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Huch, der Bewerber steht vor der Tür!

Huch, der Bewerber steht vor der Tür

Wir haben es alle schon mal erlebt: Der neue Arbeitgeber ist unvorbereitet.

Und es ist uns allen schon selbst passiert: Wir waren als Arbeitgeber unvorbereitet.

Sehr peinlich!

In diesem Artikel erklärt Katrin, wie du diese Situation vermeiden kannst.

Jobinterviews mit Plan – So bereitest dich vor.

Kommt dir das bekannt vor? Es klingelt an der Bürotür und genau in dieser Sekunde fällt dir ein, dass du das nächste Jobinterview noch vorbereiten wolltest. Ohje! Jetzt noch schnell die E-Mail des Bewerbers suchen.

Wie hiess der nochmal?

Achja! Hier ist’s ja und Gott sei dank sind da auch die Anhänge. Nur noch rasch die Unterlagen ausdrucken und auf dem Weg zum Meetingraum den einen Stapel noch dem Kollegen oder Chef in die Hand drücken. Zum Glück hat ein anderer umsichtiger Kollege in der Zwischenzeit den Bewerber an der Tür abgeholt, ihn schon mal in den Raum gebeten und Kaffee angeboten.

Mit nur drei Minuten Verspätung stehst du etwas hektisch aber freudestrahlend dem hoffentlich neuen Mitarbeiter gegenüber.

Puh, das war aber knapp! Eine Stunde später verlässt der Bewerber dein Büro wieder und du fragst dich, ob ihr wohl wirklich zusammenfinden werdet. Irgendwie hat er gar nicht so recht von sich erzählt. Irgendwie habt ihr viel von eurem Unternehmen erzählt. Und von den vielen anstehenden Events. Und wie cool das Zusammenleben so ist. Und wie herzlich die Atmosphäre ist. Nach den nächsten drei Gesprächen dämmert dir, dass du keine rechte Ahnung hast, wen du nun einstellen solltest. “Wer passt da wirklich zu uns?”
Ganz ehrlich, ich habe solche und ähnliche Situationen mehr als einmal erlebt. Wenn du das Leben in Eventagenturen, Locations oder Hotels kennst, weisst du, dass es oft hektisch zugeht. Trotz guter Vorsätze wie “Dieses Mal bereite ich mich aber rechtzeitig vor!” kann so etwas passieren.

Muss es aber nicht! Vor allem sollte es nicht.

Gute Arbeitnehmer sind selten – gute Arbeitgeber allerdings auch. Deshalb brauchst du eine professionelle und zugleich knackige Vorbereitung für deine Mitarbeiterauswahl. Alles andere ist Zeitverschwendung – für dich, dein Unternehmen und für den Bewerber. Zur Vorbereitung gehört auch ein professionelles Jobinterview und so bereitest du es vor:

Wen suchst du da eigentlich?

Überlege ganz genau, wen du suchst. Wie du dabei vorgehen kannst, habe ich hier schon einmal näher betrachtet. Bevor du eine Stellenanzeige formulierst, frage dich: “Was ist der Knackpunkt bei dieser Stelle? Worum geht es im Kern?”. Was würdest du abends einem Kumpel erzählen, wen du da suchst? Reduziere es auf die wesentlichen Anforderungen!

Beispiele:

  • “Wir brauchen einen Eventmanager, der sehr gut strukturiert denkt und plant und der unseren Kunden auch mal sagt, wo unsere Grenzen sind.”
  • “Wir brauchen einen fleissigen Typen, der den ganzen Tag sehr akkurat Daten pflegt.”
  • “Wir suchen die gute Seele für unser Büro. Umsichtig und freundlich.”
  • “Wir brauchen jemanden am Check-in, der die Leute herzlich in Empfang nehmen kann. Am besten so, dass sie sich gleich wie Zuhause fühlen.”
  • “Wir brauchen einen Sales-Manager, der auch Pinguinen einen Kühlschrank verkaufen kann.”

Behalte diese Kernanforderung im Hinterkopf, wenn du die Stellenanzeige formulierst. Frag dich immer wieder, ob du abschweifst oder gar die eierlegende Wollmilchsau suchst. Treffen die ersten Bewerbungen ein, nimmst du deine Kernaussage wieder heran und filterst genau danach, wen du einlädst und wen nicht. Sind die ersten Einladungen ausgesprochen, brauchst du spätestens jetzt einen Gesprächsleitfaden.

Behalte die Kernanforderung an die vakante Position im Hinterkopf, wenn du die Stellenanzeige formulierst. Frag dich immer wieder, ob du abschweifst oder gar die eierlegende Wollmilchsau suchst. #HR #Recruiting #KMU Klick um zu Tweeten

Aufbau eines qualitatives Interviews

Willst du alle Gespräche nach dem gleichen Muster durchführen, kann so dein nächstes Jobinterview ablaufen:

Die einzelnen Phasen: Inhalt und Bedeutung der Phasen:
Warming-up
(Ice breaking)
Hier findet nur Small Talk statt. Es geht darum, Vertrauen und eine vertrauensvolle Atmosphäre zu schaffen.
Außerdem stellst du den Ablauf des Gespräches vor und gibst allen Beteiligten damit eine Orientierungshilfe. In dieser Phase stellen sich auch alle Interviewpartner vor:
“Wer bin ich und was ist meine Tätigkeit hier?”
Informationen sammeln In dieser Phase sammelst du Informationen über den Bewerber. Selbstverständlich hast du den Lebenslauf des Bewerbers schon gelesen und kannst jetzt deine noch offenen Fragen stellen.
Was wissen Sie über uns? Was weiss der Bewerber über uns?
Warum will er zu uns? Was ist ihm wichtig?
Jetzt gilt es mitzuschreiben! Es geht auch darum, Feedback zu deinem Unternehmen einholen.Erst dann stellst du deine Agentur und die vakante Position genauer vor. Umgekehrt kann der Bewerber jetzt nachfragen, was für ihn noch unklar war. Diese Reihenfolge hat den Vorteil, dass die schnell ausufernden Selbstpräsentationen von Unternehmen automatisch zeitlich begrenzt sind.
Realistic Recruiting Sind wirklich alle kritischen Punkte geklärt worden? Um noch einmal auf deine Kernaussagen zurück zu kommen: Ist dem Bewerber klar, dass er “den ganzen Tag Daten pflegen wird”? Oder dass er “die gute Seele des Hauses sein soll”? Oder dass er “pausenlos am Telefon hängen wird”? Stelle diese Frage ganz konkret und höre bei der Antwort genau zu. Es geht darum, dass du “Frühkünder” vermeiden willst. Denke immer daran, dass Einarbeitungszeiten und -kosten hoch sind.
Wie geht es weiter? Erkläre, wie der Prozess weitergeht.
Ein Tipp: Sage dem Bewerber, er solle eine Nacht “darüber schlafen” und dir am nächsten Tag erklären, ob er den Job dann immer noch haben will. Am besten telefonisch. Man hört meist schon an der Stimme, ob derjenige wirklich im Boot ist oder nicht.

Für mich ist der zentrale Punkt des qualitativen Interviews die kritische Frage. Kannst du dir vorstellen, dass er deine Wunschanforderung wirklich so erfüllt?

Neben dem “realistic recruiting” solltest du dir auch den ersten Eindruck deines Gegenübers bewusst machen. Dieser wirkt übrigens auch gegenüber Kunden oder Kollegen. Beeinflusst dich der erste Eindruck unbewusst, kann das eine Fehlbesetzung bedeuten. Werde dir also darüber klar, welche ersten Gedanken du beim Interview hattest.

Notiere diese.

Sonst überlagern sie möglicherweise deine spätere Beurteilung und Auswahlentscheidung. Man spricht auch vom Halo-Effekt (Heiligenschein). Dieser Effekt beschreibt eine verzerrte Wahrnehmung und ist ein systematischer Fehler der Personenbeurteilung. Dabei wirkt ein einzelnes Merkmal einer Person so dominant, dass andere Merkmale in der Beurteilung dieser Person sehr stark in den Hintergrund gedrängt oder gar nicht mehr berücksichtigt werden. Beispielsweise umgibt sehr gute Schüler häufig so ein Halo-Effekt.

Wer in Mathe, Deutsch, Englisch und Physik bisher sehr gute Noten erhalten hat, wird von diesen Lehrern höchstwahrscheinlich auch sehr gute Noten in anderen Fächern erhalten – auch wenn er dort maximal gute Noten verdient hätte. Kommt ein sehr guter Schüler zu spät, ist das auch weniger dramatisch als bei passierte es einem durchschnittlich guten Schüler. Der Halo-Effekt wirkt natürlich auch im Arbeitsleben.

Was ist der Knackpunkt der ausgeschriebenen Position? Realistic Recruiting gehört zu jedem Jobinterview dazu. #Recruiting #HR #KMU Klick um zu Tweeten

Aufbau eines Interviewleitfadens

Willst du alle Bewerber nach den gleichen Standards bewerten, benötigst du einen Interviewleitfaden. So könnte er aussehen:

Jobinterview Leitfaden

Jobinterview Leitfaden

Fazit: Personalauswahl braucht eine gute und durchdachte Vorbereitung. So wie du merkst, ob sich der Bewerber vorbereitet hat, so merkt er es auch bei dir. Fange also am besten schon im Auswahlprozess damit an, Mitarbeiter wertschätzend an dich zu binden. Mit dieser Vorlage bist du bestens gewappnet. Fülle sie gleich nach der Terminvereinbarung aus. Dann gehört das eingangs geschilderte Szenario hoffentlich der Vergangenheit an.

Personalauswahl braucht eine gute und durchdachte Vorbereitung. So wie du merkst, ob sich der Bewerber vorbereitet hat, so merkt er es auch bei dir. #Recruiting #KMU #Eventprofs #Hotellerie Klick um zu Tweeten
Hast du solche Gespräche auch schon einmal erlebt? Hast du nun einmal die Vorlage für ein Jobinterview genutzt?

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Über die Autorin: Katrin Taepke, MBA, CMP

Eventprofi mit Leidenschaft für Digitalisierung und interaktive Eventformate

Ich bin eine engagierte Persönlichkeit mit Organisationstalent, unternehmerischem Denken und Leidenschaft für B2B-Veranstaltungen. Kunden und Kollegen schätzen meine umfangreichen Erfahrungen im Veranstaltungsmanagement: Budgets, Marketing, Social Media,Verhandlungen, Kommunikation. Mein berufsbegleitendes MBA-Studium mit dem Schwerpunkt Entrepreneurship spiegelt meine Interessen in den Bereichen Business Development, Digitalisierung sowie mein unternehmerisches Know-how wider. In meiner aktuellen Position bin ich bei der IHK als Leiterin Referat Aussenwirtschaftsveranstaltungen und darüber hinaus als Geschäftsführerin eines bayerischen Industrie- und Handelskammer-Gremiums tätig. Ausserdem engagiere ich mich in der und für die MICE-Branche.

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