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Niemands Töchter von Judith Hoersch (Foto Valerie Wagner)

Herkunft, Identität, Mutterschaft: Niemands Töchter von Judith Hoersch

„Niemands Töchter“ lese ich wie einen Film, das berühmte „Kino im Kopf“ läuft. Bis ich alle Zusammenhänge verstehe, habe ich dreiviertel des Buches verschlungen. Den Twist am Ende habe ich erahnt und doch nicht kommen sehen. Besonders wohlgefühlt habe ich mich in der Geschichte von Gabriele. Ihre Eltern Hedwig und Jupp führen eine Bäckerei in Mayen. Und sprechen Dialekt.

Judith Hoersch ist eine Geschichte gelungen, die mich lange beschäftigt hat. Jeder Mensch hat eine Geschichte, jede Entscheidung einen Hintergrund und jede Handlung passiert aus einer erlebten Erfahrung. Es gibt immer eine Erklärung, warum Menschen handeln, wie sie handeln. Das entschuldigt nichts, doch es erklärt. Und am Ende kann es gut werden.

Über die Autorin

Judith Hoersch (Foto: Marcus Höhn)

Judith Hoersch (Foto: Marcus Höhn)

Judith Hoersch wurde 1981 in Köln geboren. Als Tochter eines Musikjournalisten war Schreiben früh Teil ihres Lebens – heimlich, in Schulhefte, Kurzgeschichten, Songtexte, Gedichte. Mit elf die erste Liebesgeschichte. Die besitzt sie bis heute.

Den Weg zur die Bühne ebnete sie sich selbst: Schauspielseminare statt Clubs, Gesangsunterricht statt Partys, ein Stipendium in Los Angeles, Jahre in London. Dem deutschen Fernsehpublikum ist sie vor allem als Hebamme Lena Lorenz im ZDF bekannt – eine Rolle, die sie seit acht Jahren verkörpert.

Aber Judith Hoersch ist noch mehr: Schauspielerin, Sängerin, Drehbuchautorin – und seit Januar 2026 auch Romanautorin. Ihr Debüt „Niemands Töchter“ erschien beim Piper Verlag. Eine Geschichte über vier Frauen, Familiengeheimnisse und das Schweigen, das uns prägt.

Viele Perspektiven und Protagonistinnen

Die Geschichte beginnt 1981 mit Marie und den Flohmarkthändler Norbert. Ich folge der Geschichte, sie zieht mich rein. Ich folge Marie, wie sie einen Mantel und eine Polaroidkamera kauft und wie sie Leonard im „Dschungel“ einer Diksothek kennenlernt.

Dann Cut. Auftritt Gabriele und Harald. Scheidungspapiere. Fehlgeburten. Rosi, ein Baby mit Herzfehler. Und eine Welt die zusammenbricht. Alleinerziehend, zu alt, geschieden, Schichtdienst.

Der nächste Zeitsprung. Oktober 2019. Isabell, Tom und ihre Tochter Ruby. Und Isabells Vater Hagen. Isabell hat Angst zu versagen, dass sie Ruby falsch halten oder falsch füttern könnte.

Alma lerne ich auch im Oktober 2019 kennen. Fabian zieht aus. Mit Pauken und Trompeten und großem Geschrei. Liebeskummer bei Alma. Doch sie hatte Karriere gemacht, ist Programmdirektorin. Keine Freunde. Sie tut was sie immer tut und recherchiert. Sie braucht jemand der ihr hilft – und wird fündig.

Die Kapitel erzählen in verschiedenen Zeiten und jeweils aus der Perspektive einer Frau. Die spannenden Cliffhanger treiben mich durch die Geschichte und lassen mich weiterlesen.

Ein Blick ins Leben von vier Frauen, die zunächst nichts miteinander zu tun haben.

Marie, Gabriele, Alma und Isabell. Ich habe eine Weile gebraucht, um zu verstehen, wie die Frauen verbunden sind. Gabriele und Alma, Marie und Isabell, Isabell und Alma. Und dann gibt es noch Tom, Ruby, Harald, Manfred, Oma Hedwig, Opa Jupp, Hagen und Dr. Lilienthal, Leonard und Fabian.

Was „Niemands Töchter“ besonders macht

Die verschiedenen Erzählperspektiven, die verschiedenen Zeiten von 1981, 1997, 2019, 2020. Die Geschichte zwischen den Zeilen, die ich mir als Leserin erschließen darf.

Judith Hoersch verhandelt, wie stark unsere Herkunft uns prägt, insbesondere die Beziehung zu unseren Müttern und die familiären Strukturen, in die wir hineingeboren werden. Es geht um Mutterschaft, Verlust, Identität und die Suche nach den eigenen Wurzeln.

Ein Roman für alle die beim Lesen gerne mitdenken wollen und sich auf verschiedene Perspektiven einlassen können. Diese Geschichte geht tief und hat mich über meine Familiengeschichte nachdenken lassen. Ich habe geweint und gelacht und nehme die Figuren mit, als Menschen, die ich 380 Seiten lang kennenlernen und begleiten durfte.

Themen dieser Folge

  • Wie vier Frauenfiguren aus verschiedenen Jahrzehnten eine gemeinsame Geschichte erzählen
  • Transgenerationale Muster: Warum sich ungelöste Dinge in Familien wiederholen
  • Die Entstehung des Titels – und warum er am Ende ein Geistesblitz der Lektorin war
  • Vom 700-Seiten-Manuskript zum fertigen Roman: der Lektoratsprozess
  • Warum Judith Hoersch ab sofort jedes Buch laut vorliest, bevor sie es abgibt
  • „I write what I can’t act“ – über das Verhältnis von Schauspiel und Schreiben
  • Warum Bookstagram für Autorinnen unverzichtbar ist
  • Ausblick auf den nächsten Roman: Identität, Heimat und Berge

Shownotes

00:36 Rezension: Niemands Töchter von Judith Hoersch
03:15 Was das Buch besonders macht
03:51 Spache und Stil
04:31 Dieses Buch wird gefallen, wenn …
05:01 Über die Autorin: Judith Hoersch
06:53 Der Check-In
12:38 Das Interview mit Judith Hoersch
13:33 Warum lautet der Titel Niemands Töchter?
17:44 Das Thema und die Figuren
18:49 Von 700 Seiten auf 384 Seiten
22:11 Wer ist die Lieblingsfigur?
25:52 Mundart im Buch
28:35 Fürs Hörbuch laut lesen und die Beziehung zum Text
30:02 Während des Schreibens laut vorlesen
30:28 Das Buch gehört mir nicht mehr
34:51 Wie lange hast du dran geschrieben?
36:01 I write what I can’t act, I act what I can’t write
40:10 Könntest du Niemands Töchter spielen?
41:06 Bookstagram und Social Media
42:43 Fanfiction Niemands Töchter: Was sollte erzählt werden?
44:06 Was liest du gerade und kannst du empfehlen?
44:20 Mit beiden Händen den Himmel stützen von Lilli Tollkien
47:01 Woran schreibst du gerade?
47:11 Identität, Familie und Wurzeln
48:41 Valerie auf Instagram
48:45 Zum Newsletter
48:54 Niemands Töchter von Judith Hoersch, Piper Verlag

„Niemands Töchter“ von Judith Hoersch

Verlag: Piper Verlag
Seitenanzahl: 208 Seiten
ISBN: 978-3-492-07369-1
Erscheinungstag: 30.01.2026

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Häufige Fragen (FAQ)

Worum geht es in „Niemands Töchter“?

Um vier Frauen über vier Zeitebenen, deren Leben durch ein Familiengeheimnis verbunden sind — und um die Frage, wie sehr unsere Herkunft und die Beziehung zur Mutter uns prägen.

Ist „Niemands Töchter“ Judith Hoerschs erstes Buch?

Ja, es ist ihr Debütroman, erschienen im Januar 2026 beim PIPA Verlag. Bekannt ist Hörsch auch als Schauspielerin (u. a. als Lena Lorenz im ZDF).

Gibt es ein Hörbuch?

Ja, und die Autorin hat es selbst eingelesen — rund elf Stunden.

Ist der Roman für mich geeignet, wenn ich lineare Erzählungen bevorzuge?

Der Roman ist bewusst multiperspektivisch und „puzzleartig“ aufgebaut. Wer gern mitdenkt, wird belohnt; wer streng lineare Handlung sucht, sollte das wissen.

Worum geht es im Interview mit Judith Hoersch?

Über ihr Debüt „Niemands Töchter“: die vier Frauenfiguren, die Titelfindung, den Schreib- und Lektoratsprozess, das Einlesen des Hörbuchs und Social Media für Autorinnen.

Wie lang ist die Folge?

Rund 48 Minuten, inklusive Rezension, Check-in und Interview.

Wo kann ich den Podcast abonnieren?

Bei Apple Podcasts, Spotify, Deezer, TuneIn und über den RSS-Feed. Und gerne auch hier im Browser.

Über die Autorin

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