunabhängigen Feed ist das definierende Merkmal – nicht das Bewegtbild.

Wer eine Videodatei hochlädt, veröffentlicht ein Video, keinen Video-Podcast. Diese begriffliche Genauigkeit ist nötig. Sie trägt die ganze Argumentation. Wer über „Video-Podcasts“ streitet, ohne zuerst zu klären, was ein Podcast ist, diskutiert am Thema vorbei. Es lohnt sich, nicht den Marketing-Logiken der Plattformen zu folgen, sondern auf das zu schauen, was das Medium ausmacht. Und auf die Frage, ob hier Formate sinnvoll vermischt werden oder nicht.

Die Wirklichkeit der Nutzung: Wie Podcasts tatsächlich gehört werden

Wer das Wesen des Podcasts verstehen will, muss auf die Alltagssituationen schauen, in denen Menschen Podcasts nutzen. Daten des Online-Audio-Monitors sowie der Podstars-by-OMR-Podcast-Studie zeigen klar: Podcasts sind ein klassisches Begleitmedium. Sie laufen dort, wo die Augen beschäftigt sind, die Ohren aber frei.

  • Hausarbeit und Kochen machen rund 60 bis 65 Prozent aus. Hände und Augen sind gebunden, gehört wird trotzdem konzentriert.
  • Unterwegs und beim Pendeln liegt der Anteil bei etwa 50 bis 55 Prozent. Im Auto, in Bus und Bahn oder zu Fuß bleibt der Blick bei der Umgebung.
  • Entspannung und Einschlafen erreichen rund 40 Prozent. Hier verzichten viele bewusst auf visuelle Reize, um die kognitive Belastung zu senken.

Ein Video-Podcast bricht fundamental mit diesem tief verankerten Nutzungsverhalten. Wer kocht, Auto fährt oder joggt, kann nicht auf ein Display starren. Die visuelle Ebene schließt die primären Nutzungssituationen des Mediums damit faktisch aus.

Das Paradox des stummen Videos

Wer dem Video-Podcast trotzdem die Zukunft zuschreibt, muss erklären, warum Menschen Videos oft gar nicht so nutzen, wie dieses Format es voraussetzt. Schon 2016 stellte Facebook intern fest, dass rund 85 Prozent der Nutzer:innen Videos stumm schauen. Spätere, breiter angelegte Erhebungen bestätigen das Muster, auch wenn die exakten Werte je nach Plattform und Endgerät schwanken:

  • Sprout Social schrieb 2026, die große Mehrheit scrolle in der Öffentlichkeit mit stummgeschaltetem Ton durch den Facebook-Feed. Videos müssten deshalb für den „sound-off“-Konsum gestaltet sein, also mit Text-Overlays und Untertiteln.
  • Verizon Media und Publicis Media kamen 2019 zu dem Ergebnis: 69 Prozent der US-Verbraucher:innen schauen Videos in der Öffentlichkeit ohne Ton, 25 Prozent auch im privaten Umfeld. 80 Prozent sehen ein Video eher bis zum Ende, wenn Untertitel verfügbar sind. Grundlage war eine Online-Befragung mit 5.616 Personen.
  • Eine viel zitierte interne Facebook-Auswertung von 2016 kam auf rund 85 Prozent stumm gesehener Videos. Die genaue Zahl wurde allerdings nie offiziell veröffentlicht und sollte deshalb nur als Richtwert gelten.

Darin liegt das eigentliche Paradox: Podcasts beruhen vollständig auf gesprochenem Wort, auf Stimme, Nuancen und Tonalität. Sie ausgerechnet in eine Umgebung zu drängen, in der ein großer Teil der Inhalte stumm läuft, kollidiert frontal mit dem eingeübten Nutzerverhalten. Wer ein Video-Podcast-Snippet im Feed sieht, schaut meist lautlos. Genau da geht verloren, was das Medium Podcast ausmacht.

Die Sonderrolle von YouTube: Suchmaschine statt Rezeptionsmedium

Das stärkste Argument der Befürworter:innen ist die Marktmacht von YouTube. Laut aktuellen Erhebungen, etwa von Cumulus Media und Signal Hill Insights, ist die Plattform weltweit der wichtigste Ort, um neue Podcasts zu entdecken. Anders als im klassischen Social Feed werden Inhalte hier gezielt gesucht und meist mit eingeschaltetem Ton aufgerufen.

Bei genauerem Hinsehen belegt YouTube aber nicht das Format „Video-Podcast“. YouTube ist vielmehr eine hocheffiziente Such- und Marketingmaschine für rein auditive Inhalte. Zwei Befunde aus der Publikumsforschung stützen das.

  • Erstens: Background Listening. Der Podcast-Report von Sounds Profitable zeigt, dass fast die Hälfte, nämlich 47 Prozent, der Nutzer:innen, die Podcasts auf YouTube hören, das Bild komplett ignoriert. Das Video läuft im Hintergrund oder minimiert. Ein Video-Podcast erzeugt also Produktionskosten für eine Ebene, die die Hälfte des Publikums gar nicht wahrnimmt.
  • Zweitens: YouTube als Konvertierungskanal. Daten aus der Forschung von Sounds Profitable und Signal Hill zeigen, dass rund 72 Prozent der neuen Hörer:innen mit dem Audio-only-Konsum einer Show begannen, nachdem sie deren Video-Version entdeckt hatten. YouTube ist das Schaufenster. Die langfristige Bindung entsteht im auditiven Raum.

Kurz gesagt: YouTube ist ein Katalysator für Auffindbarkeit. Die Plattform beweist nicht, dass Hörer:innen Podcasts sehen wollen. Sie zeigt nur, dass die Audio-Branche die Suchmechanismen von YouTube nutzen sollte, ohne die Identität des Podcasts als blindes Medium aufzugeben.

Die Pro-Video-Argumente – und warum sie nicht tragen

„Video schafft durch sichtbare Mimik mehr Nähe.“

In der Medienpsychologie gibt es das „Theater of the Mind“, das Kino im Kopf. Eine Untersuchung des University College London zeigte, dass rein auditiver Inhalt eine messbar höhere emotionale und physiologische Intensität auslöst als dieselbe Geschichte als Video. Gemessen wurden Herzfrequenz und Hautleitfähigkeit. Ohne visuelle Ablenkung entwirft das Gehirn die Szenerie selbst. Die Stimme dringt tiefer ins Bewusstsein und bindet stärker als das statische Bild von zwei Personen am Studiotisch.

„Video-Podcasts erzielen über Algorithmen mehr Reichweite.“

Hier werden Marketing-Werkzeug und Produkt verwechselt. Kurze Snippets, Reels oder TikToks eignen sich sehr gut für die Entdeckung am oberen Ende des Trichters. Ein flüchtiger, meist stummer View schafft aber keine treuen Hörer:innen. Die Umwandlung in ein loyales Abo, das eine 60-minütige Folge hört, findet auf Audio-Ebene statt. Während Videos hohe Absprungraten haben, erreichen reine Audio-Podcasts oft Durchhörquoten von 70 bis 80 Prozent. Das sind mit die höchsten Bindungsraten in der Medienlandschaft. Video wirbt, Audio bindet.

„Die Plattformen pushen Video – also gehört ihm die Zukunft.“

Diese Entwicklung folgt keinem originären Nutzerbedürfnis, sondern ökonomischen Interessen. Plattformen verdienen an „Screentime“. Nur wer aufs Display schaut, sieht profitable Display- und Video-Anzeigen. Das ist eine künstliche Verschiebung des Formats zu Werbezwecken. Daten von SiriusXM Media zeigen zudem, dass die große Mehrheit die Videofunktion ignoriert, das Smartphone wegsteckt und den Inhalt trotzdem rein auditiv nutzt.

Die praktischen Kosten von Video

Video treibt die Produktionskosten nach oben. Kameras, Licht und Schnittsoftware machen aus einem Projekt mit Mikrofon und einfacher Software schnell ein aufwendiges Videoprojekt.

Zugleich leidet oft die Audio-Qualität. Der Fokus auf das Bild schwächt nicht selten den Ton. Akustik und Sprachqualität, also das Herzstück eines guten Podcasts, geraten ins Hintertreffen.

Hinzu kommt: Ein echter Mehrwert entsteht nicht. Podcasts sind ideale Nebenbei-Medien. Video-Podcasts lenken von dieser Stärke ab und schränken die Flexibilität ein. Dazu ein nüchterner Reality-Check: Auf Spotify sind gerade einmal rund 500.000 Video-Podcasts aktiv – nur etwa 13,89 Prozent aller dort angebotenen Podcasts. Im Februar 2025 waren es noch 300.000 Video-Podcasts. Lange durften nur Hosting-Kund:innen der Plattform Video hochladen; 2024 wurde das gelockert. Ein weiteres Indiz dafür, dass hier eine Plattform ein Format pusht und nicht das Publikum es einfordert.

Was Hörer:innen wirklich wollen: Inhalt vor Format

Podcasts sollten sich vor allem über Inhalte weiterentwickeln, nicht über unnötige Änderungen des Formats. Laut Umfragen suchen 67,5 Prozent der Hörer:innen nach fundierten Hintergründen und gut recherchierten Inhalten, nicht nach visuell ansprechendem „Blabla“. Formate wie „True Criminology“ oder „HerStory“ zeigen, dass kluge Recherche den eigentlichen Mehrwert schafft, auch ohne große Redaktionen oder aufwendige Videoproduktion.

Eine Gemeinschaftsstudie, unter anderem von Acast, Audio Alliance, Studio Bummens und Seven One Audio, stützt das auch wirtschaftlich: Audio-Podcasts wächst in Deutschland stetig, erreicht bis zu 150 Prozent stabilere Durchhörraten und erzielt über Host-Read-Ads eine bis zu zwölfmal höhere Monetarisierung als Standard-Video-Werbung. Der offene RSS-Feed sorgt zudem für plattformunabhängige Verbreitung, also für Freiheit und Flexibilität.

Fazit: Warum Video-Podcasts überflüssig sind

Video-Podcasts sind kein Fortschritt. Sie sind ein überflüssiger, plattformgetriebener Trend, der den Kern des Mediums verwässert. Die Nutzungsdaten zeigen, dass eine visuelle Ebene nicht nötig ist. Das Paradox des stummen Videos legt den Widerspruch zwischen Audio-Inhalt und visuellem Konsum offen. Und YouTube erweist sich als Discovery-Engine, nicht als Beleg für einen Wunsch, Podcasts sehen zu wollen.

Produzent:innen sollten sich entscheiden: entweder Video oder Audio. Beides zu vermischen, überzeugt nicht. Wer Podcasts wirklich liebt, konzentriert sich auf das Wesentliche: exzellente Inhalte fürs Gehör. Darum geht es. Um die Kraft der Stimme und um die Qualität der Geschichten, die erzählt werden.

Weitere (kritische) Stimmen zum Thema Video-Podcasts

  • Niklas Münch, freier Journalist für Podcasts und Radio, fragt: „Droht eine Spaltung der Podcast-Branche?“ und plädiert dafür, die kreative Freiheit zu bewahren.
  • Laura Dath-Lienenkämper betont in ihren „Podcast-Gedanken 2025“, dass Video nicht für jeden Podcast geeignet ist und kleinere Formate ohne Video keinen Nachteil haben sollten.

Was hältst du davon – Hype oder Fortschritt? Schreib es ins Kommentarfeld und lass uns drüber reden.

Quellen

Cumulus Media, & Signal Hill Insights. (2025). Podcast Download – Spring 2025 Report. Cumulus Media | Westwood One. https://www.cumulusmedia.com/2025/06/16/cumulus-media-and-signal-hill-insights-release-podcast-download-spring-2025-report/

Online-Audio-Monitor (OAM). (2025). Bericht zum Online-Audio-Monitor 2025. https://www.online-audio-monitor.de/wp-content/uploads/Bericht-OAM_2025.pdf

Richardson, D. C., et al. (2020). Engagement in video and audio narratives: contrasting self-report and physiological measures. Scientific Reports, 10, 11298. University College London. https://www.nature.com/articles/s41598-020-68253-2

Sounds Profitable. (2025). The Podcast Landscape 2025: Maturity, Growth, and What Comes Next. https://soundsprofitable.com/article/maturity-growth-next/

Sprout Social. (2026). Social Media Video Statistics To Know. Sprout Social Insights. https://sproutsocial.com/insights/social-media-video-statistics/

Verizon Media, & Publicis Media. (2019). Captions study (Online-Befragung, n = 5.616 US-Erwachsene). Zusammenfassung bei 3Play Media. https://www.3playmedia.com/blog/verizon-media-and-publicis-media-find-viewers-want-captions/

FAQ: Video-Podcast – Muss ich wirklich auf YouTube?

Was ist der Unterschied zwischen einem Video-Podcast und einem normalen Podcast?

Ein Podcast ist per Definition ein Audio-Format, das abonniert und über RSS-Feed abgerufen wird – unabhängig von Plattformen. Ein Video-Podcast fügt diesem Format eine Bildebene hinzu, meist in Form einer Kameraaufnahme der Aufnahmesituation. Für die Hörerinnen und Hörer ändert sich dabei inhaltlich nichts – die Frage ist, ob der visuelle Mehrwert den produktionstechnischen Mehraufwand rechtfertigt.

Muss ich als Podcasterin 2026 auf YouTube gehen?

Nein. Laut RMS (Radio Marketing Service) Podcast-Studie 2026 hören 46 % der deutschen Podcast-Nutzenden im Auto und 28 % beim Spazieren – beides Situationen, in denen Video nicht nutzbar ist. Die treueste Hörerschaft, die sogenannten Heavy User, ist überdurchschnittlich mobil. Video erreicht diese Zielgruppe strukturell nicht.

Ist YouTube jetzt die wichtigste Podcast-Plattform?

In Deutschland liegt YouTube bei der Podcast-Nutzung laut Online-Audio-Monitor 2025 fast gleichauf mit Spotify (50,9 % gegenüber 51,1 %). Für bestehende Audio-Podcasts bedeutet das aber keinen automatischen Handlungsbedarf: YouTube-Nutzung für Podcasts und das Schauen von Video-Podcasts sind nicht dasselbe. Viele Hörerinnen und Hörer spielen Podcasts auf YouTube im Hintergrund ab.

Verdoppelt ein Video-Podcast wirklich den Aufwand?

Ja, in der Regel schon – und oft mehr. Zu Schnitt und Mastering kommt Videoschnitt, Farbkorrektur, Thumbnail-Produktion, Upload-Management auf einer weiteren Plattform und häufig auch die technische Einrichtung einer Kamera-Infrastruktur. Für Solo-Podcasterinnen ohne Team ist das ein erheblicher Mehraufwand, der Zeit bindet, die stattdessen in Inhaltsqualität fließen könnte.

Wie entscheide ich, ob Video-Podcast das Richtige für mich ist?

Die entscheidende Frage ist nicht, was Plattformen gerade pushen, sondern was deine Hörerinnen und Hörer brauchen. Wenn dein Podcast primär unterwegs gehört wird, wenn deine Zielgruppe Audio als Nebenbei-Medium nutzt und wenn dein Format nicht visuell lebt, spricht wenig für Video. Investiere stattdessen in Klangqualität, Struktur und inhaltliche Tiefe – das ist es, wofür Audio-Podcasts stehen.

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Kommentare

6 Kommentare zu „Video-Podcast: Muss ich wirklich auf YouTube?“

  1. Liebe Valerie
    Starker, gut belegter Text — danke dafür. Beim Schluss komme ich (als Podcast-Produzent, der meistens auch Videoversionen produziert) zu einem anderen Ergebnis.
    Deine Zahlen treffen das Hauptformat: Niemand schaut ein 60-Minuten-Video durch. Einverstanden. Aber dein eigener Satz «Video wirbt, Audio bindet» beschreibt für mich keine Schwäche, sondern eine Arbeitsteilung.
    72 Prozent hören Audio-only — nachdem sie die Videoversion entdeckt haben. Ohne das Schaufenster würden sie das Format vielleicht gar nicht finden, oder nicht so schnell. YouTube als Suchort, Clips als Anwerber: Das ist nicht das Rezeptionsformat, das ist der Weg dorthin.
    Dazu die visuellen Schnipsel. Ein vertikaler Clip, ein Reel, eine Zitatgrafik brauchen Bild, oder sind damit zumindest attraktiver. Ohne Kamera kein Clip, der zum Hören führt.
    Vielleicht reden wir deshalb aneinander vorbei. Du meinst das Video als Art, einen Podcast zu konsumieren. Ich meine die Kamera als Quelle für das, was anwirbt — das Hören selbst bleibt Audio.
    Wie siehst du das: Schaufenster ja, Rezeptionsformat nein?
    Liebe Grüße aus Zürich, Christoph Soltmannowski ( castalavista.ch )

    1. Lieber Christoph,

      Danke für deinen Kommentar.

      Als Schaufenster gehe ich mit und Video kann fürs Marketing helfen. Oft wird allerdings genau das verwechselt: Video ist in diesem Fall ein Marketing-Werkzeug für Social Media, um auf die Folge aufmerksam zu machen. Ob dafür die ganze Zeit eine Kamera mitlaufen muss oder besser für konkrete Aussagen in der Folge ein Videoschnipsel produziert wird, sei dahin gestellt. Visuelle Schnipsel können genauso gut Zitatekacheln oder gar Audiogramme sein – Bewegtbild ist meines Erachtens nicht nötig.

      Und ich wiederhole aus meinem Text: „Podcasts beruhen vollständig auf gesprochenem Wort, auf Stimme, Nuancen und Tonalität. Sie ausgerechnet in eine Umgebung zu drängen, in der ein großer Teil der Inhalte stumm läuft, im Besten Fall mit Untertiteln, kollidiert frontal mit dem eingeübten Nutzerverhalten. Wer ein Video-Podcast-Snippet im Feed sieht, schaut meist lautlos. Genau da geht verloren, was das Medium Podcast ausmacht.“

      Wenn du Zahlen zum Erfolg von Video-Podcast-Snippets à la „xy hat deine Sendung abonniert, weil er/sie dein Snippet gesehen hat“ hast, freu ich mich, wenn du sie hier teilst.

      Und ganz interessant finde ich die KI-Entwicklungen bei Spotify und YouTube mit „Ask YouTube“. Das könnte endlich der Durchbruch für die Podcastsuche auf den Plattformen sein (und ich hoffe Apple Podcast macht mit) und würde das Argument von Videoschnipseln fürs Schaufenster verdrängen. Da zitiere ich aus der Meldung von Jana Moysich:

      „Mit „Ask YouTube“ führt YouTube eine KI-Suche ein, die Fragen nicht mehr mit einer schlichten Trefferliste beantwortet, sondern mit zusammengefassten Textantworten – inklusive eingebetteter Videos als Quellen. Statt sich durch Suchergebnisse und Thumbnails zu klicken, sollen Nutzer künftig direkt eine Antwort bekommen, die sich auf den kompletten YouTube-Katalog stützt. Aktuell wird die Funktion für Premium-User ab 18 Jahren in den USA ausgerollt.“
      https://soundbett.de/news/ask-youtube-neue-ki-suche-koennte-podcast-discovery-umkrempeln/ Und hier die Originalquelle: https://blog.youtube/news-and-events/youtube-news-google-io-2026/.

      Und auch Spotify führt eine Funktion ein, mit der Nutzerinnen und Nutzer während einer Folge Fragen stellen und in Echtzeit Antworten erhalten können – etwa um einen Begriff zu klären, ein in der Episode erwähntes Thema nachzuschlagen oder Empfehlungen zu bekommen. Laut Spotify soll das die Auseinandersetzung mit den Inhalten vertiefen, ohne dass man die App verlässt. Verfügbar ist die Funktion zunächst für Premium-Nutzer in den USA, Schweden und Irland.
      https://newsroom.spotify.com/2026-05-21/investor-day-podcast-features-updates/

      Inwieweit Podcaster dass dann beeinflussen können, dazu hab ich bisher keine Handreichung gefunden.

      Allerdings könnte ich mir vorstellen, dass Video-Snippets und Audio-Podcastfolgen auf Spotify und YouTube dann in Konkurrenz treten. Podcaster sollten sich spätestens dann entscheiden, ob sie Video-Snippets pushen oder sich auf eine 1 A Podcastfolge konzentrieren, die in den KI-Suchen auftauchen – und Suchende zu Podcast-Abonnenten machen.

      Grüße nach Zürich – ich hoffe mit Erfrischung im Zürisee bei diesen wahnsinnigen Temperaturen.
      Valerie

  2. Liebe Valerie,

    vielen lieben Dank für die ausführliche Argumentation. Ich konnte meine Abneigung gegen Video-Podcast bisher immer nur mit „persönlicher Vorliebe“ verdeutlichen. Ich finde es wirklich stark, wie fundiert Du das Thema analysiert hast.

    Liebe Grüße
    Lars

    1. Lieber Lars,

      ich freue mich sehr, dass der Artikel dir hilft deine Abneigung einzuordnen. Ich habe daran ziemlich lange geschrieben, weil ich erst auch mit der Ausgangslage „persönliche Abneigung“ „Quatsch“ „Jetzt soll ich auch noch Videos machen?!“ gestartet bin. Die ersten Entwürfe waren fast etwas trotzig. Doch je mehr ich mich mit den Zahlen und Fakten beschäftigt habe, desto mehr hat sich der rote Faden rauskristallisiert.

      Ich finde es immer wieder erstaunlich, wie viele Podcaster über jedes Stöckchen springen, das Spotify (oder YouTube) ihnen hinhält und sehr schade, dass sie sich dazu verleiten lassen, nur um mehr Reichweite und Sichtbarkeit, dem Algorithmus gefallen wollen, allem was die Plattformen vorgeben zu entsprechen.

      Ich hab das von Anfang an kritisch gesehen und war nicht überzeugt. Ich wurde „ewig gestrig“ genannt und in den Kommentarspalten wirklich auseinandergenommen. Ich bin froh, dass ich den Text verfasst habe, so muss ich in Zukunft nur noch einen Link weiterleiten.

      Liebe Grüße
      Valerie

  3. Ich sehe es ein bisschen offener. Wenn das Video begleitend ist, dann ist das doch fein. Podcasts sind ein Audio-Medium, aber wenn eine Kamera mitläuft und ich das dann halt auch auf dem Fernsehen spielen kann – warum denn nicht? Ich schaue beim Podcast hören auch kein Video; weil ich Podcasts meist höre, wenn ich mit dem Hund spazieren gehe. Ich kenne aber bspw. durchaus Menschen, die Podcasts auf dem TV laufen lassen.

    Natürlich ist der Video-Trend von Anbietern getrieben – weil Video-Werbespots sich leichter verkaufen lassen als Audio-Slots. So einfach ist es. Und natürlich müssen Creators deshalb nun damit leben, dass sie ihren Podcast auf Spotify nur eingeschränkt monetarisieren können. Auf der anderen Seite hilft es Creators eben auch auf anderen Plattformen dann Video-Schnipsel unkompliziert nutzen zu um so den Podcast bewerben zu können.

    Auf der anderen Seite ist schon heute YouTube die größte Podcast-Plattform …

    Solange ich keine „Video-exklusiven“ Podcasts habe (dann sind es nämlich wirklich keine Podcasts mehr), ist es doch fein. Und vielleicht fällt ja sogar bald endlich mal jemandem ein, wie man das sinnvoll nutzt, anstatt immer nur sich im Studio abzufilmen.

    1. Lieber Thomas,

      vielen Dank für deine Gedanken. Ich frage mich halt was das Video begleiten soll oder muss? Wenn ich mich initial für einen Podcast entscheide, dann entscheide ich mich doch von vorne herein für ein auditives Format, also Erzählen über Ton und für das Ohr. Ich beschreibe mehr, weil man das was man hört nicht sieht, weil alles formuliert werden muss, weil ich eben kein Bild habe. Ich habe nur den Ton, mit dem ich erzählen kann, Stimmung hervorrufe und Bilder im Kopf kreiere. Denn wenn ich noch Bewegtbild möchte, dann mache ich ein Video. Dann habe ich zwei Ebenen, Bild und Ton und muss ganz anders produzieren. Dann ist das fine für mich.

      Dazu dann aber Video-Podcast zu sagen, ist falsch. Denn ein Podcast ist eine abonnierbare Audiodatei – seltener Video, gibt es aber auch, hat sich wohl nicht durchgesetzt, hat mir ein Herr mit sehr langjähriger Erfahrung mal erklärt. Im Grund ermöglicht es uns Spotify eine Videodatei hochzuladen. Und das nur weil sie YouTube herausfordern wollen. Der Need wird also von der Plattform erzeugt und nicht vom Nutzer.

      Dein Einwand mit der Werbung – klar, das ist ein guter Punkt. Dann ist es dennoch Video und kein Video-Podcast. Ich weiß, ich bin da echt Nicky Picky.

      Das Argument mit dem Abspielen auf Smart TVs, ist mir auch schon mal über den Weg gelaufen. Ich kenne eine Studie darüber: Im Online Audio Monitor steht

      „Der Smart TV belegt mittlerweile Platz 2: Vier von zehn (41 %) regelmäßigen Nutzenden hören darüber Webradio und/oder Audio-on-Demand-Angebote. Mit einem erneuten Zuwachs gegenüber dem Vorjahr gewinnen zudem das Tablet (37%), WLAN-Radio (31%) sowie die Smartwatch (13%) an Relevanz.“

      Von daher würde ich der Sache mit dem Smart TV fast zustimmen, wenn es nicht weiter heißen würde „85 Prozent der regelmäßigen Nutzenden hören Online-Audio außer Haus.“ Und es konnte nicht getestet werden, ob sie dann auch davor sitzen, um den Podcast anzusehen oder einfach laufen lassen.

      Die Begleitung einer Podcast-Aufnahme mit Video erschließt sie mir nicht. Genauso wenig das Streamen von Podcasts über Twitch.

      Aber: Es kann jeder so handhaben wir er*sie möchte. Ich will niemandem meine Meinung aufzwingen. Ich kann dem Format Video-Podcast einfach nichts abgewinnen, weil ich überzeugt bin, dass es ein Marketingtrick der Plattformen ist. Die erzählen eben so lange von Video-Podcasts, bis es zur Wahrheit wird und die Statistiken steigen. Ich möchte mich auf Inhalte und Erzählen fürs Ohr konzentrieren, da hat Video einfach keinen Platz.

      Jedenfalls danke für deinen Kommentar und den Austausch. Das freut mich besonders, die vielen Perspektiven zu sammeln.

      Grüße
      Valerie

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