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Ein Glas Sekt zur Begrüßung, ein Gin Tonic nach der Premiere, ein Bier zum Feierabend: Alkohol gehört dazu. Wer ablehnt, muss sich rechtfertigen. Wer mittrinkt, bleibt unauffällig – selbst dann, wenn aus dem Glas längst Routine geworden ist und aus der Routine eine Sucht.
Die österreichische Kabarettistin Verena Titze spricht seit Jahren offen über ihren Burnout und ihre Alkoholsucht. Mit „Gin Boom“ hat sie nun einen Roman geschrieben, der dieses Thema literarisch aufgreift.
Im Zentrum steht Helena, eine erfolgreiche PR-Frau bei einem Fernsehsender. „Sie trinkt nicht, um zu vergessen, sondern um zu funktionieren“ – jahrelang, ohne dass es jemand bemerkt. Nach einem Zusammenbruch kämpft sie sich zurück in ihr altes Leben, in eine Welt aus Deadlines, Premieren und Aftershow-Partys. Ich habe Helena auf diesem Weg begleitet. Schon auf den ersten Seiten drängt sich die Frage auf, die den Roman durchzieht: Kann man nüchtern bleiben in einer Welt, die ständig anstößt?
Transparenzhinweis: Ich habe das Buch über den Verlag Ueberreuter als Rezensionsexemplar angefragt und kostenlos erhalten. Meine Meinung bleibt davon unberührt.
Rezension zu „Gin Boom“
Helena spielt nervös mit dem Haargummi an ihrem Handgelenk, um sich zu beruhigen. Sie sitzt mit ihrer langjährigen Freundin Moni im Freibad. Seit sechs Monaten ist sie trocken und stolz darauf. Nächste Woche kehrt sie in ihren alten PR-Job zurück. Doch ich frage mich: Ist das wirklich klug? Zurück an den Ort, wo alles begann?
Dieser Zweifel wächst mit jeder Seite. Helenas Chef Moritz weiß, dass er vorsichtig sein sollte – und ist es nicht. Seine E-Mails, gespickt mit Ausrufezeichen, setzen Helena unter Druck. Innerlich zerreißt es sie. Moritz glaubt, sie halte das aus. Schließlich hat sie immer abgeliefert, nüchtern wie verkatert.
Ich begleite Helena zu einem Theaterabend. Theater war immer Teil ihres Lebens und ist es geblieben – auch jetzt, in ihrem „danach“. Doch es bleibt riskant. Moni ist dabei und trinkt, wie selbstverständlich. Rücksicht auf die Freundin? Fehlanzeige, denke ich.
Nach der Vorstellung bricht Helena den Abend ab. Sie läuft noch mit Richtung Aftershow-Party, würde gern hingehen – doch die Gefahr eines Rückfalls ist zu groß. Ihre Nüchternheit geht vor. Zurück in ihrer Wohnung vertraut sie ihren Kummer ihrem Tagebuch an. Ein erzählerisches Mittel, das Verena Titze nutzt, um Helenas Perspektive zu vertiefen.
Eine Geschichte voller Figuren
Neben Helena treten auch ihr Vater Harald und ihre Mutter Susanne auf. Verena Titze gibt ihnen eigene Passagen, erzählt aus ihrer Sicht. Beide haben ein entspanntes Verhältnis zum Alkohol. Neben Moni begegnen wir Can, dem Schauspieler vom Theaterabend, sowie Judith, Moritz, Mira, Martina, Mikro und Robert. Und sicher noch ein paar Namen, die mir entfallen sind. Sie alle sind authentisch gezeichnet, handeln nachvollziehbar und sind im Verhalten, insbesondere mit Alkohol, sehr nahe an der Realität.
Ich habe das Buch über den Instagramkanal von Verena Titze entdeckt. Beim Lesen kam mir immer wieder der Wiener Dialekt in den Sinn. Verena schreibt, wie sie in ihren Reels spricht. Wortwahl und Rhythmus folgen dem Ton der österreichischen Hauptstadt. Es ist „eh“ „ois arg“ – oder so – und das lese ich auch in der Geschichte „Gin Boom“. Es ist kein Abklatsch, sondern ein Spiegel nicht nur der Wiener Gesellschaft.
Die Geschichte spielt in der Gegenwart, erhält mehr Dimensionen durch die Perspektiven verschiedener Figuren, wie Susanne, Harald, Moritz oder Can. Die Tagebucheinträge von Helena helfen die Figur besser einzuordnen und ihre Gedanken, gerade auch über die Sucht, zu verstehen. Der Stil fügt sich natürlich in die Erzählung ein.
Alkoholsucht steht im Zentrum der Handlung, doch sie ist nur die sichtbare Spitze. Darunter liegen Traumata: Machtmissbrauch, häusliche Gewalt, Suizid. Das erklärt, warum Menschen in die Abhängigkeit geraten – entschuldigt sie nicht.
„Gin Boom“ ist kein autobiografischer Roman
Helena schreibt Tagebuch, wie es auch Verena Titze tut. Doch Helena ist keine Kopie der Autorin, betont sie in Interviews. Zwar spricht sie offen über ihre eigene Sucht und teilt auf Instagram ihren Weg durch Reha und Genesung, doch „Gin Boom“ ist keine Autobiografie. Der Roman erhebt auch nicht den moralischen Zeigefinger. Stattdessen zeigt er, wie tief Alkohol in unserer Gesellschaft verankert ist – wie selbstverständlich er zum Alltag gehört.
„Als ich angefangen habe, mir eine neue Karriere aufzubauen, also ein Buch schreiben und auf die Bühne wollte, haben alle gesagt: ‚Verena, das mit dem Alkoholismus, das nimm raus. Wenn du publik machst, dass du ein Alkoholproblem hast oder hattest, dann bist du unten durch.‘ Das kam sogar aus schauspielerischen Kreisen: ‚Das mit dem Alkohol würde ich auf der Bühne weglassen.‘ Und ich habe mir dauernd gedacht: Aber genau darum geht es doch! Klar, es geht auch um mein Burnout, aber Burnout und Alkohol, das ist Henne und Ei. Das war ein gemeinsames Problem. Also habe ich mich gegen alle Ratschläge entschieden: Wenn schon, dann gehe ich mit allem raus. Das macht mich ja aus, dass ich authentisch darüber reden kann. Heute, sechs Jahre später, ist genau das meine größte Stärke. Wenn jemand käme und sagen würde: ‚Ha, ich decke etwas über dich auf!‘, dann würde ich nur sagen: ‚Nur zu, ich habe eh schon alles erzählt.‘“ Verena Titze in Die Büchersammlerin.
Funktionaler Alkoholismus ist gesellschaftlich verankert
Die Geschichte dreht sich um Helena, eine erfolgreiche PR-Frau. Hochfunktional, nüchtern wie betrunken, liefert sie ab – bis zum Absturz. Nach der Reha versucht sie, ins normale Leben zurückzufinden, scheitert und landet erneut im Entzug. Verena Titze schöpft aus eigenen Erfahrungen und macht Helena dadurch glaubwürdig. Der Roman zeigt ihren täglichen Kampf mit der Sucht, einem toxischen Umfeld und Machtstrukturen. Tagebucheinträge lassen die Leser:innen tief in Helenas Gedankenwelt eintauchen. Gegen Ende nutzt die Protagonistin sogar ChatGPT zur Selbsttherapie.
Was Verena Titze erzählt, ist keine neue Erkenntnis, sondern altes Wissen, das oft verdrängt wird. Schon 1849 beschrieb der schwedische Arzt Magnus Huss den „Alcoholismus chronicus“ als Krankheit.
1960 definierte der Suchtforscher E. M. Jellinek den „Spiegeltrinker“: Menschen, die nie betrunken wirken, aber keinen Tag ohne Alkohol auskommen. Sie halten ihren Pegel, funktionieren im Alltag und bleiben lange unauffällig.
Eine Studie des US-amerikanischen „National Institute on Alcohol Abuse and Alcoholism“ von 2007 zeigte, dass rund ein Fünftel aller Alkoholabhängigen zu diesem „funktionalen“ Subtyp gehört: mittleres Alter, gute Ausbildung, fester Job, Familie. Der Begriff „High-Functioning Alcoholic“ wurde erst 2009 populär.
Helenas Profil passt genau: PR-Frau bei einem Fernsehsender, die trinkt, um zu funktionieren, nicht um zu vergessen. Der Roman macht deutlich, was die Forschung längst weiß: Funktionieren ist kein Beweis für ein Problem – es ist seine Tarnung.
Unauffällig abhängig: Zahlen aus Deutschland, Österreich und der Schweiz
Helena ist kein Einzelfall, nirgendwo im deutschsprachigen Raum. In Österreich gelten laut Gesundheit Österreich GmbH rund 370.000 Menschen als alkoholabhängig, etwa fünf Prozent der Bevölkerung ab 15 Jahren.
In Deutschland sind laut Jahrbuch Sucht 2026 rund 2,2 Millionen Erwachsene zwischen 18 und 64 Jahren abhängig, weitere 1,7 Millionen betreiben Missbrauch. Die Autor:innen halten beide Zahlen für zu niedrig.
In der Schweiz schätzt das Bundesamt für Gesundheit die Zahl der Abhängigen auf 250.000 bis 300.000. Wie viel getrunken wird, unterscheidet sich deutlich. In Österreich kommen auf jede Person ab 15 Jahren im Jahr 11,5 Liter reiner Alkohol, in der Schweiz 7,6 Liter (beide 2024). Allein in Deutschland gehen jedes Jahr rund 44.000 Todesfälle auf Alkohol zurück.
Hinter diesen Zahlen stehen viele Menschen wie Helena: Sie gehen zur Arbeit, liefern ab und fallen niemandem auf.
Für wen sich das Buch lohnt
Verena Titze öffnet in „Gin Boom“ eine Welt über die kaum jemand spricht. Ihre Sichtweise konzentriert sich auf die Betroffene der Alkoholsucht und ist zuerst ein Roman, der unterhält: nah an Helena, erzählt mit Tempo und Szenen aus einer Welt voller Premieren, Events und Deadlines. Nebenbei hält der Roman uns einen Spiegel vor. Er zeigt, wie selbstverständlich wir trinken, anstoßen, nachschenken, und wie wenig Raum eine Gesellschaft Menschen lässt, die nicht mittrinken. Nicht nur wer in Medien, PR oder Kultur arbeitet, wird manches aus dem eigenen Alltag wiedererkennen.
Doch das Buch geht alle an, die sich fragen, warum Leistung bei uns so oft mit dem Glas in der Hand belohnt wird.
Weitere Bücher zum Thema Alkoholismus
Wer sich literarisch weiter mit dem Thema beschäftigen will, findet unterschiedliche Zugänge. Hans Falladas „Der Trinker“ (1950) erzählt aus der Ich-Perspektive eines Mannes im Alkoholrausch – nüchtern beobachtet, ohne Selbstmitleid, aber aus einer anderen Zeit und einem anderen Milieu als Verena Titzes Wien. Die Geschichte wurde 1995 neu verfilmt, mit Harald Juhnke, der selbst Trinker war.
Daniel Schreibers Essay „Nüchtern“ (2014) nähert sich dem Thema nicht erzählend, sondern reflektierend: eine literarische Selbstbefragung über das eigene Trinken und den Verzicht darauf. Ich habe es im Buddy Read mit Antje Tomfohrde gelesen. Antje hat dazu schon eine Rezension veröffentlicht.
Christoph Peters beschreibt in seinem autobiografisch geprägten Roman „Entzug“ (Luchterhand, 2026) aus der Ich-Perspektive einen Schriftsteller, der trinkt, um schreiben, denken und fühlen zu können, bis er irgendwann nur noch trinkt, um zu trinken. Der Roman ist in zwei Teile gegliedert, „Trinken“ und „Nicht trinken“, und schildert schonungslos die Logistik der Abhängigkeit: die Beschaffung, die Tarnung, den Betrug an den Menschen, die einem am wichtigsten sind.
Wiebke Lorenz wiederum wählt in „Voll im falschen Film“ (Pendragon, 2026) einen ganz anderen Ton: Ihre Hauptfigur Nora Stern, eine erfolgreiche TV-Schauspielerin und zweifache Mutter, ist seit drei Jahren trocken, bis sie nach einer Joggingrunde in einem fremden Partykeller aufwacht, eingesperrt, umgeben von Alkohol. Der Rückfall wird zur Ermittlung: gegen alte Feinde, gegen die eigene, zunehmend brüchige Erinnerung.
Einen anderen, indirekteren Blick auf Sucht wirft Delphine de Vigan in „Loyalitäten“ (Les Loyautés, 2018, dt. bei DuMont). Anders als Titze, Peters oder Lorenz stellt sie nicht eine trinkende Erwachsene ins Zentrum, sondern den zwölfjährigen Théo: ein stiller, fürsorglicher Junge, der zwischen den Wohnungen seiner getrennten Eltern pendelt und dabei entdeckt, dass Alkohol die willkommene Betäubung bringt, nach der er sucht. Sein bester Freund Mathis trinkt heimlich mit ihm, in einem versteckten Winkel der Schule, aus Loyalität, nicht aus Lust.
De Vigan erzählt aus vier wechselnden Perspektiven und macht so sichtbar, wie Sucht selten allein entsteht: Théos Vater ist arbeitslos, mittellos, depressiv und kaum noch in der Lage, aus dem Bett aufzustehen, und der Junge hält aus Loyalität zu ihm dicht, verrät nichts, auch nicht der Mutter. Wo Titze zeigt, wie eine erwachsene Frau ihre Sucht hinter Funktionieren verbirgt, zeigt de Vigan, wie ein Kind genau das Gleiche lernt, bevor es überhaupt eine Sprache dafür hat und wie sehr Schweigen selbst schon eine Form von Loyalität sein kann, die am Ende alle Beteiligten überfordert. Das Buch habe ich im Buddy Read mit Fabian Wilhelm gelesen und in seinem Podcast „Ein Buch, ein Tee“ besprochen.

Themen der Folge
- Funktionierender Alkoholismus — Sucht hinter einem gelungenen Leben
- Alkoholkonsum in Deutschland und Österreich im Zahlenvergleich
- Dunkelziffer, Scham und warum sich so wenige Hilfe holen
- Sucht als Krankheit: der Vergleich mit Diabetes
- Machtstrukturen und Systeme, die krank machen
- Doppelmoral: die betrunkene Frau und der lustige betrunkene Mann
- Craving – psychische versus körperliche Abhängigkeit
- Alkohol als politisches Thema: Lobbys, Verfügbarkeit, Werbung, Wettsucht
- Offenheit als Schutz: Warum Verena Titze mit allem rausgegangen ist
- Alkohol im Arbeitsumfeld: After-Work-Drinks, Firmenevents, Weingeschenke
- Schreibprozess: ein Jahr, in Wellen – und warum der Anfang das Schwerste ist
- Reaktionen, Rezensionen, Hate und die 95 Prozent, die zählen
Shownotes
01:30 Rezension: Gin Boom von Verena Titze
08:33 Check-In mit Verena Titze
17:40 Interview mit Verena Titze über Gin Boom
20:20 Es gibt ein Alkoholproblem in Deutschland und Österreich
21:38 Funktionierender Alkoholismus
23:34 Darum gehts in Gin Boom
25:45 Die Protagonistin Helena
27:32 Ist Alkoholismus eine Sucht oder eine Krankheit?
31:07 Wie waren die Reaktionen auf Gin Boom?
36:11 Wird weibliche Sucht anders verurteilt als Männliche?
41:07 Wie politisch ist Alkoholismus?
42:40 Wie lange hast du an Gin Boom geschrieben?
45:21 Warum wurde es ein Roman und kein Sachbuch?
46:41 Eine Seite aus Gin Boom
50:34 Was bedeuten Auszeichnungen?
52:32 Verena Titze klärt auf Instagram auf
59:08 Keynotes in Unternehmen: Was verändert sich?
01:00:30 Business Events mit Alkohol – schwierig
01:02:49 Podcast: Musalek und Titze
01:08:50 Was liest du gerade Verena?
01:09:07 Antifragilität von Nassim Taleb
01:09:17 The Worm at the Core – Sheldon Salomon
01:09:37 A court of thorns and roses Sarah J. Maas
01:10:07 Butter von Asako Yuzuki
01:15:25 Weitere Romane zum Thema Alkoholismus
01:18:09 Podcast Ein Buch ein Tee – zur Folge Loyalitäten
Über die Autorin: Verena Titze

Verena Titze ist Niederösterreicherin des Jahres 2026. Das Magazin DIE NIEDERÖSTERREICHERIN hat die Kabarettistin, Autorin, Podcasterin und Keynote-Speakerin am 11. Juni 2026 in der STYX-Remise in Ober-Grafendorf ausgezeichnet. Gewürdigt wurde ihre Aufklärungsarbeit zu Burnout, Sucht und mentaler Gesundheit.
Titze wurde 1985 in Niederösterreich geboren und lebt heute in Wien. Die Themen, über die sie spricht, kennt sie aus eigener Erfahrung: 2020 geriet sie durch Burnout und Alkoholabhängigkeit in eine tiefe persönliche Krise. Seit rund sechs Jahren lebt sie nüchtern. Diesen Weg hat sie in ihrem autobiografischen Debüt „Burnt.Out“ aufgeschrieben. Im März 2026 folgte mit „Gin Boom“ im Ueberreuter Verlag ihr erster Roman.
Gemeinsam mit dem Psychiater Michael Musalek macht sie den Podcast „Musalek & Titze“. Er kam beim Ö3 Podcast Award 2024 und 2025 jeweils unter die Top 5 und läuft inzwischen auch als TV-Format auf W24. Im November 2024 brachte sie ihr erstes Kabarettprogramm auf die Bühne: „Erfolgreich ins Burnout – Ein kabarettistischer Crashkurs“. Im selben Jahr erhielt sie den Stefan Rudas Preis.
„Gin Boom“ von Verena Titze
Erscheinungsdatum: 02/2026
Verlag: Carl Ueberreuter
Seiten: 184
ISBN: 978-3-8000-7806-6
„In ‚Gin Boom‘ geht es um meine Heldin Helena. Sie ist eine junge Frau, die im PR-Business arbeitet: hochfunktional, sie funktioniert in ihrem Job. Gerade kommt sie aus einer Alkoholreha und versucht, in ihrem Umfeld, aus dem sie kurz draußen war, wieder zu funktionieren.“
Verena Titze in „Die Büchersammerlin“

Was liest eigentlich Verena Titze?

Antifragilität von Nassim Nicholas Taleb, übersetzt von Susanne Held
Seiten: 688
Erschienen am: 27.08.2018
Originaltitel: Antifragile. Things That Gain from Disorder
Übersetzung: Aus dem Amerikanischen von Susanne Held
ISBN: 978-3-570-55389-3
Nassim Nicholas Taleb meint, dass unsere unsichere Welt und ihr System sich als zerbrechlich erwiesen haben. Wir hätten aber nichts daraus gelernt. Als Gegenmittel schlägt er „Antifragilität“ vor und überträgt dafür seine Erkenntnisse aus der Zufallsforschung auf Erziehung, Kultur, Politik und viele weitere Lebensbereiche. Seine Kernthese: Wir sollten Zufall und Ungewissheit nicht um jeden Preis abwehren, sondern sie zu Stärken machen, denn nur das Antifragile hat Bestand.
The Worm at the Core von Sheldon Solomon, Jeff Greenberg, Tom Pyszczynski
Verlag: Penguin
Erschienen: 26/05/2016
Seiten: 288
ISBN: 9780141981628
In „The Worm at the Core“ zeigen die Sozialpsychologen Sheldon Solomon, Jeff Greenberg und Tom Pyszczynski, wie stark das Wissen um den eigenen Tod unser Verhalten bestimmt, oft ohne dass wir es merken. Dahinter steht ihre „Terror-Management-Theorie“, die auf Ideen des Anthropologen Ernest Becker aufbaut. Nach dieser Theorie halten wir die Angst vor der Sterblichkeit in Schach, indem wir uns an Weltanschauungen, Religion, Kultur, Selbstwert und die Hoffnung auf etwas Bleibendes klammern. Das prägt Alltagsentscheidungen, aber auch Vorurteile, Konflikte und politische Haltungen. Am Ende fragen die Autoren, wie man mit dem Bewusstsein der eigenen Sterblichkeit authentischer leben kann.


A court of thorns and roses von Sarah J. Maas
Verlag: dtv
Erscheinungsdatum: 13.08.2026
Seiten: 480 Seiten
Übersetzung: Aus dem amerikanischen Englisch von Alexandra Ernst
ISBN : 978-3-423-28587-2
„A Court of Thorns and Roses“ ist der erste Band der gleichnamigen Fantasy-Reihe von Sarah J. Maas. Die 19-jährige Jägerin Feyre tötet im Wald einen Wolf. Daraufhin verlangt ein tierähnliches Wesen Vergeltung und verschleppt sie ins magische Reich der Fae. Ihr Entführer ist Tamlin, ein tödlicher, unsterblicher Fae. Auf seinem Anwesen weicht Feyres Feindseligkeit nach und nach einer leidenschaftlichen Liebe. Gleichzeitig bedroht eine uralte Dunkelheit das Feenreich, und Feyre muss einen Weg finden, Tamlin und seine Welt zu retten.
Verlag: Aufbau Taschenbuch
Veröffentlichung: 08.12.2023
Seiten: 442
Übersetzt von Ursula Gräfe
ISBN: 978-3-7466-4071-6
„Butter“ von Asako Yuzuki ist ein Roman über weibliche Selbstbestimmung, verpackt in eine Kriminal- und Kochgeschichte. Die Tokioter Journalistin Rika recherchiert über die mutmaßliche Serienmörderin Manako Kajii. Kajii soll Männer mit ihren Kochkünsten verführt und dann getötet haben. Sie verachtet „Margarine und Feministinnen“ und feiert hemmungslosen Genuss, vor allem Butter. Aus dem Gefängnis heraus bringt sie Rika die Kunst des Lebens bei, und zwar übers Kochen. So feiert der Roman Genuss und Essen und zeigt zugleich, welche unerfüllbaren Erwartungen patriarchale Gesellschaften an Frauen stellen.
Vorbild für die Geschichte ist ein realer Kriminalfall aus Japan.

Weitere Rezensionen über „Gin Boom“ und Podcastfolgen mit Verena Titze
#85 Zyklus Die Macht der Worte 2: Gin Boom – oder das geschriebene Wort
“Gin Boom”: Verena Titze im Talk über ihren neuen Roman
#277 Alkohol und Machtsysteme: »Gin Boom« von Verena Titze – SodaKlub Podcast für Unabhängigkeit
#10 Verena Titze – Wenn ich es mache, habe ich schon gewonnen – Podcast How to Fly
Nüchternheit, Burnout und Alkohol in Österreich mit Kabarettistin Verena Titze – Kater. Sucht. Freiheit. – Glücklich Nüchtern Podcast
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Quellen
- Huss, Magnus: Alcoholismus chronicus. Schwedisches Original 1849. Deutsche Übersetzung 1852: Chronische Alkoholskrankheit oder Alcoholismus chronicus.
- Jellinek, E. M.: The Disease Concept of Alcoholism. New Haven: Hillhouse Press 1960.
- Kelly, John F.: E. M. Jellinek’s Disease Concept of Alcoholism. Addiction 114 (2019), Heft 3, S. 555–559.
- Moss, Howard B.; Chen, Chiung M.; Yi, Hsiao-ye: Subtypes of alcohol dependence in a nationally representative sample. Drug and Alcohol Dependence 91 (2007), S. 149–158.
- National Institute on Alcohol Abuse and Alcoholism (NIAAA): Researchers Identify Alcoholism Subtypes. Pressemitteilung vom 28.6.2007.
- Benton, Sarah Allen: Understanding the High-Functioning Alcoholic: Professional Views and Personal Insights. Westport: Praeger 2009.
Zahlen Deutschland
- Manthey, Jakob; Kilian, Carolin: Alkohol. In: Deutsche Hauptstelle für Suchtfragen (Hg.): Jahrbuch Sucht 2026, S. 41–60.
Zahlen Österreich
- Bachmayer, Sonja; Strizek, Julian; Uhl, Alfred: Handbuch Alkohol – Österreich, Band 1: Statistiken und Berechnungsgrundlagen, Datenjahr 2024. Wien: Gesundheit Österreich GmbH, Dezember 2025.
- Strizek, Julian; Bachmayer, Sonja; Puhm, Alexandra: Factsheet Alkoholkonsum in Österreich 2025. Gesundheit Österreich GmbH, März 2026.
- Öffentliches Gesundheitsportal Österreichs: Dialogwoche Alkohol 2025, 6.5.2025.
Zahlen Schweiz
- Bundesamt für Gesundheit (BAG): Alkoholkonsum in der Schweiz: Zahlen und Fakten.
- Sucht Schweiz: Zahlen und Fakten Alkohol.

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