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Podcasting seit 2017: Wie ich meinen Weg zur unabhängigen Literaturpodcasterin gefunden habe. (Grafik erstellt mit Canva AI)

Podcasting seit 2017: Wie ich meinen Weg zur unabhängigen Literaturpodcasterin gefunden habe

Ein Beitrag zur Blogparade „Warum liebst du deinen Podcast?“ von Barbara Riedl-Wiesinger und Dagmar Recklies.

Warum ich Podcasting liebe

Nichts begeistert mich mehr, als einen Podcast zu produzieren. Geschichten fürs Ohr zu entwickeln und umzusetzen, macht mir großen Spaß. Seit 2017 podcaste ich und habe mir alles selbst beigebracht. Ich startete mit „Hotel-O-Motion on Air“, dem ersten Podcast über digitales Hotelmanagement im DACH-Raum, den eine Frau verantwortete. Es folgten viele weitere Sendungen, bis heute sind es sieben Stück, 2022 wechselte ich das Thema. Die erste Sendung bleibt unvergessen – an ihr habe ich mich ausprobiert, technisch, sprachlich, inhaltlich, und bin daran gewachsen.

Ich genieße es, über Inhalte nachzudenken, zu recherchieren, mich einzulesen, Interviewpartner:innen zu suchen, das Skript zu schreiben, an das ich mich beim Aufnehmen doch selten halte, den Aufbau der Folge zu planen, noch einmal nachzurecherchieren – und dann auf „Aufnahme“ zu drücken.

Der Klick auf Record

Ob ich aufgeregt bin, wenn ich auf Aufnahme drücke, hängt vom Gegenüber ab. Meist überwiegt die Vorfreude – jetzt wird das Konzept zur Tondatei. Audio transportiert Gefühle, wie es Text kaum vermag. Wir nehmen viel über die Stimme wahr, das Ohr bleibt unser empfindlichstes Organ. Podcasts lassen Zwischentöne zu: das Zögern vor einer Antwort, das Lachen, das zu früh kommt, die Stille, die mehr sagt als ein Satz. Das zieht mich immer wieder ans Mikrofon.

Wie eine Folge entsteht – ein Blick hinter die Kulissen

Vorbereitung bedeutet für mich vor allem: lesen, nachdenken, aufschreiben. Meine Recherchen fasse ich in Word-Dokumenten zusammen – Notizen, offene Fragen, Zitate, Zusammenhänge. Kein ausgefeiltes System, aber eines das funktioniert. Am Ende steht ein Skript, an das ich mich bei der Aufnahme nicht halte.

Die Gespräche führe ich online und die Gäste und ich sind per Video zugeschaltet, jede:r am eigenen Mikrofon, im eigenen Raum. Was technisch nach Distanz klingt, ist in der Praxis oft das Gegenteil: Man sitzt zuhause, in der eigenen Umgebung, und das erzeugt eine Vertrautheit, die dem Gespräch guttut.

Mein Aufnahmetool heißt Ultraschall und die Gäste hole ich mir per Studiolink dazu. Mit Videokonferenztools einen Podcast aufzunehmen, davon rate ich dringend ab. Es ist wissenschaftlich erwiesen, dass Frequenzen fehlen von den Videokonferenztools komprimiert werden und besonders Frauen dadurch weniger charismatisch klingen.

Beim Schnitt halte ich es so: Pausen dürfen bleiben. Das Zögern vor einer Antwort, das kurze Innehalten – das gehört zum Gespräch. Was ich rausschneide, sind zu viele Ähs und Denkpausen, die so lang werden, dass sie den Fluss unterbrechen. Ja, wir leben in einer TikTok-Welt, in der alles schnell sein muss. Aber ein Literaturpodcast ist kein Reel. Ich schneide für Klarheit, nicht für Tempo.

Die Musik in der Sendung ist lizenzfrei, bewusst gewählt und passend zum Ton der Sendung.

Von der Hotellerie zum Journalismus – eine Umorientierung

Mit Hotel-O-Motion on Air habe ich mir ein Netzwerk in der Hotellerie aufgebaut, ohne je hinfahren zu müssen. Ein Podcast-Gespräch, und plötzlich kennt man sich. Das fasziniert mich bis heute an diesem Medium und nennt sich „parasoziale Beziehung“.

Parasoziale Beziehungen sind einseitige Beziehungen, bei denen eine Person das Gefühl entwickelt, jemanden gut zu kennen, obwohl die andere Seite sie gar nicht kennt. Beim Podcasting sind diese Beziehungen besonders ausgeprägt, weil das Medium einige ganz eigene Qualitäten mitbringt. Parasoziale Beziehungen sind kein Problem, sie sind vielmehr das Herzstück von treuen Communities. Wer sie versteht, kann bewusster damit umgehen: echte Nähe anbieten ohne falsche Versprechen, Grenzen setzen ohne die Bindung zu zerstören, und Hörer:innen als echte Menschen wertschätzen auch wenn man sie nie persönlich kennenlernt.  

Doch irgendwann wollte ich Hoteliers nicht mehr die Welt erklären. Dieses Erklärbärtum – und das oft gratis – wollte ich ablegen. Dann kam Corona. Die Pandemie ließ mich an meiner Medienkompetenz zweifeln. Ich war nicht mehr sicher, welcher Berichterstattung ich trauen kann. Dieser Zweifel wirkte produktiv: Ich begann ein Journalismusstudium. Als Autodidaktin lerne ich vieles selbst, eine Online-Ausbildung lag nahe. Darauf wollte ich aufbauen. Ich wollte wissen, wie journalistisches Arbeiten wirklich funktioniert.

Viele Sendungen, viele Lektionen – mein Podcast-Labor

In den Jahren dazwischen habe ich viel ausprobiert. Mit „Wort, Satz, Mord“ testete ich ein Krimi-Format – als Experiment und Zielgruppenanalyse. Dabei lernte ich: Manche Formate wachsen organisch, weil sie ein Publikum ansprechen, das aktiv sucht. Andere Formate sind inhaltlich wertvoll, brauchen aber viel Budget für Sichtbarkeit, weil die Zielgruppe sie nicht von selbst findet. Der Krimi-Podcast war ein Gesprächsformat, eine Art Laberpodcast mit der Krimiautorin Simone Dark (Pseudonym). Die Sichtbarkeit war von Anfang an gering, die Konkurrenz mit True-Crime-Formaten entsprechend hoch und daher der Marketingbedarf riesig und das Budget zu klein. Dieser Unterschied klingt simpel, ist aber entscheidend im Podcasting. Meine eigenen Sendungen wurden mein Labor.

„Die Bücherstaplerinnen“ entstand aus einem Gespräch mit der Buchbloggerin Antje Tomfohrde. Wir haben den Podcast gemeinsam gehostet. Mein persönlicher Grund: Ich wollte meine Leseroutine zurück, die ich vor Corona hatte. Der Podcast zwang mich dazu. Regelmäßig lesen, weil eine neue Folge wartet. Es hat funktioniert.

Literaturpodcast „Die Büchersammlerin“ – Haltung als Konzept

Aus dieser Zeit wuchs mein Literaturpodcast „Die Büchersammlerin – Ein Podcast zwischen Buchkritik und Autor:innen-Gespräch“.

Das Herzstück ist die Rezension-zuerst-Methode: Ich lese jedes Buch vollständig und schreibe eine Rezension, bevor ich die Autorin oder den Autor zum Gespräch einlade. Die Rezension steht, bevor das Interview beginnt, das gilt auch für Rezensionsexemplare. Das Gegenüber beeinflusst mein Urteil nicht, denn es steht fest. Ehrliche Buchkritiken zu Romanen, Sachbüchern und Übersetzungen, mit besonderem Blick auf Autorinnen und gesellschaftlich relevante Literatur. Mit dieser Sendung richte ich mich an Leser:innen, die neue Bücher entdecken möchten, als auch an Menschen, die sich für die Hintergründe literarischen Schaffens interessieren.

Der Literaturpodcast „Die Büchersammlerin“ ist ein journalistisches Podcast-Format. Das bedeutet: Meine Meinung über ein Buch ist das Ergebnis einer unabhängigen Lektüre und einer eigenständigen Auseinandersetzung und nicht das Ergebnis von Absprachen, Erwartungen oder Gefälligkeiten. Ich verstehe mich als Literaturjournalistin, nicht als Buchpromoterin. Beides kann sich berühren, aber es ist nicht dasselbe. Der Unterschied liegt in der Haltung: Ich berichte über Bücher, ich bewerbe sie nicht. Ich entscheide selbst, welche Bücher in der Sendung besprochen werden. Kriterien sind persönliches Interesse, literarische Qualität, gesellschaftliche Relevanz und der besondere Blick auf Autorinnen.

Das Feedback, das mich am meisten bewegt

Drei Autorinnen haben mir unabhängig voneinander gesagt, dass sie in meinem Podcast etwas erzählt haben, das sie sonst noch nirgends erzählt haben. Das rührt mich. Und es zeigt mir, dass sich meine Gäste wohlfühlen, dass sie authentisch sein können. Diese Atmosphäre entsteht durch Vorbereitung, durch Haltung und durch die Art, wie ich den Podcast gestalte. Darauf bin ich stolz. Inzwischen kommen Autorinnen auf mich zu – das ist die schönste Bestätigung für das Format.

Was ich dir mitgeben will

Podcasting ist für mich kein Format. Es ist eine Haltung. Neugier auf Menschen, Respekt vor dem Inhalt, Sorgfalt in der Vorbereitung – und der Mut, auf Record zu drücken, auch wenn man noch nicht alles weiß.

Wenn du überlegst, ob du starten sollst: Trau dich.

Und wenn du wissen willst, wie unabhängige Buchkritik und tiefe Autor:innen-Gespräche zusammenwachsen können, abonniere den Newsletter der Büchersammlerin. Du bekommst neue Rezensionen, Episoden und Leseempfehlungen direkt in dein Postfach. Für mehr Insights zum Thema Podcasting abonniere mein Text & Podcast Magazin Newsletter.

Meine Sendungen von 2017 bis heute

2017-2022: Hotel-O-Motion on Air (offline)

2022 – heute: Die Podcast-Reportage

2022 – 2024: Format follows Story

2023 – 2025: Die Bücherstaplerinnen

2025 – 2026: Wort, Satz, Mord! – Der Krimipodcast von Südbaden nach Südtirol (offline)

2025 – heute: Content Mosaik – Jeder Inhalt zählt

2025 – heute: Die Büchersammlerin – Ein Podcast zwischen Buchkritik und Autor:innen-Gespräch

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Kommentare

4 Kommentare zu „Podcasting seit 2017: Wie ich meinen Weg zur unabhängigen Literaturpodcasterin gefunden habe“

  1. Hallo Valerie,
    wir kennen uns, wie schön, dich hier wiederzufinden!
    Den Podcast „Die Büchersammlerin“ habe ich gleich mal abonniert – bin gespannt, was ich auf die Ohren bekomme!
    Es ist lange her, dass wir ein paar mal telefoniert haben, damals in unserer gemeinsamen Hotel-Zeit… Ich weiß gar nicht ob ich damals noch kirsch-komm oder schon Rollenspagat war 🤔 Jetzt bin ich auf jeden Fall die Wolfsfrau…
    Vielleicht erinnerst du dich noch?
    Liebe Grüße, Anette

    1. Liebe Anette,

      ich erinnere mich noch! Schön, dass du mal wieder vorbeigeschaut hast. Ich glaube das war Kirsch-Komm, zumindest erinnere ich, dass du damit auch in meinem Podcast Hotel-O-Motion on Air warst.

      Wolfsfrau hört sich mysthisch an.

      Liebe Grüße
      Valerie

  2. Vielen herzlichen Dank für deinen Beitrag zu unserer Blogparade „Darum liebe ich meinen Podcast“.

    Sehr beeindruckend ist dein Weg vom Hotel-Podcast über verschiedene Formate bis hin zur „Büchersammlerin“. Man spürt, wie konsequent du ausprobiert, gelernt, geschärft und deinen eigenen journalistischen Anspruch entwickelt hast. Deine Rezension-zuerst-Methode ist ein starkes Beispiel dafür, wie unabhängig und sorgfältig Podcasting sein kann.

    Danke, dass du uns mit hinter die Kulissen genommen hast! Dein Beitrag macht Mut, selbst auf „Record“ zu drücken, und zeigt zugleich, dass wie gute Podcasts entstehen!

    1. Liebe Barbara,

      wenn ich nur eine Person ermutigen kann, auch auf Record zu klicken, hab ich mein Ziel erreicht. Es gibt so viele Geschichten, die erzählt werden wollen und sollten und mit der eigenen Stimme schafft man eine wunderbare Nähe.

      Vielen Dank für den Anstoß das niederzuschreiben, ohne die Blogparade, wäre das nicht so schnell passiert und ich hatte auch meine Aha-Momente und wurde daran erinnert, wie viel ich eigentlich schon geschafft hab.

      Grüße
      Valerie

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